Landtag Nordrhein-Westfalen
Suchfunktion

Sie sind hier:  Start

Navigation
Dokumentinhalt

Informationen

Sachverständige äußern sich zu Philosophieunterricht an Grundschulen

(6.12.2017) An nordrhein-westfälischen Grundschulen solle Philosophieunterricht bald als Ersatzfach für konfessionellen Religionsunterricht angeboten werden, fordert die Grünen-Fraktion. Bei einer Anhörung im Ausschuss für Schule und Bildung haben sich Sachverständige zu diesem Vorschlag geäußert.

Als Grundlage diente der Antrag „Philosophie verleiht Flügel!“ der Grünen-Fraktion (17/533). Philosophieunterricht sei „als Ergänzung des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts an Grundschulen notwendig“, heißt es darin. Die Gesellschaft habe sich hin zu mehr Pluralität in Glaubens- und Konfessionsfragen entwickelt. Bereits 18,9 Prozent der Schülerinnen und Schüler an nordrhein-westfälischen Grundschulen seien laut amtlicher Statistik konfessionslos. Diesen Kindern müsse ein Unterrichtsfach angeboten werden, in dem es um Sinn- und Wertefragen gehe, so die Forderung der Grünen-Fraktion.

Bei der Anhörung haben sich alle Sachverständigen positiv zur Einführung von Philosophieunterricht an Grundschulen geäußert. „Ich stimme dem Anliegen, ein Fach Ethik bzw. Praktische Philosophie als Ersatzfach für den konfessionellen Religionsunterricht an Grundschulen einzurichten, ohne Vorbehalt zu”, betonte Thomas Nisters, Philosophieprofessor an der Universität zu Köln, in seiner Stellungnahme. Es sei „kaum zu verantworten, Schülerinnen und Schülern einen Unterricht vorzuenthalten, dessen besondere Aufgabe es sei, Fragen der Sittlichkeit“ und „des guten Lebens in den Blick zu nehmen.

Anne Goebels, Mitarbeiterin des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung Köln, wies darauf hin, dass ein Ersatzfach für den Religionsunterricht dringend eingerichtet werden müsse. Bislang würden Schülerinnen und Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnähmen, oft in „Auffanggruppen“ betreut, dort aber nicht unterrichtet. „Diese Situation ist weder für die wissbegierigen Kinder und ihre Erziehungsberechtigten noch für Lehrerinnen und Lehrer akzeptabel“, stellte Goebels fest. Der Unterrichtsausfall widerspreche dem im Schulgesetz verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag.

Auch Barbara Wenders, Lehrerin für Sonderpädagogik an der „Primus“-Grundschule in Münster, sprach sich für die Einführung von Philosophieunterricht aus. An der Primus-Schule – einer Modellschule des Landes Nordrhein-Westfalen – fänden regelmäßig Projektwochen statt, bei denen Philosophieunterricht erprobt werde. Die Erfahrungen seien sehr positiv, sagte Wenders. Es gebe „keinen pädagogisch sinnvollen Grund, die Einführung des Faches Philosophie als Ersatzfach für Religion in der Grundschule nicht alsbald umzusetzen“.

Laut Klaus Blesenkemper, Philosophieprofessor der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, seien auch in anderen Bundesländern positive Erfahrungen gesammelt worden: „Philosophischer Unterricht an Grundschulen ist zum Teil schon seit Jahrzehnten Wirklichkeit in nunmehr insgesamt acht Bundesländern“, äußert sich Blesenkemper in seiner Stellungnahme. Philosophieunterricht sollte allerdings nicht als Ethikunterricht bezeichnet werden, wie teilweise im Antrag der Grünen geschehen: „Mit ‚Ethik‘ ist ein wichtiger Bereich des Philosophierens angesprochen, aber bei weitem nicht der einzige. Auch der konfessionelle Religionsunterricht ist bekanntlich nicht auf christliche Ethik beschränkt.“

Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche haben sich ebenfalls grundsätzlich dafür ausgesprochen, einen Ersatzunterricht für Kinder anzubieten, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. „Die Auseinandersetzung mit existenziellen sowie Sinn- und Wertfragen ist auch und gerade in der Grundschule zu fördern“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Kirchenrat Dr. Thomas Weckelmann, Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung, und Dr. Antonius Hamers, Leiter des Katholischen Büros Nordrhein-Westfalen. „Wenn Eltern eine solche Auseinandersetzung für ihre Kinder außerhalb des bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts wünschen, ist diesem Wunsch aus Sicht der Kirchen Rechnung zu tragen.“

Alle Stellungnahmen finden Sie hier

Text: tob

 

 

 

 

 

Herausgeber: Der Präsident des Landtags
Redaktion: Wibke Busch, Pressesprecherin; Dr. Stephan Malessa, stv. Pressesprecher
Telefon: 0211/884-2850   Telefax: 0211/884-2250
E-Mail:  wibke.busch@landtag.nrw.de

Termine
aktueller Monat: Oktober  2018
KW Mo Di Mi Do Fr Sa So
40 1 2 3 4 5 6 7
41 8 9 10 11 12 13 14
aktuelle Kalenderwoche42 15 16 Heute: 17 18 19 20 21
43 22 23 24 25 26 27 28
44 29 30 31        

Kontakt zur Pressestelle


Tel.    0211 884 2850
Fax    0211 884 2250
email@landtag.nrw.de

Besucherzentrum


Informationen mehr...

Parlamentszeitschrift


Zur Website von Landtag Intern ...mehr

Newsletter

Bild von Newslettern

Die neuesten Landtags-Infos per E-Mail. ...mehr


Metanavigation
Fenster schliessen