Seit 2024 müssen weiterführende Schulen die Daten von Schülerinnen und Schülern ohne Anschlussperspektive an die Bundesagentur für Arbeit melden. Das Ziel: Die Agentur soll die Betroffenen über Angebote der Berufsberatung und -orientierung informieren.
Einem Medienbericht zufolge hätten allein im vergangenen Jahr 32.809 Schulabgängerinnen und Schulabgänger keine Anschlussperspektive gehabt, heißt es im Antrag der SPD (18/19087). 2024 seien es sogar fast 35.000 junge Menschen gewesen. Die Zahlen seien „alarmierend“. Die Landesregierung müsse erläutern, wie sie sich „für die Zukunft der betroffenen Schulabgängerinnen und Schulabgänger einsetzt“ und wie sie bestehende Programme wie „Kein Abschluss ohne Anschluss“ künftig ausstatten wolle.
Lena Teschlade (SPD) sprach von „32.809 Lebenswegen, die ins Ungewisse führen“. Gleichzeitig suche das Land händeringend Fachkräfte. Dies sei „kein Randproblem, sondern ein „bildungs- und arbeitsmarktpolitischer Alarmzustand“. Das Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ werde aktuell geschwächt, statt gestärkt. Wichtigster Baustein sei die „Potenzialanalyse“, die in die Förderung über den Europäischen Sozialfonds verschoben werde. Dies gefährde eine langfristige Planungssicherheit.
Marco Schmitz (CDU) wies die Vorwürfe zurück. Niemand dürfe nach der Schulausbildung aus dem Blick gelassen werden – und Nordrhein-Westfalen schaue „sehr genau hin“. Mit „einem ganzen Bündel an Maßnahmen“ kümmere sich das Land um die jungen Menschen. So beginne Berufsorientierung bereits in Klasse 8. Zudem gebe es nicht den „Topf schlechtes Geld“ und den „Topf gutes Geld“. Man stelle Geld zur Verfügung, „damit Menschen eine Perspektive bekommen“.
Susanne Schneider (FDP) nannte es paradox, dass in einem Bundesland, in dem händeringend nach Fachkräften gesucht werde, Lebensläufe ins Stocken geraten seien. Dabei gebe es kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Das System sei zu kompliziert und habe zu wenig Wirkung. Ein erheblicher Teil der Betroffenen werde von den bestehenden Instrumenten nicht erreicht. Schneider forderte faire Rahmenbedingungen, gute Bildung und Qualifizierung, echte Aufstiegsmöglichkeiten und Zugang zu Arbeit.
Benjamin Rauer (Grüne) erwiderte auf die Kritik der SPD, das Land schaue nicht tatenlos zu. Bei der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ gehe es seit Jahren darum, Jugendliche frühzeitig zu begleiten, Perspektiven zu schaffen und Übergänge verlässlich zu organisieren. Dies beginne bereits ab Klasse 8 mit Potenzialanalysen, Berufsfelderkundungen, mit Praktika und echter Berufsorientierung. Denn viele jungen Menschen wüssten gar nicht, welche Möglichkeiten sie hätten.
Zahlreiche Ausbildungsplätze seien für junge Menschen unattraktiv im Vergleich zu Leistungen des „üppigen Sozialstaats“, kritisierte Dr. Martin Vincentz, Fraktionsvorsitzender der AfD. Viele junge Menschen mit mittleren Schulabschlüssen seien zudem für Betriebe „nicht mehr geeignet“. Allein das pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz und das Beherrschen der Sprache seien ein Problem. Aufgabe von Schulen müsse sein, junge Menschen vorzubereiten, damit sie „ausbildungsbefähigt“ werden.
Die Landesregierung stecke viel Geld und Mühe in die berufliche Orientierung von Schülerinnen und Schülern, sagte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Ausdruck davon sei unter anderem das Projekt „Kein Abschluss ohne Anschluss“ sowie das „Schülerdatenübermittlungsgesetz“, das helfe, junge Menschen ohne Anschlussperspektive zu identifizieren. Zwei Drittel der rund 34.800 Schülerinnen und Schülern, die 2024 der Arbeitsagentur gemeldet worden seien, hätten zum Ende des Jahres eine Anschlussperspektive gefunden.
Text: zab, wib, tob