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Dokument anzeigen Porträt: Sigrid Beer (Grüne).
Porträt
Landtag intern, 42. Jahrgang, Ausgabe 10 vom 19.10.2011, S. 19

Irgendwann, als das Gespräch mit Sigrid Beer schon längst vorüber ist, beginnt das Wort "quer" plötzlich zu schimmern, wie eine diskrete Hintergrundbeleuchtung in ihrer Biografie. Sigrid Beer hat es nur einmal benutzt, als sie sagte, sie sei eine "politische Quereinsteigerin" gewesen. Doch dieses "quer" steht noch für mehr. Sie ist als Andersdenkende in einer Heimstatt des zweifachen Konservativismus groß geworden, in Paderborn, Erzbistum der katholischen Kirche und Hochburg der Christdemokratie. Sie ist das glatte Gegenteil eines Paderborner Klischees und sie kokettiert gekonnt damit: "Ich bin typisch für Paderborn - Frau, grün, evangelisch", sagt sie lächelnd.
Die 55-Jährige kennt sich aus in der Opposition und in der Minderheit. Deshalb entbehrt es nicht der Tragikomik, dass Sigrid Beer 2005 erstmals per Grünen-Landesliste in den Landtag kam, just als CDU und FDP ihren Wahlsieg errangen. Sie blieb in der Opposition. Fünf Jahre später reicht es nach der Landtagswahl gerade eben für eine rot-grüne Minderheitsregierung. Doch als allzu machtlos oder instabil empfindet sie das Bündnis nicht: "Wir haben bisher für alle wichtigen Projekte die notwendige Mehrheit bekommen." Obendrein scheint Beer als parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen- Fraktion mit diesem strapaziösen Zustand gut zurechtzukommen. "Ich fühle mich so langsam richtig ausgelastet", sagt sie und wirkt nicht einmal angestrengt dabei.
Eine Kümmererin ist die Ostwestfälin, eine Quergängerin zwischen den Fraktionen, eine Vermittlerin, die keine Scheu zeigt vor den Linken, der FDP - und vor der CDU sowieso nicht. Sie kennt ihre Stärken: "Mediation" und "Moderation". Die gläubige Protestantin sagt, dass sie über einen ruhigen Schlaf und stabile Nerven verfüge, von Natur aus, "ohn’ all Verdienst und Würdigkeit, allein von Gnaden", sagt sie in Erinnerung an den Katechismus. Sie spricht über Verlässlichkeit wie eine Tugend. Darauf legt sie großen Wert, wenn man sie auf die verpatzte erste WestLB-Abstimmung Ende Juni anspricht. Da möchte sie für die damals dilettierende SPD nicht in Mithaftung genommen werden. Insgesamt lobt sie das "gute Binnenverhältnis" in der Koalition: "Die Chemie stimmt." Es klingt nicht einmal zweckdiplomatisch, sondern zufrieden.
Die herausfordernde Aufgabe einer PG seit dem Regierungswechsel 2010 hat sich gut gefügt mit der familiären Situation. Ihre drei Kinder sind zwischen 25 und 32 Jahren alt, sonst wäre es nicht möglich gewesen, sagt sie. In der Woche übernachtet sie im Gästehaus des Landtags, donnerstags fährt sie gen Ostwestfalen, sonntags kehrt sie zurück. Eine Politikerin auf Montage, die ausgestattet ist mit vielen Mitgliedschaften und Ehrenämtern, sei es im Förderverein einer Gesamtschule, der Stadtbibliothek oder als nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen.
Erst Mitte der 90er-Jahre wurde sie richtig politisch aktiv, als "Quereinsteigerin", wie sie selbst sagt. Sie stritt mit einer Bürgerinitiative für die Gründung einer Gesamtschule in Paderborn. Sie wurde sachkundige Bürgerin in einem Bezirksausschuss; 1999 trugen die Grünen ihr die Mitgliedschaft und ein Ratsmandat an. Zwei Ansinnen rechnet Beer den Grünen hoch an: "Bildungsgerechtigkeit" und "Bewahrung der Schöpfung".
In der Fraktion hat sie sich auf Bildungsund Schulpolitik spezialisiert. Sie hat Erziehungswissenschaften studiert, dazu noch Psychologie, Soziologie und Theologie. Die Diplom-Pädagogin war selbstständig in der Schulberatung und Schulentwicklung tätig, auch an der Universität Paderborn. Diese Expertise nutzt sie in der Fraktion als Sprecherin im Ausschuss für Schule und Weiterbildung. Sie mag sich nicht allein aufs Organisatorische einer PG beschränken.
Wenn sie über die Arbeit im Landtag spricht, dann hebt sie einen Ausschuss besonders hervor: "Da sehen sie die Lebenswirklichkeit der Menschen." Sigrid Beer meint ein Gremium, das meist in der Öffentlichkeit unbeachtet bleibt. Im Petitionsausschuss muss sie sich um Bitten verzweifelter Menschen kümmern. Da geht es nicht abstrakt ums große Ganze, sondern um das Schicksal Einzelner. Einmal hat sie im Parlament betont, das Petitionsrecht sei ein "besonderes Grundrecht" aller Menschen in Nordrhein-Westfalen. Und die Ausschussarbeit sei hilfreich, "sich zu erden", sagt Sigrid Beer im Gespräch. Sie achte auf die Balance zwischen Himmel und Erde.
Kristian Frigel

ID: LI111021

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