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Diskussion um freien Eintritt in Museen

(8.2.2019) Sollen Besucherinnen und Besucher freien Eintritt in Museen haben, die sich mehrheitlich in Trägerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen befinden? Zu dieser Frage haben sich Experten gestern im Ausschuss für Kultur und Medien geäußert.

Grundlage der Diskussion war ein Antrag der SPD-Fraktion (17/3593). Bürgerinnen und Bürger hätten durch ihre Steuerleistungen bereits einen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes erbracht, heißt es im Antrag. Die Fraktion fordert daher freien Eintritt für alle Besucherinnen und Besucher von Dauerausstellungen und Präsentationen in NRW-Museen, „die sich mehrheitlich oder ganz in der Trägerschaft des Landes befinden“. Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre sollen in diesen Einrichtungen grundsätzlich zu „allen Ausstellungen freien Eintritt“ haben.

Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), wies darauf hin, dass freie Eintritte für höhere Besucherzahlen in Museen sorgen und Hemmschwellen abbauen könnten. Studien belegten allerdings, dass Eintrittsgelder nur für rund acht Prozent der Museumsbesucherinnen und -besucher eine Hürde darstellten. Wesentlich für die Attraktivität von Ausstellungen sei deren Qualität. Strategisch gelte für die 18 Museen in Trägerschaft des LWL, dass Entgelte für Erwachsene erhoben würden, an bestimmten Tagen aber Ausnahmen von dieser Regel möglich seien. Kinder und Jugendliche wiederum sollten grundsätzlich freien Eintritt erhalten. Gänzlich auf Entgelte für den Besuch zu verzichten, zöge aber Mehrausgaben in Millionenhöhe nach sich, sagte Rüschoff-Parzinger: „Mir ist lieber, in die Zukunft der Museen zu investieren, als auf freien Eintritt zu verzichten.“

„Marktgängige“ Eintrittspreise 

Er stimme allen Aussagen seiner Vorrednerin zu, sagte Prof. Dr. Bernd Günter von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und ergänzte, dass neben Kindern und Jugendlichen auch Menschen, die es sich nicht leisten können, freien Eintritt in Museen erhalten sollten. Für alle anderen seien grundsätzlich „marktgängige“ Eintrittspreise zu erheben. Einnahmen sollten dazu verwendet werden, die Qualität und die Vermittlung musealer Inhalte zu steigern. Gerade mit Blick auf bildungsferne Schichten bedürfe es neuer Konzepte. „Ich vermisse das sozialpolitische Ziel, wie man Teilhabe ermöglicht“, sagte Günter. Es mangele aktuell jedoch an Langzeitstudien, die Auswirkungen von freiem Eintritt in Museen untersuchten. „Solange die nicht vorliegen, fischen wir im Trüben.“

„Verfechter des freien Eintritts“

Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang in Essen, berichtete von Erfahrungen im eigenen Haus, das seit 2015 keinen Eintritt für die ständige Sammlung erhebe. „Ich bin ein großer Verfechter des freien Eintritts“, sagte Gorschlüter. Positive Effekte würden „eindeutig überwiegen“. Im Museum Folkwang seien die Besucherzahlen von 2014 bis 2018 um das Dreifache und bei Kindern und Jugendlichen um das Sechsfache gestiegen. Eigene Befragungen vor Ort belegten, dass der freie Eintritt für viele Menschen ein wichtiges Kriterium sei, sich für einen Museumsbesuch zu entscheiden. Die Mehrkosten für den freien Eintritt in die Dauererstellung des Hauses lägen jährlich bei rund 200.000 Euro und würden durch Förderungen von Stiftungen abgedeckt. Das sei ein „überschaubarer finanzieller Einsatz, der aus meiner Sicht unbedingt lohnt“, sagte Gorschlüter. Wer Sonderausstellungen besuche, müsse allerdings weiterhin Eintritt bezahlen – und sei dazu auch bereit, was sich an konstant hohen Besuchszahlen im eigenen Haus ablesen lasse.

Kunstwerke sichtbar machen

Dr. Marcus Dekiert, Direktor des Kölner Wallraf-Richartz-Museums, sagte, dass Kinder und Jugendliche in der eigenen Einrichtung kostenlosen Eintritt erhielten. Am monatlich stattfindenden „KölnTag“ gelte das auch für Erwachsene, die in Köln wohnten. Er selbst sei ein Verfechter der Idee, für die ständige Sammlung des eigenen Museums grundsätzlich keine Eintrittsgelder zu verlangen, sagte Dekiert. Schließlich setze sich der Museumsbestand hauptsächlich aus Schenkungen und Stiftungen von Bürgerinnen und Bürgern zusammen, deren Wunsch es gewesen sei, Kunstwerke in der Stadtgesellschaft sichtbar zu machen. Museen hätten zudem einen Bildungsauftrag, der nicht durch Eintrittspreise verhindert werden sollte. Für Sonderausstellungen, die zahlreiche Besucherinnen und Besucher anlockten, erhebe das eigene Haus aber weiterhin Eintritt – ein Modell, das sich bewährt habe.

(tob)
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