Artikel der Ausgabe 10 / 2022

  • Lehrkräfte dringend gesucht.
    Plenarbericht;

    S. 3 in Ausgabe 10 - 27.12.2022

    9. Dezember 2022 - An den nordrhein-westfälischen Schulen fehlen nach Angaben der Landesregierung derzeit Lehrkräfte im Umfang von rund 8.000 Stellen. Über die neueste Erhebung des Schulministeriums diskutierte der Landtag in einer Aktuellen Stunde auf Antrag der SPD-Fraktion.
    Der Lehrkräftemangel sei noch größer als bislang angenommen, heißt es im Antrag der SPD-Fraktion (Drs. 18/1948). Und weiter: "Dies ist die Quittung für ein halbes Jahr Untätigkeit der Landesregierung, die in dieser Zeit zwar neue Stellen geschaffen hat, diese aber offensichtlich nicht besetzen konnte." Leidtragende seien die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-Westfalen.
    Jochen Ott (SPD) beschrieb Bildung als "die Mutter aller Lösungen" für die Herausforderungen der Zukunft wie den Klimaumbau, eine digitale Welt oder selbstbestimmtes Leben. Deshalb gelte es, die "Bildungskatastrophe" heute zu stoppen. Ott sprach von einem Burn-out im System, dies betreffe sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler. Er zitierte Studien, nach denen 20 Prozent der Jugendlichen mit 15 Jahren nicht ausbildungsfähig seien, zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen Schule mit Stress verbänden. Die "Peu-à-peu-Strategie" der Landesregierung sei "viel zu wenig". Notwendig sei eine "Schulrevolution".
    Der Lehrkräftemangel sei eine gewaltige Herausforderung in NRW, aber auch bundesweit, erklärte Claudia Schlottmann (CDU). Sie zählte bereits erfolgte Gegenmaßnahmen auf, u. a. den Seiteneinstieg ins Lehramt und mehr Studienplätze. Auch habe NRW in diesem Jahr mehr als 7.940 zusätzliche Lehrkräfte und sonstiges Personal eingestellt. Zudem enthielten der Nachtragshaushalt 2022 und der halt 2023 Geld für Tausende neue Lehrkräfte. Allerdings lasse sich das Problem nicht kurzfristig lösen: Die Lehrerausbildung dauere sieben Jahre. Schlottmann betonte das "glasklare Ziel", Lehrkräfte zu gewinnen und guten Unterricht zu gewährleisten.
    "Nordrhein-Westfalen hat noch keine Bildungskatastrophe", sagte Prof. Dr. Andreas Pinkwart (FDP). Das Bildungssystem leide aber seit Jahrzehnten Not. Die FDP habe daher ein Konzept für eine "Lehrkräfteoffensive" mit vier Handlungsfeldern eingebracht. Erstens müssten mehr Lehrkräfte für den Schuldienst gewonnen und 20.000 Stellen geschaffen werden. Zweitens müssten mehr Lehrkräfte ausgebildet und - drittens - Möglichkeiten des Seiteneinstiegs erleichtert werden. Viertens seien Schulleitungen zu stärken. Sie müssten personell und technisch so ausgestattet werden, dass sie den Personaleinsatz selbst planen und umsetzen könnten.

    Handlungskonzept

    Der Lehrkräftemangel in Nordrhein-Westfalen sei seit Jahren "eklatant", sagte Lena Zingsheim-Zobel (Grüne). Sich gegenseitig dafür die Schuld zuzuweisen, bringe niemanden weiter. Klar sei wiederum, dass Zehntausende Schülerinnen und Schüler seit Beginn des Krieges in der Ukraine nach Deutschland gekommen seien. Das sei nicht vorherzusehen gewesen. Die Schulministerin gehe "zielgerichtet und strukturiert" vor. Schwarz-Grün werde im Schulausschuss Hausin der kommenden Woche ein Handlungskonzept vorstellen. Säulen seien u. a. mehr Studienstandorte und Vereinfachungen beim Seiten- und Quereinstieg.
    Carlo Clemens (AfD) hielt der SPD-Fraktion Stimmungsmache und Populismus vor. "Die Lehrer, die heute fehlen, wurden in Ihrer Regierungszeit nicht ausgebildet", sagte er. Der SPD-Fraktion sei zudem bekannt gewesen, dass die Schulministerin dem Fachausschuss noch in diesem Jahr den Bericht der ministeriumsinternen Arbeitsgruppe zur Unterrichtsversorgung vorlegen wolle. "Diese paar Tage hätten Sie auch noch abwarten können", sagte Clemens. Wichtig sei u. a., die Attraktivität des Lehrerinnen- und Lehrerberufs zu stärken. Er regte eine "Imagekampagne" an, um für das Lehramtsstudium und den Beruf zu werben.
    Das Thema "Bildung" stehe bei der Landesregierung "ganz oben auf der Tagesordnung", sagte Schulministerin Dorothee Feller (CDU). Nach wie vor fehlten die meisten Lehrkräfte an Grundschulen, in der Sekundarstufe I, an Förderschulen sowie in gewerblich-technischen Fachrichtungen der Berufskollegs. Von "Untätigkeit" der Landesregierung könne keine Rede sein. Feller wies auf eine im Sommer im Ministerium gebildete Arbeitsgruppe hin. Sie solle kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen entwickeln, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Das Konzept werde am 14. Dezember 2022 im Ausschuss für Schule und Bildung vorgestellt.
    sow, tob, zab

