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100 Jahre Kriegsende – 55 Jahre deutsch-französische Freundschaft

Jugendliche aus Heek und Düsseldorf gestalteten Festakt mit

(13.11.2018) Der Landtag NRW hat dem Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 gedacht und gleichzeitig an die Versöhnung Deutschlands mit Frankreich durch den Élysée-Vertrag erinnert. Zu Gast bei dem gemeinsamen Festakt mit dem Volksbund Deutsche Kriegs-Gräberfürsorge war u. a. die Botschafterin Frankreichs, Anne-Marie Descôtes. Jugendliche erzählten von ihren Reisen nach Verdun und gedachten der Millionen Toten mit bewegenden Texten.

Der Präsident des Landtags, André Kuper, eröffnete die Festveranstaltung „100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs – Versöhnung über den Gräbern – 55 Jahre deutsch-französische Freundschaft im Geiste des Élysée-Vertrags Europa für den Frieden sichern“. Er sagte: „Europa war immer dann erfolgreich, wenn sich Deutschland und Frankreich einig waren, wenn sie als Antriebskräfte fungiert und die anderen mitgenommen haben. Doch wir alle wissen: Die Einheit Europas, die eigentlich gelebte Wirklichkeit sein sollte, ja müsste, ist brüchig geworden. Nicht wenige reden einem neuen Nationalismus das Wort.“ Die Geschichte der Wiederannäherung, Versöhnung und schließlich der Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland werde gelebt von den Bürgerinnen und Bürgern, die damals nicht auf die große Politik warteten, sondern aufeinander zugegangenen seien, betonte Kuper. Oliver Keymis, Vizepräsident des Landtags und Vorsitzender der Parlamentariergruppe Frankreich, moderierte die Veranstaltung und sagte, die gemeinsamen Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gehörten unverbrüchlich zur europäischen Identität.

Anne-Marie Descôtes, Botschafterin Frankreichs in Deutschland, sagte, seit dem Ende des 2. Weltkriegs hätten Deutschland und Frankreich den Mut gehabt und auch den Willen gezeigt, Jahrhunderte der Erbfeindschaft in eine tiefgreifende und dauerhafte Freundschaft umzuwandeln.


Anne-Marie Descôtes, Botschafterin von Frankreich.

Ministerpräsident Armin Laschet unterstrich in seiner Festrede, dass die Aussöhnung der zwei großen Staaten im Herzen Europas das Zusammenwachsen Europas erst möglich gemacht habe und machte deutlich, dass er dieses besondere Verhältnis der beiden Länder ab 2019 als Bevollmächtigter der Bundesrepublik für kulturelle Beziehungen zur Frankreich besonders intensiv in den Bereichen Bildung, Kultur und Wissenschaft weiter voranbringen wolle. Dies sei, so der Ministerpräsident, für ihn auch ein Herzensanliegen.


Ministerpräsident Armin Laschet.

Thomas Kutschaty, Vorsitzender des Landesverbands NRW im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag, sagte, er hoffe sehr, dass die offizielle Erinnerung an den Ersten Weltkrieg mit diesem Tag nicht abgeschlossen sei, sondern dass wir Europäer sie zum Anlass nähmen, weiter aufeinander zuzugehen. Der Volksbund NRW hatte gemeinsam mit dem Landtag zur Festveranstaltung eingeladen.

Im Anschluss führte Vizepräsident Keymis ein Gespräch mit Jugendlichen der Kreuzschule Heek und vom Luisen-Gymnasium (Abi-Bac-Zweig) Düsseldorf. über ihre Eindrücke beim Besuch eines Soldatenfriedhofs und einer Erinnerungsstädte im französischen Verdun.

Alexander Schrum erläuterte: "Wir sind 24 Schülerinnen und Schüler der Klasse 10d von der Kreuzschule, einer Sekundarschule in Heek im Münsterland. Zunächst einmal haben wir gar nicht gewusst, dass sich dieses Ereignis zum 100. Mal jährt. Wir haben in unterschiedlichen Gruppen recherchiert was in unserem Ort zu dieser Zeit passierte. Im Gemeindearchiv erfuhren wir, dass Mütter ihre Söhne und Frauen ihre Männer zum Bahnhof brachten, um für das Vaterland in den Krieg in das ferne Belgien und Frankreich zu ziehen. Nahezu volksfestartig brachen tausende Soldaten 1914 in den Krieg auf. Wir stellten uns die Frage, warum diese Ereignisse mit den Berichten und Fotografien von der Front im Widerspruch standen."

