Landtag Nordrhein-Westfalen
Suchfunktion

erweiterte Suche

Sie sind hier:  Start

Navigation
Dokumentinhalt

Informationen

Landtag erinnert an Verfolgung Kranker und Behinderter in der NS-Zeit

(27.1.2015) „erfasst, verfolgt, vernichtet“ – unter diesem Titel steht eine Ausstellung über kranke und behinderte Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Die Schau wird am 27. Januar 2015 im Rahmen einer großen Veranstaltung eröffnet, mit der der Landtag 70 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau aller Opfer des Nationalsozialismus gedenkt. Auf einer Pressekonferenz erläuterten Landtagspräsidentin Carina Gödecke und Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) die Zielsetzung der Ausstellung.

Die Ausstellung wurde von der DGPPN gemeinsam mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors erstellt. Der Landtag zeigt sie in Kooperation mit dem LVR-Klinikum Düsseldorf/Kliniken der Heinrich-Heine-Universität. Sie erinnert an das Schicksal von bis zu 400.000 Menschen, die im Rahmen der sogenannten Euthanasie ab 1934 gegen ihren Willen sterilisiert wurden; mehr als 200.000 Menschen wurden in den damaligen Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Bei der Auswahl der Patienten stand der vermeintliche „Wert“ des menschlichen Lebens im Vordergrund. Psychiater, Neurologen, Kinder- und Fachärzte, Pflegekräfte und Verwaltungsfachleute urteilten über die ihnen Anvertrauten. Erst in den 1980er Jahren begann die öffentliche Erinnerung an diese Opfer des Nationalsozialismus.

Landtagspräsidentin Gödecke dankte der DGPPN, dass der Landtag die Ausstellung zeigen könne und gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass eine große Zahl von Besucherinnen und Besuchern, insbesondere Schülerinnen und Schüler, sich mit dem Thema auseinandersetze. Sie erinnerte daran, dass Kranke und Behinderte als Opfer des Nationalsozialismus oftmals nicht genügend Aufmerksamkeit erhalten und ihre Angehörigen lange um deren Anerkennung als Opfer hätten kämpfen müssen. Daher richte der Landtag seine Blicke an diesem Tag des Gedenkens in besonderem Maße auf diese Gruppe der Verfolgten. Gödecke betonte: „Die Opfer der ,Euthanasie‘ blieben häufig namenlos. Das will die Ausstellung ändern.“


Landtagspräsidentin Carina Gödecke mit Prof. Dr. Wolfgang Gaebel (l.) und Prof. Dr. Dr. Frank Schneider vor der Ausstellung im Landtag.

 

Prof. Dr. Wolfgang Gaebel erinnerte daran, dass auch im Rheinland Patienten Opfer der sogenannten Euthanasie wurden. Die damalige Rheinische Provinzial-Heil-und Pflegeanstalt in Langenfeld-Galkhausen sei eine der Sammelstellen gewesen, in der Patienten aus den umliegenden Kliniken zusammengeführt worden seien. Aus Düsseldorf seien mindestens 45 kranke und behinderte Menschen in der Tötungsanstalt Hadamar gestorben. Prof. Gaebel betonte: „Die Ausstellung soll für den heutigen Betrachter die Erinnerung an die Opfer wachhalten, aber auch Mahnung sein, Verbrechen an der Menschlichkeit zu verurteilen und dagegen vorzugehen.“ Ein wesentlicher und für die Zukunft leitender Aspekt sei es, Stigmatisierung und Diskriminierung psychisch Erkrankter zu überwinden.

Prof. Dr. Dr. Frank Schneider sagte: „Viel zu lange wurde zu den Verbrechen im Nationalsozialismus seitens der ärztlichen Fachgesellschaften, darunter auch der Psychiatrie, geschwiegen.“ Die DGPPN habe erst 2009 mit der systematischen Aufarbeitung der eigenen Geschichte und der ihrer Vorläufergesellschaften zur Zeit des Nationalsozialismus begonnen. Der Vorstand rief damals eine internationale Kommission von Historikern ins Leben. Auch durch die Ausstellung wolle die Gesellschaft das jahrzehntelange Schweigen dauerhaft überwinden. „Die Wanderausstellung rückt jene Opfer ins Zentrum, die lange am Rande des öffentlichen Interesses und Gedenkens standen.“

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den gedanklichen und institutionellen Voraussetzungen der Morde, zeigt exemplarisch die Schicksale der Opfer, nennt aber auch die Täter und Tatbeteiligten und erinnert an die Opponenten. Sie fragt schließlich nach der Auseinandersetzung mit dem Geschehen von 1945 bis heute.

Die Ausstellung ist bis zum 6. März 2015 in der Wandelhalle des Landtags zu sehen. Es wird um vorherige Anmeldung unter Tel.: 0211-884-2129 oder veranstaltungen@landtag.nrw.de gebeten. Gruppen können sich anmelden bei der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Tel.: 0211-89-96205 oder gedenkstaette@duesseldorf.de.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Er erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch sowjetische Soldaten. Allein in Auschwitz-Birkenau wurden etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet, darunter eine Million Juden. Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen im Jahr 2005 erklärt.

Mehr zur DGPPN-Ausstellung finden Sie hier.

 

Herausgeberin: Die Präsidentin des Landtags
Redaktion: Hans Zinnkann, Pressesprecher; Wibke Busch, stv. Pressesprecherin
Telefon: 0211/884-2850   Telefax: 0211/884-2250
E-Mail:  hans.zinnkann@landtag.nrw.de

Termine
aktueller Monat: September  2016
KW Mo Di Mi Do Fr Sa So
35      1 2 3 4
36 5 6 7 8 9 10 11
37 12 13 14 15 16 17 18
38 19 20 21 22 23 24 25
aktuelle Kalenderwoche39 Heute: 26 27 28 29 30    

Kontakt zur Pressestelle

Pressesprecherin
Wibke Busch
Tel.    0211 884 2850
Fax    0211 884 2250
email@landtag.nrw.de

Verfassungskommission

Zur Kommission ...mehr

Parlamentszeitschrift


Zur Website von Landtag Intern ...mehr

Newsletter

Bild von Newslettern

Die neuesten Landtags-Infos per E-Mail. ...mehr

Landtag auf You-Tube



Metanavigation
Fenster schliessen