    Systematik: 4210 Lehrer

    ID: LI221002

  • Krisenbewältigung - Landtag stellt finanzpolitische Weichen für 2023.
    Plenarbericht;

    S. 4-5 in Ausgabe 10 - 27.12.2022

    20./21. Dezember 2022 - Kurz vor Weihnachten hat der Landtag grünes Licht für den Haushalt 2023 gegeben. Der Entwurf, der Ausgaben in Höhe von 94,7 Milliarden Euro vorsieht, wurde in 3. Lesung mit den Stimmen von CDU und Grünen verabschiedet. SPD, FDP und AfD stimmten dagegen. Mit einem Sondervermögen in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro sollen die Folgen aus dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine aufgefangen werden.
    Mit den Stimmen von CDU und Grünen stellte der Landtag zudem eine "außergewöhnliche Notsituation" für 2023 fest (Drs. 18/2231). Dies ermöglicht, dass die sogenannte Schuldenbremse ausgesetzt wird und "ein Haushaltsausgleich durch Einnahmen aus Krediten zulässig" ist. Zur Finanzierung des Sondervermögens werden entsprechende Kreditermächtigungen vorgesehen.
    SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty warf der Regierung chaotische Haushaltsberatungen und Inkompetenz in der Krise vor. Zu den mehrfach erneuerten Vorlagen der Regierung für ein schuldenfinanziertes Sondervermögen aufgrund einer Notlage sagte er: "Erst bestreiten Sie die Notlage, dann erklären Sie die Notlage, dann bestreiten Sie die selbst erklärte Notlage." Und nun liege laut Landesregierung wiederum eine neue Situation vor. Die Regierung habe ein verfassungswidriges, hektisches Haushaltsverfahren damit begründet, dass sie noch in diesem Jahr Krisenhilfen auszahlen wolle. Kein einziger Cent komme aber noch in diesem Jahr bei den Menschen an. Kutschaty betonte: "Nach Verfassungsbruch kommt der Wortbruch." Der Ministerpräsident habe wegen fehlender Vorsorge in der Energiekrise "grob fahrlässig" gehandelt. "Was wir von Ihnen bekommen, sind schöne Bilder. Sie wären ein guter Präsident von Instagram" - aber kein Ministerpräsident, sagte Kutschaty. NRW verdiene mehr Kompetenz, Weitsicht, Verlässlichkeit und Mut.

    "Politische Geländegewinne"

