Kunstwerke im Landtag

Das Landtagsgebäude ist nicht nur selbst ein architektonisches Kunstwerk. Es beherbergt darüber hinaus auch viele unterschiedliche Werke zahlreicher namhafter Künstlerinnen und Künstler. Darunter Emil Schumacher, Günther Uecker und Otto Piene. Einige dieser Werke werden im Folgenden vorgestellt. 

„Landeswappen Nordrhein-Westfalen“ von Ferdinand Kriwet

Das Kunstwerk Ferdinand Kriwets ist zweifellos an einer ausgesprochen repräsentativen Stelle platziert: im Plenarsaal der Volksvertretung Nordrhein-Westfalens. Der Düsseldorfer Künstler war vom Landtag mit der Gestaltung des Wappens von Nordrhein-Westfalen für den neuen Plenarsaal beauftragt worden.

3630 einzelne Aluminiumzylinder hat das Werk – 6,05 Meter lang und 2,40 Meter hoch ist die künstlerische Gestaltung des Landeswappens an der Stirnseite des Plenarsaals hinter dem Podium des Präsidiums. Der Künstler selbst sagte: „Ich habe das Wappen nicht neu geschaffen, sondern neu gestaltet. Ich habe es der Architektur von Fritz Eller angepasst.“ Dabei sollte nicht nur die Bedeutung des Plenarsaals als Ort der öffentlichen Debatte und Entscheidung mit dem Wappen des Landes herausgehoben werden; das Kunstwerk musste auch fernsehtauglich sein, da abzusehen war, dass die Stirnseite des Plenarsaals den Hintergrund für Fernsehübertragungen abgeben werde.

„Interferenzen“ von Günther Uecker

Nägel sind zu seinem künstlerischen Markenzeichen geworden. Sie sind seit Ende der 50er-Jahre das Hauptgestaltungsmittel für Günther Uecker und ziehen auch neben dem Eingang zum Plenarsaal die Blicke auf sich. Weitere Materialien sind Holztafeln, Leinwand und Farben. Es sind fünf Holztafeln: zwei mit Leinwand bespannt, zwei mit weißer Farbe bestrichen, eine blankes Holz. Ueckers Arbeit „Interferenzen“ greift den Kreis als Grundform der Architektur auf.

Mit dem Kreis nimmt Uecker nicht nur die geometrische Grundfigur des Landtagsgebäudes auf: Der Kreis resultiert vielmehr daraus, dass sich der Künstler in sein Werk „hineinbegibt“. Kniend hat Uecker die Farbe mit seinen Händen auf die fünf Tafeln aufgetragen. Aus der Bewegung, die der Künstler um sich herum als Zentrum ausführt, entsteht der Kreis. Uecker selbst hat den Zusammenhang mit dem menschlichen Handlungsraum hergestellt, „der seinen Maßstab in der Proportion des Körpers findet.“ Der Mensch steht im Mittelpunkt, er bestimmt die äußeren Linien der Kreise durch die Reichweite seiner Hände, mit denen er die Farben aufgetragen hat.

Es ist ein Appell, sich dessen bewusst zu sein – ein Appell an den einzelnen Menschen, im Parlament aber an die gewählten Politikerinnen und Politiker. Der unvollendete Kreis weist auf die fortschreitenden Veränderungen hin, die Geschichte bleibt nicht stehen, der Auftrag, sie positiv zu gestalten, bleibt.
 

„Ave und Aurora“ von Otto Piene

Vom Werk Pienes geht eine starke Wirkung aus. Er setzt die Kraft des Feuers als Urelement ein. Die Stärke der Natur wird demonstriert: Sonne und Licht haben in Pienes Werken eine besondere Bedeutung. Seit Ende der 50er-Jahre ist das Feuer das bestimmende Wirkungselement des Künstlers. Mit Feuer hat er Leinwand und Farben verändert, geschwärzt und angebrannt. Feuer, Licht und Farben verbinden sich: Die Spuren des Feuers bilden Rückstände auf dem Bildgrund. Mit seinen Titeln wie „Ave und Aurora“ unterstützt Piene die Wirkung seiner Werke und liefert Hinweise zu ihrem Verständnis. Die Spur des Feuers hinterlässt Sinnbilder für Energie, Kraft und Schönheit des Lichts. Und in der Tat erinnert Piene mit seinem Werk an die Leuchterscheinung eines Polarlichts. So tragen Nordlichter die Bezeichnung Aurora borealis, Südlichter Aurora australis.
 

 „Ave und Aurora“ ist ein typisches Feuerbild Pienes: Um den Kern herum zeigt es die Krusten- und Blasenbildung, die beim Anbrennen von Ölfarbe entsteht, die der Künstler in einem ersten Schritt expressiv auf die liegende Leinwand kippt. Mit Hilfe des Feuers entwickelt Piene während des kurzen Brennprozesses die Technik des Gelierens der Farbe auf dem Bildträger. Nach dem Erlöschen wird die selbsttätig entstandene Struktur fixiert. Die Wirkung der Bilder wird durch den Kontrast – links ein dunkler Kreis, rechts ein heller Kreis – verstärkt. 

