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1. März 1978: Das Volksbegehren gegen die KOOP-Schule

(1.3.2008) Vor 30 Jahren Jahren gab es in Nordrhein-Westfalen das bis heute einzige erfolgreiche Volksbegehren. Damals durchkreuzten die Bürgerinnen und Bürger die Pläne der SPD/FDP-Landesregierung für eine kooperative Gesamtschule. Ihr Aufruf „Stop Koop“ ging in die nordrhein-westfälischen Geschichtsbücher ein. Das Volksbegehren gegen die Koop-Schule markiert eines der dramatischen landespolitischen Ereignisse des Jahres 1978. Diese führten schließlich zum Rücktritt von Heinz Kühn vom Amt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, das er seit Dezember 1966 wahrgenommen hatte.

Es war ein harter schulpolitischer Konflikt. An seinem Anfang stand der Gesetzentwurf der SPD/FDP-Koalition zur Einführung der kooperativen Schule: Hauptschule, Realschule und Sekundarstufe I des Gymnasiums sollten danach organisatorisch und pädagogisch in "Schulzentren" zusammengefasst und für alle Schüler der 5. und 6. Klasse gemeinsame "Orientierungsstufen" eingerichtet werden.

In der ersten Lesung des Gesetzentwurfs bezeichnete Kultusminister Jürgen Girgensohn (SPD) die kooperative Schule als "ein Zwischenstadium zur integrierten Gesamtschule". Das brachte die CDU-Fraktion auf den Plan. Ihr Sprecher Albert Pürsten erhob schwere Vorwürfe und nannte die geplante Einführung den schwerwiegendsten und auch folgenschwersten Eingriff in das Schulwesen seit 1945, weil diese Reform sowohl das gegliederte Schulwesen als auch den verfassungsrechtlichen Anspruch der Eltern auf die Mitgestaltung der Erziehung ihrer Kinder beseitige. Gegen den Widerstand der CDU verabschiedeten die Abgeordneten von SPD und FDP im Landtag Nordrhein-Westfalen am 26. Oktober 1977 das Gesetz.

Eine Bürgeraktion Volksbegehren gegen die Kooperative Schule, die von der Landeselternschaft der Gymnasien und dem Philologenverband organisiert wurde, bereitete ein Volksbegehren gegen die Einführung der neuen Schulform vor. Der Bund Freiheit der Wissenschaft, katholische Bischöfe und die nordrhein-westfälische CDU unterstützten die Aktion. Angeführt von Heinrich Köppler startete die CDU eine Kampagne gegen die sozialliberalen Bildungsreformen und vor allem gegen die Gesamtschule. Unter griffigen Parolen wie "Koop-Schule entmündigt die Eltern" und "Koop-Schule gefährdet die Lebenschancen" entbrannte in den folgenden Monaten ein öffentlicher Meinungsstreit, der sich in seiner Schärfe durchaus mit dem Konflikt um die Volksschule bei der Verabschiedung der Landesverfassung im Jahre 1950 vergleichen lässt.

                                                                

Die Gegner der Koop-Schule hatten Erfolg - trotz winterlicher Bedingungen. In der Zeit vom 16. Februar bis 1. März 1978 votierten mit 3,636 Millionen (= 29,8 Prozent) weit mehr als das erforderliche Fünftel der Stimmberechtigten gegen die Koop-Schule. (Heute reichen 8 Prozent der Stimmberechtigten für ein Volksbegehren aus). In manchen Orten, vor allem auf dem Land, standen die Menschen Schlange, um sich in die Listen einzutragen. So stimmten im sauerländischen Eslohe 58,5 Prozent der 5830 Bürger gegen die Koop-Schule. Und Borgentreich lieferte mit 71,8 Prozent eingetragener Gegner das Spitzenergebnis. Angesichts dieser Ergebnisse verzichtete die Landesregierung auf die Einleitung eines Volksentscheids. Der Landtag zog im April 1978  das "Gesetz zur Orientierungsstufe und Kooperativen Schule" zurück.

Der Landtag NRW setzte sich in der 8. Wahlperiode (1975 bis 1980) folgendermaßen zusammen:

CDU 95 Abgeordnete
SPD 91 Abgeordnete
FDP 14 Abgeordnete

SPD und FDP bildeten die Regierungskoalition. Die CDU war in der Opposition. Ministerpräsident war Heinz Kühn. Ihm folgte im September 1978 Johannes Rau.

 

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