12.11.2021

Der Empfangsraum, die gute Stube des Landtags

Mehrere hundert Räume befinden sich im Landtagsgebäude am Rhein, darunter mehr als 600 Büros und 25 Sitzungssäle. Bis Weihnachten stellen wir jeden Freitag besondere Räume des Landesparlaments vor. In Teil 1 der Serie geht es um den Empfangsraum.

Rheinblick inklusive: der Empfangsraum

Wenn Besucherinnen und Besucher im Empfangsraum durch die große Fensterfront schauen, meinen sie, direkt über dem Rhein zu schweben. Dieser Ausblick hat schon viele fasziniert – dabei handelt es sich um eine Art optische Täuschung. Tatsächlich liegen zwischen dem Landtagsgebäude und dem Fluss noch einige Meter. Es ist das Geschick der Architekten, das diesen besonderen Ausblick ermöglicht. 

Die Fensterfront zieht sich über die gesamte Breite des rund 63 Quadratmeter großen Raums, der dadurch sehr hell und freundlich wirkt. Der Blick reicht vom Düsseldorfer Medienhafen bis zur Rheinkniebrücke und dem linksrheinischen Düsseldorf-Oberkassel.

Der Empfangsraum ist so etwas wie die „gute Stube“ des Landesparlaments. Hier begrüßt der Präsident des Landtags, André Kuper, seine Gäste. An einem Stehpult tragen sie sich in das Gästebuch des Landtags ein, um sich im Anschluss am Konferenztisch oder in einer Sitzecke mit dem Präsidenten über aktuelle Themen auszutauschen.

Empfangsräume sind in Parlamenten üblich. Auch am vorherigen Sitz des Landtags, dem Düsseldorfer Ständehaus, gab es einen solchen repräsentativen Raum – etwas kleiner als der aktuelle und ausgestattet u. a. mit einem Konferenztisch aus Glas und einem hellblauen Sofa, wie sich altgediente Mitglieder der Landtagsverwaltung erinnern.

Wie im Ständehaus, so liegt auch im 1988 eröffneten neuen Landtagsgebäude am Rhein der Empfangsraum in unmittelbarer Nähe zum Büro des Präsidenten. Kurze Wege helfen ihm, den durchgeplanten und vollen Terminkalender einzuhalten. Insbesondere wenn an ohnehin besonders arbeitsreichen und durchgetakteten Plenartagen sich die Gäste die Klinke in die Hand geben. 

Bundespräsidenten waren schon im Empfangsraum, Bundesminister, Botschafterinnen und Botschafter, Konsuln sowie Staatsgäste oder Parlamentarier aus aller Herren Länder. Im März 2018 beispielsweise empfing Präsident Kuper dort Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. 2004 trugen sich die britische Königin Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philip ins Gästebuch ein. Königin Silvia von Schweden genoss den Ausblick auf den Rhein genauso wie Kronprinzessin Mary Elizabeth von Dänemark.

Neben Politikerinnen und Politikern, Mitgliedern des diplomatischen Korps oder gekrönten Häuptern begrüßt der Präsident aber auch regelmäßig nordrhein-westfälische Bürgerinnen und Bürger im Empfangsraum. Und während der vom Präsidenten ins Leben gerufenen Parlamentsnächte steht der Empfangsraum allen interessierten Besucherinnen und Besuchern offen. 

Diese Besuche sind dem Präsidenten ein wichtiges Anliegen. Das Parlament will er bewusst auch als das „Haus der Bürgerinnen und Bürger“ verstanden wissen. André Kuper sagt: „Im Landtag schlägt das Herz der nordrheinwestfälischen Demokratie. Hier werden die wichtigen landespolitischen Debatten geführt. Und hier werden Entscheidungen getroffen, die das Leben jeder Bürgerin und jedes Bürgers ganz konkret betreffen. Umso wichtiger sind Transparenz und Bürgernähe.“ Schmerzlich, aber unumgänglich seien daher die derzeitigen Einschränkungen des Besuchsprogramms aufgrund der Corona-Pandemie. 

Der Empfangsraum ist insgesamt geprägt von schlichter Eleganz und wird je nach Anlass hergerichtet. Die Handschrift des jeweiligen Präsidenten oder der jeweiligen Präsidentin wird insbesondere durch das Werk aus der Kunstsammlung des Landtags deutlich, das an der linken Seite der Raumes hängt. Präsident Kuper hat sich für das Gemälde „Erinnyen“ des Kölner Künstlers Bernard Schultze entschieden, das schon früher den Raum zierte. Der eigentliche Blickfang ist und bleibt aber ein Kunstwerk der Natur – der Rhein.

Der Text erschien erstmals in der Parlamentszeitschrift Landtag Intern (Ausgabe 8/2020). 

Serie „Räume des Landtags“

Die Fraktionen im Landtag NRW