Theresia Gesenhues fuhr fort: "Wir haben Ausschnitte aus dem Film „Im Westen nichts Neues“ gesehen. Eine Szene irritierte uns sehr: Im Film steht ein Lehrer vor seiner Klasse und fordert seine Schüler auf für das Vaterland in den Krieg zu ziehen. Die Schüler tauschten begeistert ihre Bücher und Stifte gegen Gewehre und Munition, um für das Vaterland zu kämpfen. Grund genug unseren Klassenlehrer, Herrn Großkopf, davon zu überzeugen, mit uns nach Verdun zu fahren, um den Kriegsschauplatz heute, 100 Jahre nach Kriegsende, aufzusuchen. Gemeinsam mit unseren Lehrern fuhren wir an einem Wochenende auf eine dreitägige Exkursion nach Verdun."

"In Verdun haben wir uns das Memorial de Verdun, ein Museum und Erinnerungsstätte der Schlacht um Verdun, angesehen und konnten uns somit einen Überblick über die Schlachtereignisse verschaffen.15 Minuten nach Sieben, am 21. Februar 1916 fielen die ersten Granaten auf das Gebiet der Festungen um Verdun. Eine der längsten Schlachten der Geschichte begann. 300 Tage und 300 Nächte wurde erbittert gekämpft und es wurde ein Schlachtfeld mit 300.000 Toten hinterlassen. Gleich neben dem Museum befindet sich das Beinhaus von Douaumont. Eine französische Grabstätte für die Gemeinde der Gefallenen, die nach der Schlacht um Verdun nicht identifiziert werden konnten. 130.000 Gebeine von nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten werden hier aufbewahrt", sagte Elisa Heying. Sie wusste die genauen Zahlen: "Vor dem Beinhaus befinden sich 16.142 Gräber auf einer Fläche von 144.380 Quadratmeter. IHNEN allen fällt es sicher auch schwer sich eine Vorstellung von dieser großen Anzahl französischer gefallener Soldaten zu machen. Uns fällt es bis heute nicht leicht diese Zahlen zu begreifen; und wir standen mitten in diesem riesigen Gräberfeld. Jedes Grab steht für eine eigene Lebensgeschichte. Viele Gefallene waren nicht viel älter als wir es sind. Wie müssen sich diese Männer gefühlt haben?"
Ilse ter Haar: "Um zu verstehen, wie der Tagesablauf eines Soldaten an der Front war, stiegen wir hinab in ein Höhlensystem. Das Höhlensystem entstand im Verlauf der Schlacht von Vauquois, bei der ungefähr 14.000 Soldaten ihr Leben verloren. Es wurden 519 Sprengungen verzeichnet, mit denen versucht wurde Stollensysteme der Gegner zum Einsturz zu bringen. Der Hügel bei Vauquois gleicht einem riesigen Termitenhaufen mit Stollensystemen von über 23 km. In dem Stollensystem ist es dunkel, feucht, kalt und man fühlte sich nach 30 Minuten bereits sehr unwohl. Wie müssen sich die Soldaten gefühlt haben, wenn sie dort über Monate verbringen mussten. Sie durften nur flüstern, um ihre Stellung nicht zu verraten und wurden von Läusen und Krankheiten befallen und starben, wenn nicht durch feindlichen Beschuss durch die schlechten Lebensbedingungen: Es waren höllische Zustände. Die Hölle von Verdun."
Die Abschlussworte fand Hanna Brüning: "Am ersten Schultag nach den Sommerferien kommen alljährlich alle Schülerinnen und Schüler der Kreuzschule zum Gottesdienst in die Heilig-Geist-Kirche in Heek. In diesem Jahr haben wir von unserer Exkursion berichtet. Die Schülerinnen und Schüler der Kreuzschule sind sich darin einig, dass diese Hölle von Verdun sich nie wiederholen darf. Wir dürfen das Schicksal jener Soldaten, die im Krieg auf beiden Seiten gefallen sind niemals vergessen."

Erinnerungsfoto: Die Schülerinnen der Kreuzschule Heek mit Vizepräsident Oliver Keymis (links vorne), Botschafterin Anne-Marie Descôtes (vorne Mitte), Lehrerinnen und Lehrern.

Fotos: Zanin (2), Schälte (3)

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