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Dokument anzeigen Juniorwahl: Jugendliche in NRW üben Demokratie.
Titelthema / Schwerpunkt
Landtag intern, 48. Jahrgang, Ausgabe 3 vom 21.03.2017, S. 6-7

Nur noch zwei Monate bis zur Landtagswahl. Niemand unter 18 Jahren ist wahlberechtigt - und doch werden Tausende Jugendliche ihre Stimme abgeben. Sie wählen zwischen denselben Parteien und denselben Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten wie die tatsächlichen Wahlberechtigten. Die Rede ist von der Juniorwahl. Dabei simulieren Jugendliche ab der 7. Klasse in ihrer Schule den Wahltag, und zwar kurz vor der regulären Landtagswahl. Schirmherrin der Juniorwahl 2017 ist Landtagspräsidentin Carina Gödecke.
Die Schülerinnen und Schüler nehmen nicht nur an der Wahl teil. Sie verantworten die Wahl selbst. Sie verteilen Wahlbenachrichtigungen, legen Wählerverzeichnisse an, organisieren den Wahlakt, zählen aus. Oder bereiten alles für eine Online-Wahl vor. Um Punkt 18 Uhr am 14. Mai 2017, am tatsächlichen Tag der Landtagswahl, schließen nicht nur die regulären Wahllokale in ganz NRW, sondern dann wird auch das landesweite Gesamtergebnis der Juniorwahl bekanntgegeben. Ein Projekt zur politischen (Willens-) Bildung, das den Wahltag in die Schulen holt.
Vor dem Wahlraum ist es unruhig, Gespräche, hibbeliges Warten, bis man dran ist. In der Hand die persönliche Wahlbenachrichtigung oder den "Wahlschlüssel", ein Kärtchen mit einem Tan-Code für die elektronische Stimmabgabe am Wahlcomputer. Schließt sich die Tür des Wahlraums, ist es darinnen still. Die Schülerinnen und Schüler gehen mit großer Ernsthaftigkeit an die Wahlsimulation.

Erfahrungen

Das alles sind Eindrücke von Petra Wöhl-Beer und Alexander Kallenbach, die am Heinrich- Heine-Gymnasium in Dortmund Politik unterrichten und bereits zwei Juniorwahlen begleitet haben. Auch bei der anstehenden Simulation zur Landtagswahl 2017 haben sie ihre Schule wieder angemeldet. Alle Klassen der Stufen 8, 9, 10 und 11 nehmen teil - rund 350 Jugendliche.
Wenn Unterricht zur Aktion wird, soll ein so abstraktes, aber wichtiges Thema wie "Demokratie & Wahlen" unmittelbar begreiflich werden. Vor der Wahl befassen sich die Jugendlichen mit verschiedenen politischen Fragen. Da geht es um Wahlen auf verschiedenen Ebenen, von der Kommune bis zu Europa, um den Landtag und seine Funktionsweisen, um Wahlkampf, -plakate und -programme oder im Matheunterricht auch um die Rechenverfahren, die bei der Mandatsverteilung zum Einsatz kommen. In diesem Jahr ist für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Heinrich-Heine-Gymnasiums sogar eine Podiumsdiskussion mit Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten angedacht. Wissen erwerben, mitreden, Meinung bilden, selbst wählen - "Die Schüler fühlen sich ernst genommen", berichtet Politiklehrerin Wöhl-Beer.
Eine Schülerin, die am Wahltag ihre Wahlbenachrichtigung nicht dabei hatte, fragte besorgt, ob sie trotzdem wählen dürfe, erinnert sich die Pädagogin. Das Interesse an der Wahl ist groß. Eine Wahlbeteiligung von mehr als 95 Prozent - ein Traum für jede Demokratie. Am Freitag, 12. Mai 2017, so die Planung, ist in der Dortmunder Schule Wahltag. Da stellen auch die fachfremden Lehrerinnen und Lehrer aus dem Kollegium ihre Stunde zur Verfügung, damit die Klasse, die im Zeitplan gerade dran ist, wählen gehen kann.
Am Montag nach dem Wahl-Freitag brennen die Jugendlichen erfahrungsgemäß aufs Wahlergebnis, berichten Kallenbach und Wöhl-Beer. Am Heinrich-Heine-Gymnasium im Dortmunder Norden sorgte das Ergebnis der Junior-Bundestagswahl 2013 für Überraschung: Das Wahlergebnis der Schülerinnen und Schüler entsprach ziemlich genau dem tatsächlichen Wahlergebnis im Wahlkreis. Es beinhaltete damit auch eine nennenswerte Anzahl an Stimmen für rechte Parteien. Die Juniorwahl hatte ein allgemein diskutiertes Phänomen in die Mitte der Klassen gerückt. "Da sind möglicherweise auch Proteststimmen an die Lehrerinnen und Lehrer dabei", vermutet Lehrerin Wöhl-Beer - aber sicher nicht nur. Aus gutem Grund endet die Unterrichtseinheit "Juniorwahl" nicht mit dem Wahlakt, sondern schließt die Wahlanalyse mit ein.