    Der SPD gehe es bei ihrer Kritik am Haushalt nicht um Hilfe für Menschen, sondern um "Angriff" und "politische Geländegewinne", erwiderte Thorsten Schick, Fraktionschef der CDU. Gute Politik müsse Menschen eine Perspektive geben. Dazu passe der Haushalt der Landesregierung, da er Zukunft gestalte. Der Finanzminister habe ihn "in allerschwierigsten Zeiten" aufstellen müssen - bedingt durch den Krieg in der Ukraine sowie steigende Energie- und Lebensmittelpreise. Die Landesregierung stelle mehr Geld für Tafeln, Flüchtlinge und die Schuldnerberatung bereit. Ziel sei zudem, NRW zur ersten klimaneutralen Industrieregion in Europa zu machen. Der Haushalt stärke ferner die Innere Sicherheit, u. a. durch mehr Polizeikräfte sowie mehr Investitionen in die Bekämpfung von Cyberkriminalität und Kindesmissbrauch. Die Besoldung aller Lehrkräfte werde schrittweise in die Besoldungsgruppe A 13 übergeleitet. Auch der Sportetat werde erhöht. Insgesamt handle es sich um einen "Zukunftshaushalt", der "in schwierigen Zeiten Orientierung bietet".
    FDP-Fraktionschef Henning Höne sprach von einem "grottenschlechten" Etat und den "kürzesten Haushaltsberatungen", die das Land je erlebt habe. Er kritisierte ein "hektisches Verfahren" und "Kehrtwenden". Die Rücknahme des zweiten Nachtragshaushalts für 2022 reihe sich da nahtlos ein. In der Tat seien die Zeiten dynamisch. Es gebe aber eine Konstante: "die Unzuverlässigkeit der schwarz-grünen Landesregierung". Mit ihrem ersten eigenen Haushalt unter der Verantwortung von Ministerpräsident Wüst habe sie die Möglichkeit gehabt, die soziale Infrastruktur im Land zu stärken. Tatsächlich aber verpasse sie "Chance um Chance" und merke das nicht einmal. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung sei "nachhaltig, vielleicht unwiderruflich gestört". Höne unterstellte "mindestens Unvermögen, vielleicht sogar Vorsatz oder Gleichgültigkeit". Die Koalitionsfraktionen nannte er "Erfüllungsgehilfen der Staatskanzlei". Seine Fraktion habe deutliche Zweifel an der Begründung der "Notlage". Deshalb behalte sie sich rechtliche Schritte vor.

    Aktuelle Krisen

    Grünen-Fraktionschefin Wibke Brems verteidigte die Haushaltspolitik der Koalition gegen die Kritik. Die Landesregierung sei mit politischen Versäumnissen der vergangenen Jahre konfrontiert und werde durch die aktuellen Krisen vor große Herausforderungen gestellt. Zudem habe es wochenlanges Tauziehen um die Finanzierung des Entlastungspakets des Bundes gegeben. Die Koalition von CDU und Grünen habe aber den Mut und das Land habe das Knowhow und die Menschen, um gut durch diese Krisen zu kommen. Die Koalition sei dabei handlungsfähig und übernehme Verantwortung. Mit dem Sondervermögen in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro gehe man nun den entscheidenden Schritt und ergänze die Entlastungspakete des Bundes. Mit der ersten Tranche von 1,6 Milliarden Euro werde u. a. die soziale Infrastruktur unterstützt. Als weitere politische Schwerpunkte nannte Brems u. a. Hilfe für Kommunen und die Betreuung und Unterbringung von Geflüchteten, die Verkehrs- und Energiewende im Kampf gegen den Klimawandel und den Kampf gegen Kinderarmut.
    Die Landesregierung gehe von falschen Annahmen aus, kritisierte Dr. Martin Vincentz, Vorsitzender der AfD-Fraktion. Das habe schon in der Vergangenheit nicht funktioniert. "Die Menschen werden unter Ihnen immer ärmer", sagte der AfD-Abgeordnete. Seit 2015 setze sich zudem das Scheitern einer Integrationspolitik fort, die schon zuvor erfolglos gewesen sei. Die Notlage habe sich als allgemeines Problem verstetigt. Die "etablierten Parteien" von CDU, SPD, Grünen und FDP aber seien nicht Teil einer Lösung, "sondern die maßgebliche Ursache für unsere Probleme". Im Land gebe es eklatante Mängel: in der Gesundheits-, Sport, Wohnraum-, Verkehrs-, Bildungs- und Baupolitik sowie in der Inneren Sicherheit. Die anderen Parteien seien und blieben das "Belastungspaket" für NRW. Das einzige "Entlastungspaket" sei die AfD. "Ein schlanker Staat, niedrige Steuern und mehr Freiheit - das gibt es eben nur mit der AfD", sagte Vincentz. An die Landesregierung gewandt fügte er hinzu: "Treten Sie zurück. Machen Sie den Weg frei für neue Ideen, für frische Gedanken."
    Die Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine seien auch in Nordrhein- Westfalen zu spüren, sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Ziel der Landesregierung sei es, die Menschen gut durch diese Krise zu bringen. "Wir müssen jetzt Vorsorge für Unwägbarkeiten treffen, um den Menschen Sicherheit zu geben", sagte Wüst. Und: "Wir werden diese Krise gemeinsam meistern. Wir sind das Land der Solidarität und des Zusammenhalts." Nordrhein-Westfalen unterstütze die Entlastungsmaßnahmen des Bundes jährlich mit vier Milliarden Euro. Das sei eine "große Belastung", sagte der Ministerpräsident. Hinzu kämen Aufwendungen zur Versorgung der Flüchtlinge. Für Kommunen werde dies zunehmend schwierig. Allerdings könne niemand sagen, in welcher Größenordnung die Unterstützung erforderlich sein werde. Zudem müsse das Land eigene Hilfsprogramme finanzieren. In einer ersten Tranche seien 1,6 Milliarden Euro u. a. für Kitas, Wohnungslose, Mittelstand, Krankenhäuser und den ÖPNV vorgesehen. Wüst sprach zudem Investitionen in den Klimaschutz an: "Wir sind die erste Generation, die wirklich nicht mehr weggucken kann."
    sow, tob, zab, wib

