06.12.2021

Jahresrückblick mit Flut-Folgen und Corona-Maßnahmen: Die Preisträger des NRW-Pressefotos 2021 stehen fest

„Er-schöpft“ lautet der Titel des NRW-Pressefotos 2021. Benjamin Westhoff machte das Bild im Juli nach der Flutkatastrophe in Bad Münstereifel. Es zeigt einen Mann, der Schlamm aus dem Kellerfenster seines Hauses schöpft. Der Sieger des Wettbewerbs wurde ebenso wie die Zweit- und Drittplatzierten sowie der Träger des Nachwuchspreises heute im Landtag ausgezeichnet. Die einschneidende Unwetterkatastrophe bildet sich auch stark im Jahresrückblick der Ausstellung ab, die der Präsident des Landtags, André Kuper, heute eröffnete: 13 der 35 Fotos sind in den Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen entstanden. Ein weiteres Thema, das den Wettbewerb wieder prägte, war die Corona-Pandemie.

Zum vierten Mal hatte der Landtag Nordrhein-Westfalen den Journalistenpreis ausgeschrieben: 79 Fotografinnen und Fotografen reichten insgesamt 349 Bilder ein. Davon bewarben sich fünf Journalistinnen und Journalisten mit 21 Fotos um den Nachwuchspreis (bis 30 Jahre). Mit Unterstützung der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West wurden in diesem Jahr insgesamt Preisgelder in Höhe von 19.000 Euro vergeben. Alle Fotos sind zwischen November 2020 und Oktober 2021 entstanden.
 
Eine durch den Landtag benannte Jury wählte auf den zweiten Platz ein Bild von Sascha Schürmann. Er fotografierte den Nobelpreisträger für Chemie, Benjamin List, der von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Max-Plancks-Instituts in Mülheim an der Ruhr beglückwünscht wurde. Platz Drei ging an Bernd Thissen, der den neuen Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst bei der seiner Wahl zum Landesvorsitzenden der CDU in Bielefeld fotografierte. 

Der Nachwuchspreis wurde erstmalig durch eine Publikumswahl ermittelt: Es gewann Leon Kügeler mit einem Foto eines Zahnarztbesuches in Corona-Zeiten. Die Jury hatte zuvor zwei Bilder ausgewählt, zwischen denen dann die Öffentlichkeit abstimmen konnte. 

Die Ausstellung der 35 Fotos, die die Jury aussuchte, zeigt im Landtag einen Jahresrückblick auf das 2021: Zu sehen sind die Zerstörungen durch die  Unwetterkatastrophe, Menschen, die dabei alles verloren haben, aber auch mutmachende Fotos von Hilfe und Aufräumarbeiten. Auch das weitere prägende Thema des Jahres, das Corona-Virus und seine Bekämpfung, nimmt großen Raum in der Ausstellung ein: Von Polizisten auf Rodelhügel über Karneval ohne Kontakte bis hin zu den Impfungen an ungewöhnlichen Orten. Die Ausstellung ist bis 12. Januar 2022 in der Bürgerhalle des Landtags zu sehen. 
 
Der Präsident des Landtags, André Kuper, sagt: „Das NRW-Pressefoto 2021 macht die Bilder des Jahres wieder lebendig: die unfassbare Gewalt und Zerstörung der Unwetterkatastrophe; Menschen, die vor dem Nichts stehen; der Kampf gegen die Corona-Pandemie, der uns immer noch viel abverlangt; die Bilder der Bundestagswahl. Diese Momente, Geschichten und Emotionen lieferten uns die Pressefotografinnen und -fotografen. Sie sind überall dort in Nordrhein-Westfalen, wo Nachrichten entstehen: in den Flutgebieten, bei der Impfung gegen die Corona-Pandemie oder bei politischen Entscheidungen. Ihre Arbeit ist unersetzlich für unsere Demokratie – gerade in diesen aktuell schwierigen Zeiten.“


 

