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"Interferenzen" – von Günther Uecker

Nägel sind zu seinem künstlerischen Markenzeichen geworden. Nägel sind seit Ende der 50er Jahre das Hauptgestaltungsmittel für Günther Uecker. Sie ziehen neben dem Eingang zum Plenarsaal die Blicke auf sich. Weitere Materialien sind Holztafeln, Leinwand und Farben. Es sind fünf Holztafeln: zwei mit Leinwand bespannt, zwei mit weißer Farbe bestrichen, eine blankes Holz. Ueckers Arbeit "Interferenzen" greift den Kreis als Grundform der Architektur auf.

Es sind konzentrische Kreise; es sind - bei üblicher Leserichtung von links nach rechts - schwarze Kreise, die in schlammfarbene übergehen und schließlich in weißen Kreisen enden. Konzentrisch ist auch die Anordnung der Nägel. Sie erzeugt zusätzliche Strukturen und Spannungen, Licht und Schatten. Dadurch, aber auch durch den linken unvollständigen Kreis erhält das Werk eine ungeheure Dynamik. Es wird der Eindruck rotierender Räder erzeugt, noch verstärkt durch die Überschneidungen und die bereits erwähnten Farbabstufungen. Es ist ein Werk voller Turbulenzen.

Mit dem Kreis nimmt Uecker nicht nur die geometrische Grundfigur des Landtagsgebäudes auf: Der Kreis resultiert vielmehr daraus, dass sich der Künstler in sein Werk "hineinbegibt". Kniend hat Uecker die Farbe mit seinen Händen auf die fünf Tafeln aufgetragen. Aus der Bewegung, die der Künstler um sich herum als Zentrum ausführt, entsteht der Kreis. Der äußere Kreis, gleich ob schwarz, schlammfarben oder weiß, entspricht der Armspannweite des Künstlers und erinnert damit an die berühmte Studie von Leonardo da Vinci über die menschlichen Körperproportionen. Uecker selbst hat den Zusammenhang mit dem menschlichen Handlungsraum hergestellt, "der seinen Maßstab in der Proportion des Körpers findet." Der Mensch steht im Mittelpunkt, er bestimmt die äußeren Linien der Kreise durch die Reichweite seiner Hände, mit denen er die Farben aufgetragen hat.

Der intensive Kontakt mit den Materialien ist typisch für Uecker. Gut erkennbar sind die Abdrücke seiner Hände. Es ist die sinnliche Auseinandersetzung mit dem Holz und den Farben: Ausdrucksstarkes Kunst-Handwerk sind auch die in symmetrischen Formationen eingeschlagenen Nägel. "In einen grauen Aschekreis übergegangen, wird der schwarze mit einem weißen Kreis konfrontiert, der sich zum Ende hin, also am rechten Bildrand, auflöst. Wir haben es folglich mit Bewegungen, Übergängen und Überschneidungen von extremen Kontrasten, mit einer scharfen Konfrontation, also dem Gegenüber von Pro und Kontra, letztendlich mit einem Diskurs gegensätzlicher Behauptungen zu tun. Deren Hang zum Absoluten relativiert sich im Dialog so stark, dass es zu einer überraschenden Konsolidierung, also zu einer geglückten Balance der Widersprüche, kommt."

Diese Interpretation von Ueckers "Interferenzen" aus der Feder des Journalisten Heinz-Herbert Jocks lässt sich leicht auf den parlamentarischen Prozess beziehen. Dort treffen unterschiedliche, ja oft gegensätzliche Standpunkte und Interessen aufeinander. Aber es gibt Überschneidungen, Bewegung, das Aufeinanderzugehen, die Fähigkeit und die Notwendigkeit, Kompromisse zu schließen. Und auch wenn die "Interferenzen" von schwarzen und weißen Farben geprägt sind, so stellen sie doch keine - im politischen Jargon ein gern gebrauchter Vorwurf - Schwarz-Weiß-Malerei dar. Im Gegenteil: Sie sind eine Demonstration für die Dynamik der Bewegung, für den Fortschritt vom Dunklen ins Helle, für die Gleichzeitigkeit von unterschiedlichen Entwicklungen, aber auch von ihren Überschneidungen.

Es ist ein Appell, sich dessen bewusst zu sein - ein Appell an den einzelnen Menschen, im Parlament aber an die gewählten Politikerinnen und Politiker. Der unvollendete Kreis weist auf die fortschreitenden Veränderungen hin, die Geschichte bleibt nicht stehen, der Auftrag, sie positiv zu gestalten, bleibt.

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