Wer nach einem architektonischen Bild sucht, in dem die Demokratie ihr Wesen zu erkennen gibt, findet eines in Gestalt dieses Bauwerks.

Die Zeit 38/1988

Architektur des Landtags

Das Landtagsgebäude am Rheinufer gehört zu den beeindruckendsten Parlamentsneubauten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Jährlich fasziniert es mit seiner kreisrunden Architektur Tausende Besucherinnen und Besucher von nah und fern.

Am 2. Oktober 1988 konnten die nordrhein-westfälischen Abgeordneten offiziell in den Neubau einziehen – auf den Tag genau 42 Jahre nach der ersten Sitzung des Parlaments im Düsseldorfer Opernhaus. In einem bundesweiten Wettbewerb hatten sich die Architekten Fritz Eller, Erich Maier, Robert Walter und Partner mit ihrem Konzept durchgesetzt. Sie sahen ein Gebäude vor, das die notwendige Funktionalität der politischen Arbeit mit dem repräsentativen Charakter eines modernen und bürgernahen Parlaments vereint.

Kreisrunder Plenarsaal

Die Idee, die zum Entwurf für das Haus führte, stammte von den Abgeordneten selbst. Sie wollten einen kreisrunden Plenarsaal, einen Ort, an dem alle zusammenkommen und vom eigenen Platz aus mit den anderen sprechen können. Um den Plenarsaal herum sind alle Räume des parlamentarischen Geschehens angeordnet, so beispielsweise der Präsidialbereich mit dem Empfangsraum des Präsidenten oder auch die Wandelhalle. Die Fraktionszentralen und die Räume der Abgeordneten umrunden diesen „Kern“ und umfassen das Haus von außen schalenförmig. Diese Architektur bietet kurze Wege für Abgeordnete wie auch für Besucherinnen und Besucher.

Im Erdgeschoss ist die Bürgerhalle, die große Eingangs- und Empfangshalle, zum Forum der Bürgerinnen und Bürger geworden – für politische, kulturelle und wirtschaftliche Ereignisse ebenso wie für gesellschaftliche Veranstaltungen und formlose Begegnungen mit den Abgeordneten.

Offenheit 

Charakteristisch für das Gebäude ist seine Offenheit. Öffnung nach außen besagt aber mehr als nur die Verwendung von Glas an den Fassaden und im Eingangsbereich oder die Durchsicht durch das Gebäude bis in die Rheinaue. Sie verlangt vielmehr, dass den Besucherinnen und Besuchern das parlamentarische Geschehen nicht verborgen bleibt. Ein gläserner Besucheraufzug mit Einblick in das Haus und die Durchsicht von den Umgängen in den Plenarsaal sind nur zwei Beispiele dafür, dass die Abläufe und der parlamentarische Alltag den Betrachterinnen und Betrachtern nicht verborgen bleiben. Andererseits wurde jedoch der Versuchung widerstanden, auch dort Transparenz zu suggerieren, wo sich die vorbereitende Arbeit der einzelnen Abgeordneten und der Fraktionen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollzieht.

Einbindung ins Stadtbild

Die Einbindung des neuen Parlamentsgebäudes in das Stadtbild sowohl nach Lage als auch äußerer Gestaltung geben weiteren Aufschluss über das Parlamentsverständnis in der Gegenwart. Keine kapitolinische Anlage mit Kuppelbau, sondern eingebettet in einen Bürgerpark und damit stadtplanerisch integriert in die Stadt, präsentiert sich der Landtag als Haus der Bürgerinnen und Bürger. Die zurückhaltende Fassadengestaltung in Sandstein fügt sich in die Tradition öffentlicher Bauten in Düsseldorf ein, und die Verwendung von Kupfer signalisiert nach den Vorstellungen der Architekten Tradition und Dauer.

Im Jahr 2010 wurde der Landtag um einen Anbau vergrößert. 
 

Das Parlamentsgebäude in Zahlen

Grundstück

Grundstücksgröße ................................. 30 064 m²
bebaute Fläche ...................................... 10 630 m²

Gebäude

größte Breite ................................................ 105 m
größte Länge ................................................ 195 m
Höhe (6 Ebenen) ............................................ 21 m
Hauptnutzfläche (Büros usw.) ................. 20 353 m²
Nebennutzfläche (WCs, Technik) ............. 2 239 m²
Funktionsflächen (Schächte usw.) ............ 7 093 m²
Verkehrsflächen ...................................... 40 713 m²
umbauter Raum .................................... 355 425 m³

Räume

Büroräume ......................................................... 603
Sitzungsräume ..................................................... 25

 

Plenarsaal

Größe ........................................................... 725 m²
Durchmesser ................................................... 30 m
Platz für ............................................. 299 Personen

Zuschauertribüne

Größe ........................................................... 413 m²
Platz für ............................................. 336 Personen

Parkplätze

Stellplätze ........................................................... 787

 

Bauzeit

1982 bis 1988
Anbau 2009 bis 2010
Umbau Plenarsaal Sommer 2012
Architekturbüro Eller, Maier, Moser, Walter und Partner

Baukosten

Hauptgebäude ................................ 163,0 Mio. Euro
Anbau .............................................. 11,6 Mio. Euro

Die Fraktionen im Landtag NRW