    Zusatzinformation:
    Der Haushalt 2023 wurde am 20. Dezember 2023 verabschiedet. Er sieht Ausgaben in Höhe von 94,7 Milliarden Euro vor (Drs. 18/1200, Drs. 18/1500, Drs. 18/2121, Drs. 18/2233, Drs. 18/2234, Drs. 18/2235, Drs. 18/2236). Zahlreiche Änderungsanträge der Oppositionsfraktionen wurden mit Mehrheit abgelehnt.
    Einen Tag später kam der Landtag zu einer Sondersitzung zusammen und verabschiedete das NRW-Krisenbewältigungsgesetz (Drs. 18/1951, Drs. 18/2123). Es sieht die Errichtung eines Sondervermögens in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro vor. Mit dem Geld sollen die Folgen für Nordrhein-Westfalen aus dem Krieg in der Ukraine aufgefangen werden.
    In einer ersten Tranche fließen 1,6 Milliarden Euro (Vorlage 18/617). Der ursprünglich für 2022 vorgesehene zweite Nachtragshaushalt wurde von der Landesregierung zurückgezogen (siehe auch S. 8).
    Alle Drucksachen sind auf der Internetseite des Landtags veröffentlicht unter https://lt.nrw/Haushalt.

    Systematik: 8300 Öffentlicher Haushalt; 8200 Finanzverwaltung; 1220 Landesregierung

    ID: LI221003

  • Corona und die Psyche junger Menschen.
    Titelthema / Schwerpunkt;

    S. 11-12 in Ausgabe 10 - 27.12.2022

    15. November 2022 - "Mehr als zwei Jahre Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen haben bei allen Beteiligten des Bildungssystems ihre Spuren hinterlassen", heißt es in einem Antrag der SPD-Fraktion. Besonders gravierend seien die Folgen für die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Zu diesem Ergebnis sei die sogenannte COPSY-Längsschnittstudie gekommen. In einer gemeinsamen Anhörung der Ausschüsse für Schule und Bildung, für Familie, Kinder und Jugend sowie für Arbeit, Gesundheit und Soziales haben sich Sachverständige zum Thema geäußert.
    Die Fraktion fordert in ihrem Antrag ("Wissenschaftlich belegte Folgen der Pandemie ernst nehmen: psychosoziale Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Familien im Bildungsbereich stärken!"; Drs. 18/628) u. a. den Ausbau und die dauerhafte Finanzierung der Schulsozialarbeit. Der Einsatz von Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern sowie von Schulpsychologinnen und -psychologen müsse an allen Schulen über einen "festen Schlüssel" ermöglicht werden. Zudem sollten Gesundheitsfachkräfte an den Schulen eingestellt und entsprechende Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt werden. Erforderlich seien darüber hinaus "umfassende Präventions- und Heilungsstrategien, die auch kulturelle und sportliche Betätigung umfassen".

    "Gesundheit hat gelitten"

    Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen habe in der Pandemie gelitten, befand der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in einer schriftlichen Stellungnahme für die Ausschüsse: "Studien, die das belegen und gemessen haben, können wir durch unseren Praxisalltag jeden Tag bestätigt sehen." Viele Kinder litten "nach wie vor an den Belastungen, Ängsten und auch den Folgen verpasster Bildung, verpasster Förderung und somit verpasster, zum Teil unwiederbringlicher Entwicklung". Es gebe jüngere Kinder, die einen Großteil ihres bisherigen Lebens unter Pandemiebedingungen verbracht hätten: "Verpasstes kann aber nun nicht nachgeholt werden, da Angebote fehlen oder überlaufen sind."
    Im Antrag der SPD-Fraktion werde "deutlich formuliert, welche negativen Auswirkungen die Corona-Pandemie vor allem auf die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen gehabt hat", bestätigte der Verband Bildung und Erziehung. Zudem werde "eindringlich darauf hingewiesen, dass es erheblicher Anstrengungen und Investitionen in die schulischen Rahmenbedingungen und damit auch in das soziale und emotionale Lernen bedarf, um die Resilienz der Kinder und Jugendlichen zu stärken". Eine langfristige finanzielle Sicherung sowie ein Ausbau der Schulsozialarbeit in Nordrhein-Westfalen seien dringend erforderlich. An jeder Schule müsse es mindestens eine entsprechende Stelle geben, die nicht auf Lehrerposten anzurechnen sei. Schule sei aber mehr als Unterricht, Bildung und Wissensvermittlung. Deshalb sei es richtig, "das Augenmerk auch auf kulturelle und sportliche Betätigung zu richten".
    "Ausgelöst durch die Krisen der jüngsten Vergangenheit zeigen sich in der Schule vermehrt Probleme wie Lernschwierigkeiten, Mobbing, psychische Auffälligkeiten bis hin zu Gewalttätigkeit", schrieb die Landeselternkonferenz NRW in ihrer Stellungnahme. Daher unterstütze man "die Forderung, die Richtlinien anzupassen und Schulsozialarbeit auszuweiten". Alle Schulen müssten nach einem festen Schlüssel ausgestattet werden. Die Landeselternkonferenz berichtete von "unzähligen Hilferufen von Eltern". Sie hätten "von Existenzängsten, Gesundheitssorgen, Schulängsten, Versagensängsten, Ansteckungsängsten, Schlafstörungen, Verlustängsten bis hin zu Suizidgedanken" gesprochen.
    "Der Antrag greift ein sehr schwerwiegendes fortdauerndes Problem auf, das in erster Linie auf die rigiden Coronamaßnahmen der Landesregierung zurückzuführen ist", so der frühere Oberstudiendirektor Helmut Seifen (Gronau) in seiner Stellungnahme. Schülerinnen und Schüler seien "konfrontiert mit einer außerhalb und innerhalb der Schule geschürten Panikmache" gewesen. Der Antrag der SPD-Fraktion berücksichtige "diese tiefgreifende Erschütterung des kindlichen und jugendlichen Urvertrauens in die Stabilität des eigenen sozialen Netzes in keiner Weise". Forderungen nach Verstärkung der Schulsozialarbeit "haben also höchstens die Aufgabe, die Schmerzen zu lindern, welche die Freiheitseinschränkungen im Rahmen der sogenannten Pandemiebekämpfung verursachen".
    Das Gesundheitsamt Dortmund sah "großen Handlungsbedarf für den Ausbau von Präventionsangeboten zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Schulen". Es sei jedoch ebenfalls erforderlich, psychosoziale Beratungsstrukturen für Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien vor Ort auszubauen. "Daher haben wir bereits die personelle Aufstockung des psychosozialen Teams in unserem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst stark vorangetrieben", hieß es in der Stellungnahme. In den vergangenen Jahren sei die Schulpsychologische Beratungsstelle der Stadt Dortmund erweitert worden und zähle mittlerweile 15 Schulpsychologinnen und -psychologen. Angesichts von insgesamt 85 weiterführenden Schulen in Dortmund könne jedoch "nicht von einer ausreichend guten Versorgungssituation ausgegangen werden".

    "Paradigmenwechsel"

    Die Schulsozialarbeit müsse weiter ausgebaut und dauerhaft abgesichert werden, so die Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit NRW. Bei der Finanzierung sei ein "Paradigmenwechsel" erforderlich: "Statt einer Finanzierung aufgrund von befristeten, ständig neuen Programmen und mit Blick auf besondere Problemlagen (Defizitorientierung/Stigmatisierung) benötigt es eine systematische und nachhaltige Institutionalisierung von Schulsozialarbeit durch den Ausbau und die Stärkung von bereits bestehenden gelingenden fachlichen Strukturen, welche das Handlungsfeld der Schulsozialarbeit stärken."
    Die Landesschüler*innenvertretung NRW begrüßte "weite Teile" des Antrags: Die Probleme der mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen müssten "dringend ernster genommen werden". Es sei "klar", dass es in den Schulen mehr Psychologinnen und Psychologen, mehr Sozialarbeiterinnen und -arbeiter geben müsse. Der im Antrag geforderte "Schlüssel" sei aber nicht klar definiert. Wichtig sei, dass er sich nicht ausschließlich an der Zahl der Schülerinnen und Schüler orientiere. Statistisch gebe es an Schulen mit vielen Schülerinnen und Schülern aus "sozioökonomisch schwächeren Haushalten" einen höheren Bedarf an Schulsozialarbeit.
    zab

