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Rede 100. Geburtstag von Erika Steinke

- Es gilt das gesprochene Wort -

R e d e

der Präsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen

Regina van Dinther

anlässlich

des 100. Geburtstages von Erika Steinke (ehemals MdL)

am 31. August 2005, 11.00 Uhr, Hotel Waldesrand, Herford







Verehrte, liebe Erika Steinke,

verehrte Familie Steinke,

verehrte Gäste!




I.

100 Jahre Erika Steinbach - welch ein großartiger Geburtstag! Es gibt wohl keinen geeigneteren Anlass, um als Präsidentin des Landtags einer ehemaligen Kollegin zu gratulieren: Und so überbringe ich der ältesten ehemaligen Abgeordneten die herzlichsten Glückwünsche des Landtags NRW, denen ich mit Freude meine persönlichen hinzufüge.

Zum Thema Alter dichtete der für seine liebenswerten wie hintersinnigen Verse bekannte Eugen Roth:

"Verschieden ist der Menschen Art:/ Die einen, in der Jugend zart,/

Sind oft im Laufe weniger Jahre/ Schon ziemlich morsche Exemplare./

Doch andre, ungenießbar jung,/ Gewinnen durch die Lagerung/

Und werden in des Lebens Kelter/ Wie Wein, je feuriger, je älter."

Und wie ich sehe, sind Sie, verehrte Frau Steinke, noch bei solider Gesundheit, so dass wir heute gemeinsam mit vielen Gästen Ihren Ehrentag fröhlich feiern können.


II.

100 Jahre, also geboren 1905 - das war eine Zeit, die noch von Kaiser Wilhelm II. geprägt war und als die Bürgerinnen und Bürger die Einführung des allgemeinen Wahlrechts forderten. Robert Koch erhielt 1905 den Nobelpreis für Medizin und Heinrich Mann schrieb seinen "Professor Unrat".

Geboren in Minden und aufgewachsen in Herford, dort Lyzeum, technisches Lehrerseminar in Bielefeld und anschließend technische Lehrerin an der Höheren Mädchenschule in Paderborn - das waren die ersten Stationen im Leben von Erika Steinke, bis nach der Heirat mit Ulrich Steinke und der Geburt der beiden Kinder der Fortzug ins damalige Sudentenland erfolgte.


III.

Was dann folgte, sollte Erika Steinkes weiteres Leben und Engagement nachhaltig prägen: Nach der Vertreibung 1945 erfolgte mit den Kindern die Flucht über die damalige Tschechoslowakei und Österreich zurück ins heimatliche Herford.

Fortan setzte sich Erika Steinke für die Belange der Flüchtlinge und Vertriebenen ein und leitete in Herford die Vertriebenennähstube des evangelischen Hilfswerkes. Das heißt:

Sie hat sich nicht resigniert ins Private zurückgezogen, sondern sich aktiv an der Aufbauarbeit der jungen Demokratie beteiligt, so etwa als Vorsitzende des Vertriebenenbeirates und Mitglied des Rates der Stadt Herford.

In der CDU gehörte Erika Steinke bald dem Landesvertriebenenverband und dem Bundesvertriebenenausschuss an und wurde - das freut mich natürlich ganz besonders - Vorsitzende der CDU-Frauenvereinigung im Kreis Herford und von Westfalen-Lippe.



IV.

Und was lag näher, als eine solch engagierte Frau für die CDU in den Landtag zu wählen, damit Sie sich auch landesweit der reichlichen Problemen und Nöte der Vertriebenen annehmen konnte.

Während ihrer gesamten 12-jährigen Arbeit als Landtagsabgeordnete von 1954 bis 1966, also der 3., 4. und 5. Wahlperiode, hat sie sich mit großem Engagement im Ausschuss für Flüchtlings- und Vertriebenenfragen ihrem Hauptanliegen gewidmet:

die Lebenssituation der Menschen zu verbessern, die durch Flucht und Vertreibung traumatisiert waren und eine neue Existenz aufbauen mussten.

Aus diesem Grund wurde Erika Steinke von Bundespräsident Heinrich Lübke mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet, das ihr von Ministerpräsident Franz Meyers überreicht wurde für ihr - so heißt es in der Ordensbegründung - "uneigennütziges Wirken zum Besten der Flüchtlinge und Vertriebenen in Herford, im westfälischen Raum und im Lande Nordrhein-Westfalen."

Dem Landtag stellte Erika Steinke darüber hinaus ihr Wissen und ihre enorme politische Erfahrung u.a. auch noch im Landwirtschafts- und Ernährungsausschuss, im Justizausschuss sowie zuletzt auch im Präsidium zur Verfügung.


V.

Vor unseren Augen ist damit das eindrucksvolle Bild einer beeindruckenden Persönlichkeit entstanden, die über alle Parteigrenzen hinweg Ansehen und Wertschätzung genoss.

Als Landtagspräsidentin, aber auch als Vorsitzende der CDU-Frauenunion in NRW ist es mir deshalb heute eine große Freude, eine Frau zu ehren, die sich in außerordentlicher Weise um den Aufbau und die Festigung der damals ja noch sehr jungen Demokratie im Westen Deutschlands verdient gemacht hat.

Sie hat das Fundament der alten Bundesrepublik mitgebaut, das Fundament, auf dem sich auch unsere heutige politische Arbeit im wiedervereinigten Deutschland gründet. Damit hat sie mir und meiner Generation den Weg für ein Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand bereitet. Dafür sage ich von Herzen Dank!

Erika Steinke hat jedoch nicht nur das Staatswesen der alten Bundesrepublik mitgestaltet und geprägt, sie hat auch in unschätzbarer Weise den Charakter der Christlich Demokratischen Union Deutschlands geformt und entwickelt. Ohne Menschen wie Erika Steinke wäre die heutige CDU nicht die Christlich Demokratische Union, die als Volkspartei der Mitte so vielen Menschen politische Heimat ist.

Vom österreichischen Pädagogen Hermann Gmeiner stammt der Satz:

"Alles Große in unserer Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut, als er muss."

Eine von denen, die weit mehr getan haben als man erwarten konnte und durfte, und die Herausragendes dabei geleistet hat, ist Erika Steinke. Dafür gelten Ihnen, liebe Frau Steinke, Respekt und Anerkennung und unser aufrichtiger Dank. Es ist schön, dies anlässlich Ihres 100. Geburtstages so deutlich zum Ausdruck bringen zu können.

VI.

Verehrte Gäste!

Als Konrad Adenauer 90 Jahre alt wurde, soll ihm einer seiner früheren Minister mit den Worten gratuliert haben: "Herr Bundeskanzler, ich wünsche Ihnen, dass sie hundert Jahre alt werden". Daraufhin entgegnete der Alte von Rhöndorf: "Warum wollen Sie der Barmherzigkeit Gottes so enge Grenzen setzen"?

Deshalb sage ich mit einem deutschen Sprichwort:

Wer morgens nüchtern dreimal schmunzelt,/

Wenn's regnet nicht die Stirne runzelt/

Und abends lacht, so dass es schallt,/

Wird 120 Jahre alt.


Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Frau Steinke, alles erdenklich Liebe und Gute - und der Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen.





Herausgeberin: Die Präsidentin des Landtags
Redaktion: Hans Zinnkann, Pressesprecher; Wibke Busch, stv. Pressesprecherin
Telefon: 0211/884-2850   Telefax: 0211/884-2250
E-Mail:  hans.zinnkann@landtag.nrw.de

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