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"Ave und Aurora" – von Otto Piene

Die Gemälde "Ave und Aurora" in der Bürgerhalle des Landtags korrespondieren mit dem gegenüber stehenden Phönix von Mataré. Wenn dieser das Sinnbild ist für das Aufstehen aus Trümmern, Schutt und Rauch, den Nazi-Diktatur und Krieg verursacht haben, so signalisiert auch Pienes Werk mit seinem Titel eine optimistische Perspektive. Aurora, die römische Göttin der Morgenröte, wird gegrüßt mit dem über Eck angebrachten Diptychon. Ist das die Aufforderung an die Betrachter, gar an die Abgeordneten, den neuen Tag freudig zu begrüßen, den Tag zu nutzen, sich den Aufgaben zu stellen und diese zu lösen?

Vom Werk Pienes geht eine starke Wirkung aus. Er setzt die Kraft des Feuers als Urelement ein. Die Stärke der Natur wird demonstriert: Sonne und Licht haben in Pienes Werken eine besondere Bedeutung. Seit Ende der 50-er Jahre ist das Feuer das bestimmende Wirkungselement des Künstlers. Mit Feuer hat er Leinwand und Farben verändert, geschwärzt und angebrannt. Feuer, Licht und Farben verbinden sich: Die Spuren des Feuers bilden Rückstände auf dem Bildgrund. Mit seinen Titeln wie "Ave und Aurora" unterstützt Piene die Wirkung seiner Werke und liefert Hinweise zu ihrem Verständnis. Die Spur des Feuers hinterlässt Sinnbilder für Energie, Kraft und Schönheit des Lichts. Und in der Tat erinnert Piene mit seinem Werk an die Leuchterscheinung eines Polarlichts. So tragen Nordlichter die Bezeichnung Aurora borealis, Südlichter Aurora australis.

Verschiedene Kulturen im Norden Amerikas, Europas und Asiens sahen in den Polarlichtern Aktivitäten von kämpfenden oder tanzenden Göttern und Geistern, aber auch Mitteilungen an die Menschen. So galten im Mittelalter in Europa Polarlichter ähnlich wie Kometen als Vorboten kommenden Unheils wie Kriege, Seuchen oder Hungersnöte.

So ist "Ave und Aurora" ein typisches Feuerbild Pienes: Um den Kern herum zeigt es die Krusten- und Blasenbildung, die beim Anbrennen von Ölfarbe entsteht, die der Künstler in einem ersten Schritt expressiv auf die liegende Leinwand kippt. Mit Hilfe des Feuers entwickelt Piene während des kurzen Brennprozesses die Technik des Gelierens der Farbe auf dem Bildträger. Nach dem Erlöschen wird die selbsttätig entstandene Struktur fixiert. Die Wirkung der Bilder wird durch den Kontrast - links ein dunkler Kreis, rechts ein heller Kreis - verstärkt. Auf beiden Bildern sind die Rauchspuren und sogar abgebrannte bzw. verbrannte Streichholzreste deutlich erkennbar: Auf dem linken Bild zieht der Rauch aus dem dunklen Kreis in die helle Umgebung; auf dem rechten Bild zieht der Rauch aus der dunklen Umgebung in die helle Mitte. Die Farben sind schwarz und weiß sowie rot und blau.

Der aufmunternde Titel des Werks kontrastiert mit der optischen Wirkung der Bilder. Mit der "Morgenröte" verbinden sich angenehme Gefühle, sie steht für Zuversicht, für Frische, für das Werden, für die Perspektive des Gelingens. Im Gegensatz dazu ist die Wirkung der Bilder eher düster und bedrohlich. Pienes Werk vermittelt mit seiner Symbolsprache die Ambivalenz des Lebens. Es ist der alte Dualismus von Licht und Dunkelheit, von Erneuerung und Erlöschen, die der Künstler sichtbar macht. Und es ist nicht gewiss, ob das Licht über die Dunkelheit, das Gute über das Böse siegt. "Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht", heißt es in Schillers "Lied von der Glocke".

Eine Weisheit, die sich bis heute bewährt hat. Denn solange der Mensch das heiße Element unter Kontrolle hat, ist es nutzbringend: Es spendet Wärme und Licht, schmeichelt unseren Sinnen. Doch schon eine kleine Unvorsichtigkeit im Umgang mit Feuer kann für den Menschen zu einer Lebensgefahr werden und schreckliche Verwüstungen anrichten. Die Mahnung an die Politik ist nicht zu übersehen.

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