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Unterricht für Flüchtlingskinder: Fragen und Forderungen

(17.2.2016) Alle Kinder in Deutschland, auch Flüchtlingskinder, haben das Recht auf Bildung und sind deshalb schulpflichtig. Vor diesem Hintergrund fordert die CDU-Fraktion ein Gesamtkonzept zum Schulbesuch von Flüchtlingskindern. Sachverständige haben sich im Schulausschuss zu dem Antrag der Fraktion geäußert.

Qualifikation

In der Anhörung ging es hauptsächlich um die Qualifikation der Lehrkräfte. Die Lehrerin Claudia Schickhoff sagte: „Es hapert nie an einem fehlendem Klassenraum. Es hapert daran, dass die Leute vor den Klassen stehen und nicht wissen, wie sie mit den Flüchtlingskindern umgehen sollen“, schilderte sie die Schwierigkeit, vor der Kolleginnen und Kollegen stünden, die von heute auf morgen Flüchtlingsklassen unterrichten sollten. Es gebe Fortbildungen, aber zunächst nur für neue Lehrkräfte – das sei zu wenig, kritisierte Brigitte Balbach von Lehrer NRW. Es gelte, Fortbildungen kontinuierlich zu ermöglichen und „sehr viel mehr Geld in die Hand zu nehmen, um die Erstphase zu schaffen“.

In der Regel werden Flüchtlingskinder zunächst in Aufnahmeklassen unterrichtet, erst später kommen sie in reguläre Klassen der unterschiedlichen Schulformen. Die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler stellt nach Ansicht der Sachverständigen von vornherein eine wesentliche Herausforderung dar.

Zwar würden angehende Lehrkräfte im Studium durch ein spezielles Modul für den Umgang mit Kindern mit Migrationshintergrund sensibilisiert. Aber das sei viel zu wenig, kritisierte Mona Massumi vom Zentrum für LehrerInnenausbildung an der Universität Köln. Auch Christiane Bainski, die bei der Bezirksregierung Arnsberg die Kommunalen Integrationszentren koordiniert, fand es wünschenswert, die Hochschulen zu gewinnen und in der Hinsicht mehr anzubieten. Schulen bräuchten perspektivisch eine neue Ausrichtung, plädierte sie für eine interkulturelle Schulentwicklung.

Mehr Personal

Susanne Blasberg-Bense, ebenfalls vom Regierungsbezirk Arnsberg, schätzte, dass der Bedarf an Lehrerstellen weiter steigen werde. Zwar gebe es Unterstützung durch einzelne bereits pensionierte Lehrkräfte, aber nur in geringem Umfang. Dies könne eine Übergangs-, aber keine Dauerlösung sein, erklärte Maike Finnern von der Lehrergewerkschaft GEW. Sie forderte zudem Flexibilität, falls innerhalb des Schuljahres zusätzliche Lehrkräfte erforderlich würden, und mehr Stellen für multiprofessionelle Teams, denen auch Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen angehörten.

Rüdiger Käuser von der Westfälisch-Lippischen Direktorenvereinigung konstatierte, dass es diese Situation – eine Hinzukommen einer solch großen, heterogenen Schülergruppe – bisher nie gegeben habe. Vor diesem Hintergrund wies Daniela Schneckenburger, Schuldezernentin der Stadt Dortmund, auf einen grundlegenden Paradigmenwechsel hin, der in der Schullandschaft nötig sei: Die Weichen müssten von Schrumpfung auf Wachstum gestellt werden. In Dortmund gebe es derzeit 145 Aufnahmeklassen, bis Ende des Jahres würden es etwa 190 sein, veranschaulichte sie die Herausforderung ihrer Stadt. Hilfreich sei da ein vor Jahren geschaffenes „Dienstleistungszentrum Bildung“ als zentrale Eingangstür und Vernetzungsstelle.

Bildung nach Ende der Schulpflicht

„Die anderen Schulen werden ihre Schüler zu uns abschulen“, sah Marc Bücker vom Hans-Sachs-Berufskolleg aus Oberhausen seine Schulform eine neue Identität annehmen, und darauf gebe es bisher keine Antwort. Außerdem fehle in Berufskollegs die Zielperspektive für Flüchtlinge: Die Lehrstellen reichten so schon nicht aus. Deshalb plädierte er für den Einstieg in eine staatliche Berufsausbildung.

Weil mit dem 16. Geburtstag die Schulpflicht in Deutschland ende, hat Bayern die Berufsschulpflicht auf 21 Jahre, in Einzelfällen sogar auf 25 Jahre erhöht, erläuterte Philipp Pacius vom bayerischen Schulministerium. Um auch Erwachsenen einen Schulabschluss zu ermöglichen, verwies Ulrike Kilp (Gesprächskreis Landesorganisationen der Weiterbildung NRW) auf die Weiterbildung als „System der zweiten Chance“. Die Akteure dort seien es gewohnt, mit heterogenen Gruppen zu arbeiten.

Ausländerrecht versus Recht auf Bildung

All die Maßnahmen gingen teils an den Flüchtlingskindern vorbei, weil die Schulpflicht in Deutschland erst beginne, wenn sie einer Kommune zugeordnet worden seien, erklärte Kirsten Eichler vom Flüchtlingsrat NRW. Bis zur Zuweisung vergehe unterschiedlich viel Zeit, manchmal Monate, teils sogar über ein Jahr, verwies sie auf unterschiedliche Asylverfahren bei unterschiedlichen Anträgen. Sie forderte deshalb, das Schulgesetz zu ändern: Spätestens nach sechs Wochen Aufenthalt in Deutschland müsse einheitlich die Schulpflicht gelten.

Den Antrag (Drs. 16/9798) finden Sie hier.

Die schriftlichen Stellungnahmen der Sachverständigen finden Sie hier.

Text: sow

 

 

Herausgeberin: Die Präsidentin des Landtags
Redaktion: Hans Zinnkann, Pressesprecher; Wibke Busch, stv. Pressesprecherin
Telefon: 0211/884-2850   Telefax: 0211/884-2250
E-Mail:  hans.zinnkann@landtag.nrw.de

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