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Verbraucherbildung oder doch ein Schulfach „Wirtschaft“?

Thema der Woche (12.12.2013) Schüler auf ihre Rolle als Konsumenten und Verbraucher vorbereiten – das ist das Ziel zweier Anträge, die im Ausschuss für Schule und Weiterbildung behandelt wurden. Während SPD und Grüne eine Weiterentwicklung der Verbraucherbildung wollen, fordert die FDP die Einführung eines Faches „Wirtschaft“. In einer Anhörung haben ein gutes Dutzend Experten zu den Anträgen Stellung bezogen; eine klare Linie hat sich nicht herauskristallisiert.

In ihrem Antrag "Verbraucherbildung in der Schule nachhaltig und vielfältig gestalten" (Drs. 16/3223) fordern SPD und Grüne, die Konsum-, Ernährungs- und Gesundheitsbildung als Teil der Verbraucherbildung weiterzuentwickeln. Das bisherige Fach "Hauswirtschaft" soll neu gestaltet werden. Die FDP-Fraktion will mit ihrem Antrag "Profilbildung des Realschulbildungsgangs stärken - Fach Wirtschaft als verbindliches Schulfach einführen" (Drs. 16/3448) hingegen ein eigenständiges Fach aufbauen.

Die Industrie- und Handelskammer NRW warb dafür, unter den Schülern ein größeres Verständnis für die Aufgaben der Unternehmen zu schaffen. Eine Konzentration auf die Rolle der Verbraucher reiche nicht aus, sagte Franz Roggemann. Wichtig sei ein ausgewogener Ansatz beider Bereiche.

Der Verband "lehrer nrw" sprach sich für ein Fach "Wirtschaft" aus. "Eine Weiterentwicklung der Verbraucherbildung greift zu kurz", sagte Brigitte Balbach. Die Grundlagen ökonomischer und verbraucherrelevanter Bildung seien in einem Fach "Wirtschaft" besser zu vermitteln. Das Verbraucherverhalten dürfe nicht nur aus der Perspektive privater Haushalte, sondern auch aus betriebs-, volks- und weltwirtschaftlicher Sichtweise betrachtet werden. Aus Sicht der LandesschülerInnenvertretung wäre eine Kombination beider Fächer unter dem Dach der "Sozialwissenschaften" sinnvoll. Dort gebe es einen offenen Austausch von Meinungen, sagte Johannes Trulsen.

Vonseiten der Landfrauenverbände wurde die Einführung des Pflichtfaches "HausWirtschaft" oder "management@home" ins Spiel gebracht. Dieses solle sich sowohl um das "Unternehmen Haushalt" als auch die moderne Wirtschaftswelt kümmern. Wichtig sei, dass es nicht nur um die reine Wissensvermittlung, sondern auch den Erwerb von praktischen Kompetenzen gehe, sagte Jutta Kuhles.

Der Bielefelder Soziologe Prof. Reinhold Hedtke warnte vor einer weiteren Aufspaltung des Fächerangebotes. So hätte ein separates Pflichtfach Wirtschaft "erhebliche negative Folgen": Ökonomische Inhalte würden aus Fächern wie Politik herausgetrennt und damit die politische Bildung entökonomisiert sowie die ökonomische Bildung von ihrer politischen Dimension abgetrennt. Zudem gehe ein Pflichtfach "Wirtschaft" zulasten der übrigen Fächer aus der Gesellschaftslehre. Für ein Fach "Politik-Wirtschaft-Gesellschaft" sprach sich Prof. Birgit Weber vom Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften der Universität Köln aus. Die einzelnen Bereiche seien so eng verbunden, dass sie nicht willkürlich getrennt und gegeneinander ausgespielt werden dürften, sagte sie.

Die Wahl zwischen "Wirtschaft" oder "Verbraucherbildung" entschied Prof. Michael-Burkhard Piorkowsky vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomie der Universität Bonn zugunsten der "Wirtschaft". Die Verbraucherbildung behandele lediglich Teile der ökonomischen Bildung, sagte er. Auf dieselbe Weise äußerte sich Prof. Thomas Retzmann vom Institut für Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaft der Universität Duisburg-Essen. Nur in einem Wirtschafts-Fach könnten die Grundlagen ökonomischer Bildung systematisch vermittelt werden. Die Verbraucherbildung sei ein "selbstverständlicher" Teil der ökonomischen Bildung und darin "umfänglich und vielfältig" repräsentiert. Während ein Verbraucher-Fach "monoperspektivisch" aus Sicht der Verbraucher lehre, eröffne das Fach Wirtschaft vielfältige Sichtweisen: von Konsumenten und Produzenten oder Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Prof. Kirsten Schlegel-Matthies vom Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit von der Universität Paderborn warnte: "Es darf nicht sein, dass die Bereiche gegeneinander ausgespielt werden." Prof. Ines Heindl von der Universität Flensburg warb für die "Verbraucherbildung", die 2009 in Schleswig-Holstein die Haushaltslehre abgelöst habe.

Wie die Schuldner- und Insolvenzverwaltung der Diakonie Krefeld-Viersen wies auch die Verbraucherzentrale NRW darauf hin, dass junge Leute Defizite in Verbraucherfragen hätten - etwa bei den Themen Finanzen oder Datenschutz. Statt eines neuen Faches, für das es sowieso keine Ressourcen gebe, sollte es vielmehr als Querschnittsaufgabe begriffen und in bestehende Schulfächer integriert werden, sagte Klaus Müller. Voraussetzung sei, dass dies verbindlich festgeschrieben werde und die Verbraucherbildung nicht vom Engagement der Lehrkräfte abhänge.

 

Herausgeberin: Die Präsidentin des Landtags
Redaktion: Hans Zinnkann, Pressesprecher; Florian Melchert, stv. Pressesprecher
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