Effekte

"Demokratie lebt vom Mitmachen", betont die Schirmherrin der Juniorwahl, Landtagspräsidentin Carina Gödecke. Tatsächlich belegt laut Veranstalter Kumulus e. V. die Wissenschaft, dass sich die Teilnahme an der Juniorwahl lohne: Die Zahl der jugendlichen Zeitungsleserinnen und -leser verdreifache sich. Überhaupt steige bei den Schülerinnen und Schülern das Interesse am politischen Geschehen. Die Wahlbeteiligung bei den Eltern steige um bis zu 9 Prozent. In den Familien zu Hause werde vermehrt politisch diskutiert, was auch Kallenbach und Wöhl-Beer aus der Praxis berichten. Wenn die Kinder bei der Juniorwahl gewählt haben, werden die Eltern es bei der regulären Wahl wahrscheinlich auch tun.
Sow

Zusatzinformation:
Zum Thema Juniorwahl

Die Juniorwahl ist ein Projekt zur politischen Bildung. Schülerinnen und Schüler aus 258 weiterführenden Schulen Nordrhein-Westfalens nehmen daran teil: Ab einer Woche vor der Landtagswahl, die am 14. Mai 2017 stattfindet, sind die Jugendlichen gefragt, ihre Erst- und Zweitstimme abzugeben - wie bei der richtigen Landtagswahl, an der erst teilnehmen darf, wer mindestens 18 Jahre alt ist.
• Das Ergebnis der Juniorwahl fließt nicht in das Gesamtergebnis der regulären Landtagswahl ein. Aber: Das landesweite Gesamtergebnis aller teilnehmenden Schülerinnen und Schüler wird am Tag der Landtagswahl um 18 Uhr veröffentlicht. Interessierte finden es im Internet unter www.juniorwahl.de und unter www.landtag.nrw.de.
• Bevor die Jugendlichen wählen, bearbeiten sie das Thema "Demokratie & Wahlen" im Unterricht. Anstelle einer Klassenarbeit steht am Ende die Juniorwahl. Die Wahl selbst wird von den Schülerinnen und Schülern organisiert und verantwortet. Der gemeinnützige Verein Kumulus, der die Juniorwahlen seit 1999 organisiert, stellt den Klassen die nötigen Wahl-Utensilien wie Wahlkabinen, Wahlurnen und Stimmzettel zur Verfügung. Auch eine digitale Wahl per Mausklick am Computer ist möglich.
• Die Kosten für die Juniorwahl NRW 2017 übernehmen der Landtag NRW und die Landeszentrale für politische Bildung. Es handelt sich bereits um die 5. Juniorwahl, die parallel zu einer NRW-Landtagswahl stattfindet.
• Bundesweit haben bereits 1,5 Millionen Jugendliche an einer Juniorwahl teilgenommen.

ID: LI170307

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