 

„Wandbild” von Emil Schumacher

Vom Landtagsrestaurant blickt man auf den dahinströmenden Rhein. Hat der Fluss Emil Schumacher zu seinem Wandgemälde inspiriert? Es ist zu vermuten, jedoch nicht zu belegen, dass der Künstler mit seinem Werk die Landschaft des Rheins aufnehmen und so eine direkte Verbindung vom Parlamentsgebäude zum Wasser des Rheins herstellen wollte. Es ist ein großformatiges Werk – Keramik auf Vulkanplatten – zweiundzwanzig Meter lang und über drei Meter hoch mit den Farben schwarz, weiß, blau und grau-weiß. Der Blick auf den Rhein und das expressive Werk mit seinen kräftigen, leuchtenden Farben nehmen dem großen Restaurantraum nicht nur die Nüchternheit, sondern verleihen diesem eine besondere Schönheit. Natur und Kunst ergänzen sich in beeindruckender Weise.
 

„One up, one down – excentric” von George Rickey

Die fast 15 Meter hohe Edelstahlkonstruktion von George Rickey bewegt sich lautlos in der Luft. Die Konstruktion wirkt einfach, unterstrichen noch durch ihren Titel „One up, one down – excentric“, ist aber mit wissenschaftlicher Exaktheit umgesetzt. Rickey nutzt für seine künstlerische Arbeit die Naturgesetze, die Windkraft und die Schwerkraft. Er schaut sich für seine Mobiles die Bewegung von der Natur ab.

Die rostfreien Stahlelemente, vom Volksmund despektierlich „Pommespicker“ genannt, werden allein von der Kraft des Windes angetrieben. Durch den Wind kommen sie in Bewegung und vollführen immer neue Konstellationen, wirken dabei jedoch wie in einem schwerelosen Schwebezustand

Rickeys Werk steht vor dem Landtagsgebäude. Es ist von innen, beispielsweise von den Besucherinnen und Besuchern im Parlamentsrestaurant zu sehen. Es zieht aber auch die Blicke der Spaziergänger auf der Rheinpromenade auf sich. Es ist Rickeys Beitrag zu dem Konzept der „Kunst am Bau“.
 

„Tzaphon” von Dani Karavan

Der Vorplatz vor dem Landtagsgebäude wird bestimmt, aber nicht beherrscht von der Stahlskulptur des israelischen Künstlers Dani Karavan. Das ist erstaunlich bei den Ausmaßen von 15 Metern Durchmesser und dem Gewicht der Stahlplatte von 120 Tonnen. Es ist jedoch typisch für Karavan, dass er seine Arbeiten sehr präzise auf den Ort bezieht – Resultat eines genauen Studiums der städtebaulichen oder landschaftlichen Umgebung. So integriert sich sein Werk in das Rondell vor dem Landtagsgebäude.. „Ich bin wie ein Schneider“, erklärt der Künstler, „ich passe alle meine Werke genau ihrem Ort an.“ Das bedeutet beispielsweise, dass die Sicht auf das Gebäude nicht beeinträchtigt wird.

Die die Stahlplatte durchquerende Schiene verleiht dem Werk Karavans einen besonderen Akzent: Sie weist nicht nur den Weg durch die große Freifläche hin auf den Eingang und die Glasflächen des Gebäudes – die gesamte Rondellgestaltung ist einladend und heißt die Besucherinnen und Besucher willkommen. Der Landtag Nordrhein-Westfalen erhebt den Anspruch, ein Haus für die Bürgerinnen und Bürger zu sein.

 

„Raum der Stille” von Prof. Gotthard Graubner

Der Raum der Stille befindet sich im Erdgeschoss, etwas abseits der Bürgerhalle. 45 Quadratmeter, heller Teppichboden, helle Wände, unterbrochen nur von zwei „Farbraumkörpern“ des Künstlers Prof. Gotthard Graubner, der den Raum gestaltet hat. Sie sehen aus wie gelbe Kissen. „Die Gelbtöne der Gemälde unterscheiden sich durch ihre Nuancen“, hatte Graubner einmal in einem Interview erklärt: „Erst durch die Nuance wird Farbe zur Malerei. Und dann fangen die Bilder an zu atmen.“

Der Raum der Stille ist ein religionsneutraler Raum. Er soll als Rückzugsraum dienen, als Ort, an dem Menschen im hektischen Alltag zur Ruhe kommen können. Während der Plenarwochen werden dort donnerstags zwar Landtagsandachten gefeiert, zu denen die evangelische und katholische Kirche einladen. Aber: Im Raum selbst finden sich keine religiösen Symbole. Im Vorraum schon. Neben einem Kreuz für christliche Andachten gibt es dort auch muslimische Gebetsteppiche, die das türkische Generalkonsulat übergeben hat, sowie eine Menora. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf hatte den siebenarmigen Leuchter gespendet. Bei Bedarf werden Kreuz, Teppiche und Menora in den Raum der Stille gebracht.

 

 

Die Fraktionen im Landtag NRW