Das Oberhaupt der Êzîden trug sich in das Gästebuch des Parlaments ein. Im Anschluss besichtigte er zusammen mit Vizepräsidentin Carina Gödecke, Serdar Yüksel, Vorsitzender der Petitionsausschusses, und einer Delegation des Zentralrats der Êzîden in Deutschland (ZÊD) den Landtag. Seit November 2020 ist Seine Heiligkeit Baba Sheikh das geistliche Oberhaupt der Religionsgemeinschaft. Der erste Auslandsbesuch des Oberhauptes steht im Zusammenhang mit der jährlichen Gedenkveranstaltung des Zentralrats der Êzîden in Deutschland, die an die Opfer des Völkermordes durch den Islamischen Staat (IS) im Jahr 2014 erinnert.
Die Anerkennung des Völkermordes an den Êzîden ist eine Verpflichtung für Nordrhein-Westfalen. Auch wenn der Anlass der Auslandsreise Seiner Heiligkeit Baba Sheikh ein trauriger ist, so unterstreicht es doch die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der êzîdischen Gemeinschaft“, sagte Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke.
Hintergrund
Die Êzîden, auch Jesiden genannt, sind eine Religionsgemeinschaft, die vor allem im Norden Iraks, aber auch in Nordsyrien und der Türkei lebt. Durch die Eroberung der Region Sinjar (Shingal) durch die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) im Sommer 2014 wurden Tausende Êzîden ermordet und aus ihrer Heimat vertrieben. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration leben etwa 300.000 Binnenvertriebene im Gouvernorat Dohuk in der Region Kurdistan-Irak. Der Zentralrat der Êzîden in Deutschland mit Sitz in Bielefeld, setzt sich als Interessensvertretung für die Êzîdinnen und Êzîden in Deutschland ein. Zugleich versteht er sich als Dachverband für êzîdische Organisationen. In Deutschland leben schätzungsweise 100.000 bis 200.000 Êzîdinnen und Êzîden.