Landtag Nordrhein-Westfalen
Suchfunktion

Sie sind hier:  Start

Navigation
Dokumentinhalt

Informationen

Landtag debattiert über Inklusion an Schulen

(12.7.2018) In einer Aktuellen Stunde haben die Abgeordneten im Plenum kontrovers über Pläne der Landesregierung zur Inklusion von Kindern und Jugendlichen an Schulen debattiert. Der Diskussion im Landtag lag ein Antrag der Fraktionen von CDU und FDP zugrunde.

Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung an Schulen in Nordrhein-Westfalen könne nur gelingen, wenn man vom Kindeswohl aus denkt“, heißt es im Antrag der Fraktionen (17/3111). Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf könnten erfolgreich an Regelschulen lernen. Für diejenigen mit größerem Bedarf bieten Förderschulen jedoch die besseren Voraussetzungen.“ Daher habe die Landesregierung die Schließung von Förderschulen beendet, die von der Vorgängerregierung initiiert worden sei. Schulministerin Yvonne Gebauer hatte die Eckpunkte für die Neuausrichtung der Inklusion an Schulen in der vergangenen Woche vorgestellt.

Die Maßnahmen der Vorgängerregierung zur Inklusion seien unüberlegt gewesen, sagte Kirstin Korte (CDU): „Es herrschte das Prinzip Masse in der Klasse.“ Viele Schulen hätten ohne sonderpädagogische Expertise auskommen müssen. Bis zum Schuljahr 2024/25 sollten 6.000 weitere Lehrerstellen und zum kommenden Wintersemester 250 zusätzliche Studienplätze für Sonderpädagogik geschaffen werden. Ein gemeinsames Lernen solle es nur geben, wenn Qualitätsstandards, wie ein sonderpädagogisches Konzept und ausgebildetes Personal, vorhanden seien. Die Zukunft der Förderschulen solle gesichert werden, sodass Eltern eine Wahlmöglichkeit hätten.

Die Vorgängerregierung habe nur die Quote und nicht das Gelingen der Inklusion im Blick gehabt, sagte Franziska Müller-Rech (FDP): „Wir steuern um – denken Inklusion nicht von der Quote, sondern vom Kind her.“ Regel- und Förderschulen sollten nicht länger gegeneinander ausgespielt werden. Die Entscheidung für eine Schulform solle nicht für die gesamte Laufbahn gelten. Vor allem im Primarbereich leisteten Förderschulen hervorragende Arbeit und bereiteten viele Kinder auf den Wechsel an eine Regelschule vor. Die Landesregierung schaffe eine „echte“ Wahlmöglichkeit für Kinder mit Förderbedarf.

Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD) forderte, dass Qualitätsstandards für die Inklusion an Schulen neu definiert und mehr Stellen geschaffen werden müssten. Die SPD-Fraktion lehne aber die Pläne der Landesregierung ab, nach denen das „zieldifferenzierte Lernen am Gymnasium zur Ausnahme wird“. Man könne nicht von Inklusion sprechen, „wenn eine einzelne Schulform davon mehr oder weniger ausgenommen wird“. Inklusion sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, auch Gymnasien seien in der Pflicht. In Zukunft sei zu befürchten, dass die Gräben zwischen Inklusionsbefürwortern und Inklusionsgegnern wüchsen.

 


Kirstin Korte (CDU/ v.l.), Franziska Müller-Rech (FDP) und Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD)

 

Mit ihren aktuell vorgelegten Eckpunkten zur Inklusion richte die Landesregierung ein „Chaos“ an Schulen an, kritisierte Sigrid Beer (Grüne). Schulen würden in einen „Inklusionsstreik“ getrieben. Mehr als 20 Schulkonferenzen befassten sich derzeit mit Ausstiegsbeschlüssen, um auf die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung mindestens für die 5. Jahrgangsstufe zu verzichten. In der Gesamtschule in Wuppertal-Langerfeld sei ein solcher Beschluss bereits gefasst worden, da Stellen von Sonderpädagogen zuvor gekürzt worden seien. In ganz NRW würden Sonderpädagogen aktuell an Förderschulen „zurückgeordert“.

Mit dem Umsteuern beim Inklusionsprozess habe die Landesregierung eine „längst überfällige Korrektur“ eingeleitet, sagte Helmut Seifen (AfD). Raummangel und fehlende Sonderpädagogen hätten zu „chaotischen Zuständen“ an den Regelschulen geführt. Kindern mit Förderbedarf hätten feste Ansprechpartner gefehlt, weil Sonderpädagogen „von Einsatz zu Einsatz“ gependelt seien. An Förderschulen hätten sie, so Seifen, diese Ansprechpartner gehabt. Es sei unsinnig, Kinder und Jugendliche in Schulen zu bringen, an denen sie keine Möglichkeit hätten, „mitzuschwimmen“. Dies treffe besonders auf Gymnasien und Realschulen zu.

Er sei froh, dass die Landesregierung einen Paradigmenwechsel vollziehe, sagte Marcus Pretzell (fraktionslos). Allerdings habe sie Probleme „geerbt“, die sie in dieser Wahlperiode nicht lösen könne.

Immer wieder hätten Eltern und Lehrkräfte zu Recht verbindliche Qualitätsstandards für das gemeinsame Lernen gefordert, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Um eine hochwertige inklusive Förderung an allgemeinen Schulen zu ermöglichen, werde man diese Standards nun „fest verankern“. So müssten Schulen u. a. über ein Konzept zur inklusiven Bildung verfügen. Außerdem müssten „Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung fester Bestandteil der Schule sein“. Die Landesregierung werde „intensiv“ in das gemeinsame Lernen investieren. Die Wahlmöglichkeit zwischen Förderschule und allgemeiner Schule solle aber gesichert werden.

 


Sigrid Beer (Grüne/ v.l.), Helmut Seifen (AfD) und Ministerin Yvonne Gebauer (FDP)

 

Text: ell, tob, zab
Fotos: bs

 

 

 

Herausgeber: Der Präsident des Landtags
Redaktion: Wibke Busch, Pressesprecherin; Dr. Stephan Malessa, stv. Pressesprecher
Telefon: 0211/884-2850   Telefax: 0211/884-2250
E-Mail:  wibke.busch@landtag.nrw.de

Termine
aktueller Monat: September  2018
KW Mo Di Mi Do Fr Sa So
35          1 2
36 3 4 5 6 7 8 9
37 10 11 12 13 14 15 16
aktuelle Kalenderwoche38 17 18 19 20 21 Heute: 22 23
39 24 25 26 27 28 29 30

Kontakt zur Pressestelle


Tel.    0211 884 2850
Fax    0211 884 2250
email@landtag.nrw.de

Besucherzentrum


Informationen mehr...

Parlamentszeitschrift


Zur Website von Landtag Intern ...mehr

Newsletter

Bild von Newslettern

Die neuesten Landtags-Infos per E-Mail. ...mehr


Metanavigation
Fenster schliessen