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Dokument anzeigen Porträt der Woche Karl Nagel (CDU).
Porträt
Landtag intern, 16. Jahrgang, Ausgabe 5 vom 12.03.1985, S. 19

Politisches Wirken ist für ihn keine "todernste Aufgabe" - im Gegenteil, ein Schuß Humor sei oft unentbehdich, meint Karl Nagel, CDU-Landtagsabgeordneter aus Borken. Und so hat der gebürtige Raesfelder sein "obligatorisches Döneken" auf einer Sitzung des Kreistages ebenso parat wie vor der Landtagsfraktion. Und solch ein meist aktueller wie tiefgründiger Witz hat schon oft eine gespannte Atmosphäre gelöst, brachte selbst verkrampfte Ideologen zum Schmunzeln.
Dieser Wesenszug (wie übrigens etliche andere) unterscheidet den heute 56jährigen Christdemokraten von zahlreichen Politikern der eigenen und anderer Parteien der folgenden Generationen, von jenen kühlen Technologen und Karriere- Strebern. Karl Nagel zählt zur sogenannten Kriegsgeneration, und als er aus der Gefangenschaft zurückkehrte, schloß er sich schon acht Tage später der CDU an. "Die bittere Erfahrung des Machtmißbrauchs in der Nazi-Diktatur und die Absicht, am demokratischen Wiederaufbau mitzuwirken, veranlaßten mich dazu." Doch zunächst schlug er parteipolitische Ämter aus, schuf für sich und seine spätere Familie eine wirtschaftliche Existenz, die ihn auch unabhängiger machte: Abitur, Studium, Lehrerprüfungen und schließlich Rektor an einer Hauptschule.
Das erste Mandat übernahm Kari Nagel 1964, er kam in den Borkener Kreistag und wurde CDU-Fraktionsvorsitzender. Dieses Amt übt er übrigens noch heute aus. Der Kommunalpolitik will der Münsterländer auch weiterhin verbunden bleiben, "weil man als Landtagsabgeordneter dann auf dem Teppich bleibt". Nützlich sei dieses Doppelmandat auch wegen der engen Verzahnung von Kommunal- und Landespolitik. Dem Landtag gehört der Abgeordnete seit 1966 an und engagiert sich seitdem insbesondere für die Kultur- und die Schulpolitik. In den großen schulpolitischen Debatten der 60er und 70er Jahre trat er als entschiedener und glaubwürdiger Fürsprecher jener auf, die während der damaligen sozial-liberalen Bildungseuphorie das Nachsehen hatten, die Hauptschüler. Aber auch anderen Stiefkindern, wie den Berufsschülern und den Kindern der ausländischen Arbeitnehmer, gilt noch heute sein Engagement. Natürlich ist es für einen solchen Abgeordneten "bitter", fast zwanzig Jahre Schulpolitik auf den Bänken der Opposition machen zu müssen, räumt Karl Nagel ein - "wo man nicht gestalten, nur die Regierung angreifen und kontrollieren kann". Trotzdem: Der Oppositionsabgeordnete erfuhr auch "Erfolgsedebnisse" während dieser Zeit allerdings nicht im Landesparlament, sondern durch die münsterischen Verfassungshüter. Als drei "markante Punkte" nennt er das erfolgreiche Volksbegehren gegen die von der früheren SPD/FDP- Koalition geplanten Kooperativen Schulen sowie die Verfassungsklagen gegen das Ersatzschul-Finanzierungsgesetz und das Gesamtschulgesetz.
Neben diesen parlamentarischen Aktivitäten hat der ausdauernde CDU-Abgeordnete im letzten Jahr noch eine weitere Aufgabe übernommen. Nach dem freiwilligen Verzicht seines langjährigen Parteifreundes Heinrich Ostrop übernahm er den Vorsitz im gewichtigen CDU-Bezirksverband Münsterland. Sein Anliegen ist es, das Gewicht dieses mitgliederstarken und von einem großen Zusammengehörigkeitsgetübl geprägten Verba nöes in die Landes-CDU einzubringen, programmatisch wie aber auch personell. Die persönliche Ausgeglichenheit dürfte ihm von Nutzen sein.
Doch das Porträt dieses Abgeordneten wäre unvollständig, würde man es nur auf den großen politischen Wirkungsradius von Karl Nagel beschränken. Für den passionierten Pättkesfahrer gibt es noch andere gewichtige Lebensbereiche. Da ist seine Familie mit fünf Kindern, und da sind jene vier Morgen Land. Der "Hobby- Nebenerwerbslandwirt", wie ersieh gern bezeichnet, ist stolzer Besitzer von Hühnern und Schafen, und eines Tages möchte er auch Weinreben pflanzen. Sympathische Züge eines Mannes, den die Politik nicht zu ihrem Untertan gemacht hat.
Jochen Jurettko

ID: LI850537

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