Zur Jury des NRW-Pressefotos gehörten: 
•    André Kuper, Präsident des Landtags
•    Christian Ahrens, Freelens, Verband der Fotografinnen und Fotografen
•    Volkmar Kah, Geschäftsführer Deutscher Journalistenverband NRW
•    Andreas Müller, Geschäftsführer des Zeitungsverlags Aachen und Mitglied des Vorstands des Zeitungsverlegerverbands NRW
•    Jochen Trum, WDR und Mitglied im Vorstand der Landespressekonferenz
•    Georg Jorczyk, Grimme-Institut 
(Ohne aktive Teilnahme: Prof. Elke Seeger, Fotografie und Konzeption, Prorektorin für Studium und Lehre, Folkwang Universität der Künste)

Stellungnahme der Jury: 

Die Fotos, die in den Flutgebieten entstanden sind, erzählen Geschichten von Zerstörung, Verwüstung und Verzweiflung, aber zugleich auch von Mut, Hilfe und Hoffnung. Das Siegerfoto fasst viele dieser Emotionen in einer beeindruckenden Konzentration auf einen einzigen Protagonisten zusammen. Es zeigt Walther Jüliger wie er den Schlamm aus einem Keller in der Innenstadt von Bad Münstereifel schöpft. Es ist eine Situation, die in den Wochen nach dem Unwetter Alltag war in den Flutgebieten: Arbeiten bis zur Erschöpfung. Aber es ist auch ein Symbol für das Anpacken, das in diesen schweren Tagen immer wieder beeindruckt hat. Ein Signal – wir lassen uns nicht unterkriegen. Die Jury überzeugte der Aufbau des Bildes und seine Schlichtheit. Es ist ein Foto aus einem Katastrophengebiet, das aber auf den ersten Blick keine Zerstörung zeigt, keine Trümmer, Schlammlawinen oder Müllberge. Im Mittelpunkt steht vielmehr ein Mensch, auf dessen Gesicht sich Besorgnis und Erschöpfung, aber auch Tatkraft und Hoffnung spiegeln, der aus der Dunkelheit heraus die Zukunft anpackt. 
 

Stellungnahme der Jury:
Die Perspektive macht das Bild. Der Preisträger, gefeiert und umjubelt, vor seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Foto öffnet den Blick des Betrachters, die Szenerie ist elegant eingefangen. Der Blick des Herrn Professor List: freudig, stolz, überwältigt. Die Komposition ist dynamisch und harmonisch. Alle Aufmerksamkeit gilt dem Mann mit Blumen, und der, das spürt man, weiß, was er seinem Institut zu verdanken hat. Und man achte auf Bildaufteilung, die Fluchtlinien und die Größenverhältnisse. Dieses preiswürdige Foto kann tatsächlich etwas erzählen. Leistungen, auch Spitzenleistungen, sind nie nur die Leistung eines Einzelnen. Auch wenn Einzelne im Vordergrund stehen: Spitzenforschung macht man nicht allein im stillen Kämmerlein. Sie braucht ein Team. In unseren modernen, meritokratischen Leistungsgesellschaften vergessen wir das gern. 
 

Stellungnahme der Jury: 
Die Jury überzeugte die Struktur des Bildes mit der Dankes- und Demutsgeste des Neugewählten in der Mitte, umrahmt von den Parteimitgliedern und dem Rundbogen der Hallendecke. Es ist eine Momentaufnahme, die dennoch ein Ganzes ergibt. Der neue Parteivorsitzende legt die Hände zusammen und bedankt sich – umrahmt von applaudierenden Parteimitgliedern und Fotografinnen und Fotografen. Kurze Zeit später wurde Hendrik Wüst vom Landtag zum neuen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen gewählt. Er ist damit einer der Köpfe des Jahres in unserem Bundesland.
 

Stellungnahme der Jury:

An Mund-Nasen-Masken, Visiere, AHA-Regeln und weitere Schutzmaßnahmen haben wir uns nach fast zwei Jahren Pandemie gewöhnt. Sie bestimmen unseren Alltag, verändern unsere Kommunikation und schützen Leben. Die Schutzausrüstung bei dem fotografierten Zahnarztbesuch erinnert eher an einen Katastrophenfilm als an eine Arztpraxis. Aber vielleicht konnten wir alle uns vor Beginn der Pandemie nicht vorstellen, dass FFP2- und OP-Masken einmal selbstverständliche Kleidungsstücke in der Öffentlichkeit werden. Die Jury ist der Meinung, dass der Fotograf damit ein aktuelles gesellschaftliches Thema treffend umgesetzt hat. 
 

Die Fraktionen im Landtag NRW