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Raum der Stille – gestaltet von Gotthard Graubner

Der Düsseldorfer Künstler Gotthard Graubner (81), der durch seine sogenannten Farbraumkörper bekannt wurde, hat im NRW-Landtag einen konfessionenübergreifenden Andachtsraum eingerichtet. Parlamentarier und Besucher sollen darin zu sich selbst finden können. Seit Jahren laden die katholische und die evangelische Kirche Donnerstag für Donnerstag im nordrhein-westfälischen Landtag zu einer Andacht ein. Bis zu 40 Parlamentarier finden sich dann für eine halbe Stunde in Gottes Namen zusammen, um sich daran erinnern zu lassen, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. 

Der 81-jährige Düsseldorfer Maler Gotthard Graubner hat im Auftrag des Landtags einen Raum der Stille entworfen, der seine Gäste der Hektik des Parlaments entzieht, sobald sie ihn betreten. Wenige Schritte vom Haupteingang entfernt öffnet sich nun eine Tür zu einem ehemaligen kleinen Sitzungsraum, der kaum wiederzuerkennen ist. Eine Lichtdecke und eine Lichtwand, die den Saal nach draußen abschirmt, verbreiten eine diffuse Helligkeit, die zwei gelbe Farbraumkörper an den Wänden optisch vibrieren lässt und eine nahezu irreale Atmosphäre erzeugt. Ein Vorraum nimmt die überzähligen der hellen, bauhausartigen Holzstühle auf, die den Gästen im Raum der Stille Platz bieten. Wer sich dort niederlässt, sei es zur Andacht, sei es, um Ruhe zu finden, gerät unweigerlich in den Sog der Bilder.

Links hängt ein 80 mal 80 Zentimeter kleiner, in kaltem Gelb erstrahlender Farbraumkörper an einer großen Längswand, vorn wirkt ein 2,80 mal 2,80 Meter messendes Kissenbild in überwiegend warmen Gelb-Nuancen von der kleinen Stirnwand auf den Betrachter. Wer lange genug hinschaut, der merkt, wie die linke Ecke des weiß gestrichenen Raums unter dem Eindruck des überwältigenden Gelbs verschwimmt, bis sich der Eindruck von Räumlichkeit verliert. "Das Bild trägt die Wand, nicht umgekehrt", merkt Graubner dazu an. Dies ist die Stimmung, in die er die Besucher seines Ambientes versetzen will. Daran hat er anderthalb Jahre gearbeitet. Die Eingangstür hat er versetzen lassen, auf religiöse Zeichen hat er verzichtet, damit sich Juden und Moslems im Raum der Stille ebenso wohl fühlen wie Christen. Jugendliche, die auf einen Beruf vorbereitet werden, haben die schlichten Stühle gestaltet.

Heller Teppichboden dämpft die Geräusche. Und jetzt liegt es am Besucher, sich dem Raum so zu öffnen, dass er die von Graubner beabsichtigte Wirkung erzielt: Man muss bewusst atmen und dabei "die Bilder mitatmen". Mehr als nur ein Hauch von Fernost weht an diesem Ort - Graubner sagt: "Ich liebe sehr die Asiaten", den Taoismus vor allem. Durch die tiefe Hängung der beiden Bilder sieht sich der Betrachter veranlasst, den Blick zu senken. "Vor Kunst", so erklärt Graubner schmunzelnd, "geht man in die Knie, und zum lieben Gott blickt man auf." Für Graubners Verhältnisse sind derlei Ausführungen schon ein hohes Maß an Eigendeutung, denn eigentlich hält er es mit dem Maler Monet, der geäußert habe: "Wenn ich es sagen könnte, würde ich es nicht malen."

Räume der Stille gibt es bereits in anderen Parlamentshäusern. Für den Berliner Reichstag hat Günther Uecker einen solchen Raum gestaltet und auch den Abgeordneten von Sachsen und Bayern bietet sich eine Rückzugsmöglichkeit. In Düsseldorf hat erst ein Anbau des Landtags diese Möglichkeit eröffnet. Dadurch wurde Platz für Spiritualität frei. Wenn künftig muslimische Besucher danach fragen, wo sie beten können, wird man sie in die von Graubner geschaffene Abgeschiedenheit bitten. Während der Andachten wird der Raum nach Auskunft von Peter Jeromin, der sich im Auftrag des Landtagspräsidenten um die Verwaltung kümmert, allerdings kein reiner Farbraum sein, sondern einen Tisch, ein Kreuz und einen Kerzenständer aufnehmen, dazu eine fahrbare Orgel.

Wer den Landtag von innen kennt, der weiß, dass an seinen Wänden eine Fülle von Bildern hängt, die aus Ateliers berühmter nordrhein-westfälischer Künstler stammen, von Emil Schumacher bis zu Otto Piene. Nur Graubner war bislang nicht vertreten. Man hat es schlicht versäumt, eine seiner Arbeiten zu erwerben, als sie noch erschwinglich waren. Jetzt aber hat Graubner seine Spuren an einem Ort hinterlassen dürfen, der mehr Dauer verspricht als die Wände der Flure und Büros, denn ein sakraler Raum erhebt immer Anspruch auf Ewigkeit. So sieht es auch Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg: Graubners Raum der Stille, so sagt er, sei etwas, das bleibt. Der Raum schützt seine Besucher vor der Hektik des Parlaments.

Text: Bertram Müller, Rheinische Post
Foto: Bernd Schälte

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