Zugrunde lag der Anhörung ein Antrag der SPD-Fraktion (18/13148). Der Bestand der invasiven Asiatischen Hornisse wachse pro Jahr um das Drei- bis Vierfache an. Für 2025 sei gegebenenfalls mit mehr als 1.000 Nestern in Nordrhein-Westfalen zu rechnen. Bedroht seien daher „Insektenbestände weit über die Honigbiene hinaus“. Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse sei nicht nur ein Problem der Imkerinnen und Imker. Die SPD-Fraktion fordert unter anderem ein landesweites Managementkonzept zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse. Darüber hinaus sei es notwendig, die Meldeplattform des Landes für nicht heimische Tierarten (Neobiota-Meldeplattform) bekannter zu machen, die personellen und finanziellen Kapazitäten der Unteren Naturschutzbehörden zu erhöhen und das Ausbildungsprogramm zur Qualifizierung von Nestentfernern zu fördern.
Hoheitliche Aufgabe
Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund betont, dass die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse eine gesamtgesellschaftliche und hoheitliche Aufgabe sei und nicht länger als „das Problem einzelner Personengruppen“ betrachtet werden dürfe. Herzstück einer erfolgreichen Bekämpfungsstrategie sei ein effektives landesweites Managementkonzept. Dieses müsse klar benennen, welche Behörde oder Stelle für welche Aufgabe zuständig sei.
Darüber hinaus fordert der Berufs- und Erwerbsimkerbund die Einrichtung einer übergeordneten, landesweiten Koordinationsstelle für das Monitoring, die Bekämpfung und die Datenhaltung. Die aktuelle Personalstärke des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen reiche dazu nicht aus. Weiterhin solle ein Runder Tisch eingerichtet werden, der die Expertise aller Akteure bündele. Einbezogen werden sollten zum Beispiel Imkerverbände, Landwirtschaftskammern, Feuerwehren und wissenschaftliche Institutionen. Nicht zuletzt müsse eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, die es geschulten Nestentfernern ermögliche, Privatgrundstücke zu betreten. Ohne diese Befugnis seien Bekämpfungsmaßnahmen gerade in Wohngebieten kaum umsetzbar.
Zentrale Meldeplattform
Roland Schmalenberg, Imker und Bienenlotse, hob die Bedeutung der zentralen Meldeplattform hervor. Die beim Landesamt für Natur, Umwelt und Klima angesiedelte Neobiota-Meldeplattform sei Schlüsselelement sowie Dreh- und Angelpunkt zur Koordination von Nestsuchen. Sie verschaffe einen guten Überblick über die Entwicklung der Situation in Nordrhein-Westfalen. Es sei daher darauf zu achten, Meldungen über alternative Plattformen automatisiert in die Neobiota-Datenbank zu überführen. In diesem Zusammenhang erscheine es unumgänglich, Bürgerinnen und Bürgern die Neobiota-Meldeplattform durch die Medien und Werbeauftritte der Kreise und kreisfreien Städte bekannter zu machen. Erfolgreich bekämpft werden könne die Asiatische Hornisse dann, wenn die Beseitigung von Nestern „als vordringliche Landesaufgabe verstanden und mit Haushaltsmitteln unterlegt“ werde. Sie dürfe nicht von der Finanzsituation der Kommunen abhängig sein und auch nicht auf Grundstückseigentümer umgelegt werden.
Unterschätzte Problematik
Der Sprecher der Bundesarbeitsgruppe „Hymenoptera“ (Hautflügler) des NABU, Dr. Stephan Härtel, kritisierte, dass ein vollständiges Konzept zum Umgang mit der Asiatischen Hornisse bisher fehle. Diese Lücke sei umgehend durch die zuständigen Behörden und die politisch Verantwortlichen zu schließen, um „wertvolle und sensible Habitate und Biodiversitäts-Hotspots vor weiteren Verlusten zu bewahren“. Bisher sei die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse maßgeblich durch ehrenamtlich engagierte Naturschützende sowie Imkerinnen und Imker eingedämmt worden.
Diese Gruppen hätten mit hohem zeitlichem und finanziellem Aufwand die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse verlangsamt und vielfach hoheitliche Aufgaben übernommen. Sie hätten vor Ort die durch die Insekten hervorgerufenen Schäden begrenzt. Der Erfolg der ehrenamtlich Tätigen führe jedoch dazu, dass die Problematik der Asiatischen Hornisse in Teilen der Gesellschaft und der Behörden unterschätzt werde. Die erfolgreiche Bekämpfung der Vespa velutina setze den Aufbau einer Koordinationsstelle, fundiertes Expertenwissen, öffentlich finanzierte Strukturen und die enge Verzahnung haupt- und ehrenamtlicher Akteure voraus. Eine entsprechende Koordinationsstelle würde die Belastung der Unteren Naturschutzbehörden verringern, die Bevölkerung kompetent informieren und die Ausbildung lokaler Expertinnen und Experten koordinieren.
Text: rüc