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Dokument anzeigen Porträt der Woche: Franz Brodowski (SPD).
Porträt
Landtag intern, 13. Jahrgang, Ausgabe 12 vom 01.06.1982, S. 15

Der SPD-Landesvorsitzende Johannes Rau hat einmal gesagt, daß er sich auch im politischen Geschäft gelegentlich mehr Fröhlichkeit wünsche. Man müsse auch mal zusammen feiern und lachen können. Franz Brodowski aus der Fraktion der SPD ist solch ein Mann, den gesellige Fröhlichkeit prägt, der - so sagen seine Freunde - "auch mal einen guten Witz erzählt". Eigenschaften, die jenen im besonderen eigen sein sollen, die von dort kommen, wo der Wein wächst. Bei Brodowski ist das Gegenteil der Fall. Er kommt aus Bergenau in Ostpreußen, aus der Landschaft um die Masurischen Seen, die Stille atmet, Beschaulichkeit. Er ist dort am 6. April 1922 geboren, als Sohn eines mittelständischen Bauunternehmers, "mit Landwirtschaft nebenbei", wie dortzulande üblich. Das führte dazu, daß Brodowski "als Kind schon ganz schön ran mußte", mit Vaters Säge und Hammer so gut umzugehen lernte wie dessen erwachsene Mitarbeiter.
Es kam ihm zugute, als er 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Nordrhein-Westfalen gelangte und als Werkstudent im Bergbau sein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Kettwig an der Ruhr finanzierte. Es waren jene Zeiten, da kein Mensch daran dachte, daß es einmal ein Honnefer Modell geben sollte oder gar BAFÖG. Brodowski blickt zurück: "90 Mark von der Zeche und 90 Mark vom Arbeitsamt - das war's!" Zwei Staatsprüfungen für das Lehramt an Volksschulen (1953 und 1956) öffneten die beruflichen Türen. Ein berufsbegleitendes Studium am Heilpädagogischen Institut an der Pädagogischen Hochschule Dortmund, nochmals erweitert auf Sprachheilpädagogik, schloß ab mit der Staatsprüfung für das Lehramt an Lernbehindertenschulen und an Sprachheilschulen. Brodowski war dann zwei Jahre Sonderschullehrer, anschließend Rektor einer Lernbehindertenschule. Längst in Dinslaken ansässig, wurde er 1964 Sprachheilbeauftragter für diesen Kreis, 1975 für den Kreis Wesel.
Bereits 1958 hatte er sich zum Eintritt in die SPD entschlossen: "Und zwar nicht als Beitragszahler, sondern um aktiv mitzumachen." Dies fand bald Ausdruck in Berufungen: 1961 saß er bereits im Rat der Stadt Dinslaken (bis 1980), und der Vorsitzende des Ortsvereins (von 1964 bis 1978) führte auch sechs Jahre lang die Ratsfraktion. Sicher kam es ihm zugute, daß "man bei dem Pädagogen Brodowski bewundert, daß er nicht zwei linke Hände hat", erklärt er dies selbst. Daß das Herz "links" schlägt, ist im Wahlkreis 64 (Wesel III) eh kein Nachteil, sondern der besten Voraussetzungen eine, von der Kommunal- in die Landespolitik zu wechseln. Es gelang Brodowski im Mai 1980 mit guten 58,3 Prozent.
Der Rektor außer Diensten sagt von sich selbst, daß er "mit allen Demokraten, denen es um die Sache geht", einen Ausgleich findet Das habe "wohl auch dazu beigetragen, daß man ihm Ämter übertrug". Seit eineinhalb Jahren ist es ihm eine "große Befriedigung", daß er im Petitionsausschuß des Landtages "vielen Bürgern helfen konnte". Man glaubt es ihm, wenn er hinzufügt, "ich tue mein Bestes, wenn so mancher Bürger sich untergepflügt sieht in Verwaltungsdingen". Im Ausschuß für Schule und Weiterbildung paßt Brodowski nach eigenen Worten "nicht in die Schablone", kocht er "auch kein eigenes Süppchen. Die Sachentscheidung ist immer vorrangig." Politik sieht er überhaupt und prinzipiell "nicht einseitig". Er möchte "immer wieder wählbar sein. Auch für solche, die parteipolitisch nicht gebunden sind. Wenn das so gesehen wird, wird es auch honoriert", zieht er das Fazit. Und er fühlt sich auch als MdL "nicht als etwas Besseres, sondern als Mensch wie jeder andere auch". Die Fraktion hat ihn "sofort akzeptiert und mit menschlicher Wärme aufgenommen", erinnert er sich. "Da ist alles aus einem Guß. Ein sehr gutes Klima. Was ja keineswegs selbstverständlich sein muß ..."
Dem Vater von drei Töchtern, allesamt auch in pädagogischen Berufen oder im entsprechenden Studium, sieht man an, daß er "zeitlebens gerne und viel gewandert" ist. Mit Schulklassen vor allem, weil er - "vom Hochgebirge bis zur See" - die Natur liebt. Beschäftigung im Garten, wenn immer möglich, gehört dazu. Die Lust am Fotografieren ist ein "kleines Hobby", das immerhin schon Preise eintrug. Was er am liebsten liest? Moderne Literatur.
Hans Krieger

ID: LI821226

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