18.06.2025
- Was bedeutet die neue US-Außenpolitik für Europa und Deutschland? Diese Frage stand im Mittelpunkt des aktuellen Parlamentsgesprächs, zu dem Präsident André Kuper in den Landtag eingeladen hatten. Über die "neue Welt(un)ordnung" diskutierten unter anderem die Journalisten Andrea Maurer und Dr. Christoph von Marschall.
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Parlamentsgespräch „Neue Welt(un)ordnung?“
Off-Stimme
Die enge Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa war über Jahrzehnte ein Stabilitätsanker der internationalen Beziehungen.
Doch die Politik von US-Präsident Trump stellt das transatlantische Bündnis auf eine harte Bewährungsprobe.
Sie öffnet zugleich neue Spielräume für Russland und China.
Wie wird sich Europa im neuen Machtgefüge aufstellen?
Und welche Rolle wird Deutschland einnehmen?
„Neue Welt(un)ordnung? Deutschlands und Europas Rolle zwischen Trump, Xi Jinping und Putin.“
So lautete die Leitfrage des Parlamentsgespräch, zu dem der Präsident des Landtags, André Kuper, wieder Expertinnen und Experten eingeladen hatte.
Über die neue Weltordnung sprachen
die ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Andrea Maurer, der Diplomatische Korrespondent des Tagesspiegels, Dr. Christoph von Marschall, sowie der Wissenschaftler Brandon Bohrn.
Der Präsident verwies in seinem Grußwort auf aktuelle Versuche von Staatenlenkern, das Recht des Stärkeren durchsetzen.
Er mahnte:
André Kuper, Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen
Wir in Europa müssen selbstbewusster sein und selbstbewusster werden:
Als größte demokratische Gemeinschaft der Welt, als eine der größten Volkswirtschaften der Welt, mit fast 450 Millionen Menschen.
Sich nicht in eine defensive Position drängen zu lassen und trotzdem den eigenen Werte-Kompass nicht aus der Hand zu geben, ich glaube, das ist die Aufgabe dieser Zeit.
Off-Stimme
In der von Vivien Leue moderierten Debatte ging es insbesondere um die aktuelle Lage im Nahen Osten, die Folgen für die Ukraine und die neue Verantwortung der Europäer.
Brandon Bohrn, USA-Experte der Bertelsmann-Stiftung
Donald Trump befindet sich gerade genau in der Lage, in der nicht sein will. Er hat sich in den vergangenen Jahren als der „Anti-Kriegs-Präsident“ vorgestellt. Optimistisch gesehen aber – wenn ich das als Amerikaner sagen darf – ist das auch eine Gelegenheit für die Europäer, mehr Verantwortung mit Blick auf die Ukraine zu übernehmen.
Off-Stimme
Auch Andrea Maurer betonte, dass der eskalierte Nahostkonflikt den Fokus von der Ukraine genommen habe.
Andrea Maurer, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio
Es gab diesen Moment des Aufatmens, dass sich Donald Trump beim G7-Gipfel der Erklärung zum Nahostkonflikt angeschlossen hat dass G7 deutlich war in dem Punkt, dass der Iran keine Atombombe haben darf. Hinter diesem Aufatmen zurück bleibt, was Herr Bohrn gesagt hat: dass das für die Ukraine kein guter Gipfel war. Präsident Selensky ist angereist, als Trump schon längst weg war. Die Ukraine ist aus dem Fokus geraten. Diesen Auftrag, den Friedrich Merz wahrscheinlich auch an sich selbst hatte, die USA auch in der militärischen Unterstützung für die Ukraine zu halten, das haben die G7 nicht geschafft.
Off-Stimme
Dr. von Marschall betonte die große Verantwortung der EU und insbesondere Deutschlands in der aktuellen Lage:
Dr. Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent „Der Tagesspiegel“
Alle warten auf Deutschland: Sehen dies, sind die entschlossen, sind die bereit zu führen? Und sind sie bereit, das Geld in die Hand zu nehmen, dass wir eine glaubwürdige Abschreckung aufbauen. Und wir konnten das doch mal, weil wir so aufgestellt waren, dass die anderen gesagt haben, das können wir uns gar nicht leisten, die anzugreifen. Und in der Lage sind wir halt heute nicht. Deutschland hat Schwierigkeiten, 180.000 Sollstärke zu erreichen, Putin hat eine Million, will nächstes Jahr anderthalb unter Waffen haben. Und deswegen werden wir uns wirklich anders aufstellen müssen.
Off-Stimme
Er sei besorgt, aber:
Dr. Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent „Der Tagesspiegel“
Ich bin deshalb optimistisch, weil dieses Land, immer wenn es in einer tiefen Krise war und sich das eingestanden hat, handlungsfähig war.