    Systematik: 4200 Schulen; 5200 Gesundheit

    ID: LI221004

  • NRW-Pressefoto 2022 - Landtagswahl, Braunkohleabbau, Klimawandel.

    S. 20-21 in Ausgabe 10 - 27.12.2022

    6.Dezember 2022 - Die Auseinandersetzung um den Braunkohleabbau, der Klimawandel und die Folgen für Nordrhein-Westfalen, die Landtagswahl im Mai, der Krieg in der Ukraine: Die Themen des bewegten Jahres 2022 waren auch die des Wettbewerbs "NRW-Pressefoto". Anfang Dezember ehrte der Präsident des Landtags, André Kuper, die Siegerin und die Sieger.
    Platz eins beim mittlerweile fünften Wettbewerb belegte die Krefelder Fotografin Barbara Schnell. Ihr in der Frankfurter Rundschau erschienenes Foto mit dem Titel "Unbeirrbar" überzeugte die Jury: Es zeigt einen Aktivisten, der vor einem Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler kniet.

    Waldbrand und Dürre

    Platz zwei ging in diesem Jahr an Ralf Rottmann (Funke Medien). Er fotografierte einen Förster, der auf eine durch einen Waldbrand zerstörte Fläche bei Lüdenscheid schaut. Platz drei belegte Benjamin Westhoff, der für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters ebenfalls eine Folge des Klimawandels fotografierte: den Rhein bei Bonn, in dessen ausgetrocknetem Flussbett ein Einkaufswagen zu sehen ist.
    Der Sonderpreis war dieses Mal zum Thema "Landtagswahl" ausgelobt worden. Ausgezeichnet wurde Gerd Wallhorn für sein Foto eines außergewöhnlichen Wahllokals - in einem Antiquitätengeschäft in Oberhausen (Westdeutsche Allgemeine Zeitung).
    Über den Nachwuchspreis stimmten in einer Publikumswahl mehr als 1.200 Personen ab und wählten ein Foto von Daniel Schröder, der für den Soester Anzeiger den Brand eines Bauernhofs und die geretteten Tiere fotografiert hatte. Die Jury hatte zuvor zwei Bilder ausgewählt, zwischen denen die Öffentlichkeit abstimmen konnte.

    22.000 Euro vergeben

    Insgesamt hatten 66 Fotografinnen und Fotografen aus Nordrhein-Westfalen 226 Bilder eingereicht. Mehr als 30 davon werden bis 19.Januar 2023 mit den Siegerbildern in einer Ausstellung im Landtag gezeigt. Mit Unterstützung der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West wurden Preisgelder in Höhe von 22.000 Euro vergeben.
    Der Präsident des Landtags, André Kuper, sagte: "Gute Bilder erzählen eine Geschichte, umfassen oft ganze Lebenswelten und sind bleibende Kommentare zu unserer Gegenwart. Die Fotos des NRW-Pressefotos erzählen die Geschichte unseres Landes im Jahr 2022. Sie sind ein Jahresrückblick auf die Themen und Ereignisse, die uns in den zurückliegenden Monaten beschäftigten und bewegten, erfreuten oder oder besorgten. Die Botschaften, die mit den Fotos verbunden sind, erreichen uns ganz ohne Sprache einzig über unsere Augen. Ein gutes Bild sagt mehr als tausend Worte. Der Landtag würdigt die Pressefotografie als eigenes Medium. Ein Medium, das Aufmerksamkeit verdient."
    red

    Bildunterschrift:
    Der Präsident des Landtags, André Kuper (3. v. r.), zeichnete aus: ( v. l.) Daniel Schröder, Gerd Wallhorn, Barbara Schnell, Ralf Rottmann und Benjamin Westhoff.

    Zusatzinformation:
    Ein Video zur Preisverleihung finden Sie unter www.landtag.nrw.de/Mediathek/Videoportal

    Systematik: 7100 Kunst/Kultur

    ID: LI221005

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