19.03.2026

Aktuelle Stunde: Hausarztversorgung in Westfalen-Lippe

Mit lediglich 61 Hausärztinnen und Hausärzten pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern weise Westfalen-Lippe die schlechteste Versorgungsquote in ganz Deutschland auf, so die SPD-Fraktion. Der Landtag hat darüber in einer Aktuellen Stunde debattiert.

Das Foto zeigt einen Hausarzt, der ein Stethoskop in der Hand hält.

Die Fraktion bezog sich in ihrem Antrag (18/18232) auf Zahlen aus dem Bundesarztregister sowie der Kassenärztlichen Vereinigungen. Während Städte wie Münster gut versorgt seien, zeige die Gesamtregion ein „hoch problematisches Bild“. Bereits heute seien etwa 40 Prozent der Hausärztinnen und -ärzte in Westfalen-Lippe älter als 60 Jahre. Viele Praxen stünden vor einem Generationswechsel, „häufig ohne Nachfolge“.
 

Lisa-Kristin Kapteinat (SPD) hob die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung hervor. In Westfalen-Lippe fehlten rund 200 Fachkräfte. Dies sei keine gute Nachricht für die Menschen in der Region. Auch bedeute der Mangel an Hausarztpraxen insgesamt mehr Druck auf das Gesundheitssystem, wenn Betroffene beispielsweise auf die Notversorgung oder Kliniken auswichen. Diese Situation dürfe die Landesregierung nicht zufriedenstellen. Sie müsse dem „Praxissterben“ einen Riegel vorschieben. 

Marco Schmitz (CDU) kritisierte, auch in der SPD-Regierungszeit sei die strukturelle Schwäche der hausärztlichen Versorgung in Westfalen-Lippe bekannt gewesen und nichts sei geschehen. Die CDU-geführte Regierung haben hingegen eine Reformpolitik umgesetzt. So sei an der Universität Bielefeld eine medizinische Fakultät gegründet worden. Nordrhein-Westfalen sei auch „Pionier“ bei der Landarztquote gewesen. „Das ist Gesundheitspolitik, die Schule macht.“ 

Die Probleme wären nicht so groß, wenn man sie konsequent anginge, sagte Susanne Schneider (FDP): Wenn nur 3 Prozent der Nachwuchsärztinnen und -ärzte in strukturschwachen Regionen arbeiteten, könnte eine Unterversorgung verhindert werden. Sie forderte mehr Unterstützung bei Praxisgründungen und -übernahmen. Wichtig sei zudem ein konsequenter Bürokratieabbau. Viele Hausärztinnen und Hausärzte klagten über eine „Flut an Formularen, unsinnige Berichtspflichten und tägliche Technikpannen“.  

Der Antrag der SPD-Fraktion erwecke den Eindruck, Westfalen-Lippe sei in der hausärztlichen Versorgung abgehängt, sagte Meral Thoms (Grüne). Diese „undifferenzierte Erzählung“ sei aber falsch und schüre unnötige Ängste. „Die klassische Arbeit in der Hausarztpraxis als Einzelkämpferin, als Einzelkämpfer ist für junge Ärztinnen und Ärzte nicht mehr attraktiv“, sagte Thoms. Gefragt seien vielmehr Modelle mit mehr Teamarbeit sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 

Die „dramatische Lage“ der ärztlichen Versorgung lasse sich nicht schönreden, kritisierte Dr. Martin Vincentz, Vorsitzender der AfD-Fraktion. Das Problem weise weit über die Region hinaus. Es gebe zu wenig Medizin-Studienplätze. Der Ausbildungsmangel werde sich in den nächsten Jahren „massiv verschlechtern“. Es brauche ein anderes System der Budgetierung für Hausarztpraxen. Zudem benötigten Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit für Patientinnen und Patienten. 

Die Landesregierung habe sehr viel dafür getan, um die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen zu verbessern, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Dazu zähle die Einführung einer Landarztquote, mit der sich Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung verpflichteten, in unterversorgten Regionen zu arbeiten. Die Landesregierung habe zudem massiv in die Einrichtung einer Medizinischen Fakultät in Bielefeld investiert. Und sie setze sich bundesweit intensiv für Strukturreformen im Gesundheitswesen ein. 

Text: wib, zab, tob 

Die Fraktionen im Landtag NRW