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Willi Weyer - ein liberaler Pragmatiker

Gestalter der NRW-Landespolitik verstarb vor 20 Jahren -

(23.8.2007) Er hat die nordrhein-westfälische FDP von der Mitte der 50-er bis in die Mitte der 70-er Jahre hinein geprägt. Dem Landtag NRW gehörte von 1950 bis 1954 und von 1958 bis 1975 an. Er war Finanzminister im Kabinett Steinhoff (SPD) und Innenminister in den Kabinetten Meyers (CDU) und Kühn (SPD). Allein dieser Satz belegt, dass Willi Weyer in bewegten politischen Zeiten als entscheidende Figur der NRW-Landespolitik agierte. Er war Mehrheitsbeschaffer für die SPD, Mehrheitsbeschaffer für die CDU und dann wieder für die SPD.

Von beeindruckender Statur füllte Willi Weyer die Räume, die er betrat. Er war präsent, wie man es heute formulieren würde. Der begeisterte Wasserballer hatte ein breites Kreuz - und das musste im Laufe seiner politischen Laufbahn in der Tat viel aushalten. Dabei war Weyer eher ein Handelnder, denn ein Getriebener, ein Aktiver, denn einer, der sich mit Reaktionen auf Ereignisse zufrieden gegeben hätte. Den Liberalismus hat der Jurist nach eigenen Aussagen mit der Muttermilch eingesogen. Sein Vater war Mitglied der Demokratischen Partei während der Weimarer Zeit. Willi Weyer selbst trat 1945 der neugegründeten FDP bei.

Aktiv beteiligt war Weyer, seit 1952 im Bundesvorstand der FDP, am konstruktiven Misstrauensvotum gegen den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Karl Arnold 1956. Aus bundespolitischen Gründen wechselte die FDP aus der Koalition mit der CDU in eine Koalition mit der SPD. Bundeskanzler Adenauer verfolgte Pläne, das Wahlrecht auf Bundesebene zu ändern; die FDP wäre bei deren Realisierung stark gefährdet gewesen. In NRW setzte sie Adenauer mit dem Koalitionswechsel ein eindeutiges Warnsignal. Weyer spielte eine führende Rolle beim sogenannten Aufstand der "Jungtürken" und übernahm in der Regierung des Sozialdemokraten Fritz Steinhoff das Amt des Finanzministers und des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Steinhoff kannte er gut, denn er vertrat diesen schon in seiner Geburtstadt Hagen als Oberbürgermeister. 1958 jedoch war mit der Koalition Steinhoff/Weyer Schluss - die CDU errang die absolute Mehrheit. NRW-Ministerpräsident wurde der Christdemokrat Franz Meyers.

Von 1962 bis 1966 wurde die FDP als Partner der CDU in NRW gebraucht. Willi Weyer wurde Innenminister und wiederum stellvertretender Ministerpräsident in den Kabinetten Meyers. Das relativ gute Abschneiden der FDP bei den Landtagswahlen 1966 schrieben viele Beobachter nicht zuletzt dem starken persönlichen Einsatz Weyers zu. Insgesamt aber hatte die Koalition aus CDU und FDP eine äußerst knappe Mehrheit. Franz Meyers wurde mit einer Stimme Mehrheit nach 1958 und 1962 zum dritten Male zum Ministerpräsidenten gewählt.

Auf Bundesebene allerdings bahnte sich bereits eine dramatische Entwicklung an: Im Oktober brach die Koalition von CDU/CSU und FDP in Bonn auseinander. Neuverhandlungen der Liberalen mit der Union scheiterten. Stattdessen kam es am 1. Dezember 1966 zu der ersten Großen Koalition der Bundesrepublik, welche von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger angeführt wurde. Die SPD übernahm in der Großen Koalition zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Regierungsverantwortung auf Bundesebene.

Am gleichen Tag zerbrach schließlich auch die Koalition von CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen. Aufgrund der unsicheren Mehrheitsverhältnisse hatte die CDU bereits vorher auch schon mit dem Gedanken gespielt, mit der SPD aus NRW eine große Koalition auf Landesebene einzugehen. Die FDP roch den Braten, trat aus der instabil gewordenen Koalition aus und bot sich der SPD als Partnerin an. SPD-Fraktionschef Kühn favorisierte zunächst das Bonner Modell der Großen Koalition, wurde aber überstimmt.

Franz Meyers verlor sein Amt am 8. Dezember 1966 durch ein konstruktives Misstrauensvotum von SPD und FDP. Neuer Regierungschef wurde Heinz Kühn. Willi Weyer blieb auch in dieser Koalition Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident. Kühn und Weyer haben aus einer zunächst kühl temperierten Zweckgemeinschaft schnell herausgefunden in eine viele Jahre hinweg politisch nahtlose Verständigung und persönliche Freundschaft. Der Intellektuelle Kühn und der Pragmatiker Weyer ergänzten sich.

 

Als Innenminister erwarb sich Weyer einen guten Namen. Er gab 1963 einen "Beamtenknigge" heraus und beschäftigte sich - als Innenminister war er auch für die Polizei verantwortlich - besonders mit Verkehrsproblemen. Ein Erbe Weyers sind die täglichen Verkehrsnachrichten im WDR-Hörfunk. Und sein Einsatz für Wachen der Autobahn-Polizei brachte ihm den Spitznamen "Autobahn-Willi" ein. Persönlich leitete er im Mai 1968 den Polizeieinsatz bei den Demonstrationen gegen die Notstandsgesetzgebung.

Weyer war populär. Den Kraftakt der kommunalen Gebietsreform meisterte er mit Augenmaß. Mit dieser Reform von 1966 bis 1975 wurde die Zahl der nordrhein-westfälischen Kommunen von 2.277 auf 396, davon 23 kreisfreie Städte, reduziert. Einige Eingemeindungen waren von heftigen Konflikten begleitet. Erst nachdem 1974 ein Volksbegehren gegen die Reform gescheitert war, war der Weg frei.

Anfang 1974 machte Weyer seine Absicht deutlich, sich mehr seinen sportpolitischen Interessen widmen zu wollen. Nach der Landtagswahl 1975 schied Weyer aus dem Landtag und der Landesregierung aus. Sein Nachfolger als Innenminister wurde Burkhard Hirsch, der das Werk Weyers fortsetzte und die Funktionalreform realisierte.

 

Als Präsident des Deutschen Sportbundes bemühte sich Weyer erfolgreich um eine Erweiterung der gesellschaftspolitischen Basis des mit rund 18 Millionen Mitgliedern größten Personalverbandes der Bundesrepublik. Als politischer Sportpräsident initiierte er u.a. die erste offizielle DSB-Besuchsreise durch die DDR im Oktober 1975. Anfang Januar 1986 kündigte Weyer, der bis dahin immer wieder im Amt des DSB-Präsidenten bestätigt worden war, nach einer gesundheitlichen Krise seinen Rücktritt an. Im Februar 1987 beklagte er in einem Interview die zunehmende Kommerzialisierung des Sports und die Leistungsmanipulationen bei Spitzensportlern.

Willi Weyer, am 16 Februar 1917 in Hagen geboren, verstarb am 25. August 1987 auf Juist.

 

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