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Festakt und Ausstellung zum Reformationsjubiläum

 

Der Landtag Nordrhein-Westfalen hat am 17. Oktober 2017 mit einem Festakt an 500 Jahre Reformation erinnert. Zur Veranstaltung im Plenarsaal hatte Landtagspräsident André Kuper gemeinsam mit dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschuss, sowie  dem Landessuperintendenten der Lippischen Landeskirche, Dietmar Arens, geladen.

Landtagspräsident André Kuper sagte zur Begrüßung:

„Wir sind meines Wissens das einzige deutsche Parlament, welches das Reformationsjubiläum im Herzstück der Demokratie, im Plenarsaal, begeht. Und damit wollen wir deutlich machen: Kirche hat in diesem Parlament ein Zuhause. Sie gehört für uns mitten in die Gesellschaft, so wie wir es auch jeden Plenardonnerstag mit unserer ökumenischen Andacht zum Ausdruck bringen.“

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschuss, sagte über die Reformation:

„In allem Streit um die Wahrheit und bei allem Ringen um Klarheit war die Reformationszeit nicht zuletzt davon geprägt, dass die Diskursräume weiter wurden statt enger. Und dass Menschen weit über den Kreis der üblich verdächtigen Text- und Büchermenschen hinaus die Erfahrung machten: ‚Ich bin gefragt‘, ‚ich bin gefordert‘, ‚ich werde gehört‘ und ‚ich werde gebraucht‘, ‚ich komme zu Wort und bin sprachfähig‘ – auch und gerade in den Sachen der res publica. Und wo solche Diskursräume erreichbar bleiben, wo sie neu entstehen, immer wieder neu, und wo immer wieder solche Erfahrungen möglich sind, da muss uns weder um das Erbe der Reformation bange sein, noch um die Lebendigkeit unseres Gemeinwesens. Davon bin ich überzeugt und ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.“

Ministerpräsident Armin Laschet hob hervor:

„Das Verbindende und nicht das Trennende betonen: 7 bis 8 Prozent unserer Bevölkerung gehören heute dem Islam an. Ich bin froh, dass wir heute in Nordrhein-Westfalen die größte jüdische Gemeinschaft innerhalb der deutschen Länder haben und in Hamm steht einer der größten Hindu-Tempel Europas. Es gibt Jesiden und Bahai, es gibt Alt-Katholiken und Kopten, es gibt Aleviten und Aramäer und sie alle gehören zu Nordrhein-Westfalen.“

Die Festrede zum 500. Jubiläum der Reformation im Landtag hielt der Journalist Hans Leyendecker.

„Meine Erfahrung als einfaches Gemeindemitglied lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Wir gewinnen gemeinsamen und wir verlieren gemeinsam. Punkt. Da draußen wird den Protestanten alles zugerechnet, was Katholiken machen oder gesagt haben und umgekehrt. Die Leute machen keinen Unterschied mehr zwischen den Konfessionen. Dass Christen Christen aussperren, können sogar Nicht-Christen nicht verstehen. Alle Fehler, Versäumnisse und auch die Widerwärtigkeiten, die Verbrechen, die es gegeben hat, treffen alle. Das wird in Zukunft noch deutlicher werden. Auch bin ich überzeugt, dass wir nicht die Gemeinsamkeiten auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner suchen dürfen. Die Einheitskirche, die in diesen Tagen häufiger gefordert wird, wird nicht kommen. ‚Die Kirchen brauchen die anderen Kirchen, um ganz und vollständig werden zu können‘, hat Fulbright Steffensky mal gesagt. So sehe ich das auch.“

Eine inszenierte Lesung unter dem Titel „Das wir diese Freiheit recht verstehen“ rundete den Festakt ab.

Im Rahmen des Reformationsjubiläums machte auch die Wanderausstellung „Gelebte Reformation“ im Landtag Halt. Sie widmet sich der „Barmer Theologischen Erklärung“, die 1934 von den Mitgliedern der unierten lutherischen und reformierten Kirche verfasst wurde. Mit den sechs Thesen grenzten sie sich gegen die nationalistische Ideologie und die Glaubensbewegung „Deutsche Christen“ ab. Die Erklärung wurde zum Fundament der Bekennenden Kirche

Landtagspräsident André Kuper sagte zur Eröffnung der Ausstellung:

„Die Barmer Theologische Erklärung und generell alle Gedanken der Reformation sind heute mehr denn je zeitaktuell, gerade in Zeiten des aufkommenden Rechtspopulismus. Und all das, was hiermit verbunden ist – mit den Grundgedanken der Reformation – genau das sind die Eigenschaften, die wir jetzt wieder im parlamentarischen Umgang miteinander, aber auch im Umgang mit Rechtspopulismus brauchen.“

Neben den Dokumenten zeigt die interaktive Ausstellung Besucherinnen und Besuchern den Zusammenhang der Erklärung zur Reformation und deren Wirkung bis zum heutigen Tag.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, betonte die Aktualität der Barmer Erklärung:

„Die Reformation ist für die evangelische Kirche natürlich etwas sehr Wichtiges. Wir erinnern uns daran: Wer glaubt, übernimmt Verantwortung. Und daher ist es etwas sehr Besonderes und sehr Schönes, dass wir hier im Landtag von Nordrhein-Westfalen mit der Ausstellung ‚Barmer Theologische Erklärung‘ sein können. Es geht um die gelebte Reformation, um die Wirkungsgeschichte und da ist hier in Nordrhein-Westfalen eine ganze Menge passiert.“

 

Impressum:
Herausgeber
Der Präsident des Landtags
André Kuper
Platz des Landtags 1
40221 Düsseldorf

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Susanne Ellert  / MedienStudio Heuer

Inhaltlich verantwortlich (§ 55 Abs. 2 des Staatsvertrages für Rundfunk und Telemedien)
Wibke Busch

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