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Landtag NRW gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

(27.1.2015) 70 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 hat der Landtag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. An der Veranstaltung im Plenarsaal nahmen auf Einladung von Landtagspräsidentin Carina Gödecke sowie der Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), Ulrike Lubek, mehr als 450 Gäste teil. Darunter war auch der Auschwitz-Überlebende Harry Radzyner aus Düsseldorf, der in bewegenden Worten über sein Schicksal berichtete.

Der heute 81 Jahre alte Radzyner wurde in Lodz geboren und war sechs Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Mit acht Jahren wurden er und seine Familie in das Ghetto der Stadt verlegt. Als dieses im August 1944 aufgelöst wurde, kam die Familie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Er habe dort Verbrechen „mit eigenen Augen“ gesehen, die er versuche zu vergessen. „Es war eine grausame Zeit, Überleben war reine Glückssache.“ Radzyner sagte, er lebe seit 54 Jahren in Düsseldorf und habe nie über Auschwitz gesprochen. Heute gehöre er zur letzten Generation der Überlebenden. Und er berichte von seinen Erlebnissen, weil er nicht zulassen wolle, dass Menschen den Holocaust leugneten. „Heute höre ich mit Abscheu die Parolen der Neonazis und werde sie bis aufs Letzte bekämpfen.“


Der heute 81 Jahre alte Harry Radzyner berichtete über sein Schicksal. 


Landtagspräsidentin Carina Gödecke dankte Radzyner für seine bewegende Rede.

In ihrer Begrüßungsrede hatte Landtagspräsidentin Gödecke zuvor betont, die Deutschen seien dankbar und froh, dass „trotz des dunkelsten Kapitels unserer Geschichte Juden in stetig wachsenden Gemeinden wieder mit uns leben. „Umso tiefer haben uns die Attacken auf Juden und jüdische Einrichtungen erschüttert. Ja, wir haben sie uns nach 1945 nicht mehr vorstellen können“. Es werde deutlich, wie nötig und aktuell die steten Appelle seien, sich der Geschichte zu besinnen und für die Gegenwart eindeutig Stellung zu beziehen. Gödecke betonte: „Es ist ganz gleichgültig, wie sich die Antisemiten nennen oder woher sie kommen: Wie auch immer Antisemitismus sich tarnt – er bleibt bösartig und hässlich. Und es bedarf unseres Widerspruchs.“


Landtagspräsidentin Gödecke

Hauptredner des Abends war der Historiker und Journalist Prof. Dr. Götz Aly, der seit Jahrzehnten über den Nationalsozialismus forscht und schreibt. Prof. Dr. Aly erinnerte an die Befreiung von Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Soldaten: „Heute vor 70 Jahren verharrten noch etwa 7500 verängstigte, fast erfrorene und verhungerte Häftlinge im Konzentrationslager Auschwitz.“ Zwangsweise befreit worden seien dann in den sich anschließenden Wochen „viele Zehnmillionen Deutsche“. „Wir Heutigen wissen: Unseren Wohlstand, unsere Freiheit, sieben Jahrzehnte des Friedens, das Glück unserer Kinder und Kindeskinder verdanken wir allein dem mit harter militärischer Gewalt erzwungenen Ende des deutschen Vernichtungs-, Raub- und Rassekriegs“. Der Historiker betonte zugleich die Mitverantwortung der „allermeisten Deutschen“, die Profiteure der Enteignung von Juden gewesen seien, die angesichts der Verbrechen stillgehalten hätten und nach dem Krieg „aus tiefer Überzeugung“ behauptet hätten: „Das haben wir nicht gewusst!“


Der Hauptredner des Abends, Prof. Dr. Götz Aly. 

Im Rahmen der Veranstaltung wurde die Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“ eröffnet, die an das Schicksal kranker und behinderter Menschen während der NS-Zeit erinnert und deren Schicksal der Landtag im Besonderen gedachte. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) dankte Gödecke, dass der Landtag die Ausstellung zeige. Die Verbrechen, die an Kranken und Behinderten begangen worden seien, seien lange verschwiegen worden. Die Erinnerung daran schulde man den Opfern.


Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel

Bis zu 400.000 Menschen waren ab 1934 gegen ihren Willen sterilisiert worden; mehr als 200.000 Menschen wurden in den damaligen Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Erst in den 1980er Jahren begann die öffentliche Erinnerung an diese Opfer des Nationalsozialismus.

Die Ausstellung wurde von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) gemeinsam mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors erstellt. Der Landtag zeigt sie in Kooperation mit dem LVR-Klinikum Düsseldorf/Kliniken der Heinrich-Heine-Universität.

Eines der Opfer des sogenannten Euthanasieprogramms war Benjamin Traub, der im März 1941 mit 26 Jahren in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurde. An ihn erinnerte sein Neffe Dr. Hartmut Traub, der sich ausgiebig mit dem Schicksal seines Onkels befasst hatte. Dr. Traub berichtete über den jungen, begabten Mann, bei dem nach Selbsttötungsversuchen „Jugendschizophrenie“ diagnostiziert und der in Tötungsanstalt Hadamar mit 63 weiteren Männer vergast worden war. Das Schicksal der „Euthanasieopfer“ sei nach dem Krieg verschwiegen, die Täter seien nie verfolgt worden. „Dies ist eine Schuld, deren Aufarbeitung auch 70 Jahre nach Ende des Krieges keineswegs abgeschlossen ist.“

Auf die Bitte Dr. Traubs hin erhoben sich die Gäste der Veranstaltung dann schweigend, um der Opfer zu gedenken.


Das Bild zeigt Benjamin Traub, der 1941 ermordet worden war. Sein Neffe, Dr. Hartmut Traub, hatte das Bild ans Rednerpult im Plenarsaal gestellt. 

Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, ärztlicher Direktor des LVR-Klinikums Düsseldorf und Beisitzer im Vorstand der DGPPN, betonte, das bewegende Schicksal von Benjamin Traub stehe für alle Opfer, die nach 1945 viel zu wenig oder keine Aufmerksamkeit bekommen hätten.


Prof. Dr. Wolfgang Gaebel

Die Ausstellung ist bis zum 6. März 2015 in der Wandelhalle des Landtags zu sehen. Es wird um vorherigen Anmeldung unter Tel.: 0211-884-2129 oder veranstaltungen@landtag.nrw.de gebeten. Gruppen können sich anmelden bei der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Tel.: 0211-89-96205 oder gedenkstaette@duesseldorf.de.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Er erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch sowjetische Soldaten. Allein in Auschwitz-Birkenau wurden etwa

1,1 Millionen Menschen ermordet, darunter eine Million Juden. Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen im Jahr 2005 erklärt.

Die vollständige Rede der Landtagspräsidentin finden Sie hier.

Die Rede von Prof. Dr. Aly finden Sie hier.

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

 

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