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Statements zum Volkstrauertag am 15. November 2020

13.10.2020 - Zum Volkstrauertag am 15. November 2020 äußern sich der Präsident des Landtags, André Kuper, der stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsident Dr. Joachim Stamp und der Landesvorsitzende des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Thomas Kutschaty. Die zentrale Gedenkfeier in Dormagen war wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden.

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Statements zum Volkstrauertag am 15. November 2020 


Off-Stimme:
Ein Tag des Gedenkens und Mahnens: Am Volkstrauertag wird an die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft erinnert. Zum diesjährigen Volkstrauertag am 
15. November äußern sich der Präsident des Landtags, André Kuper, der stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsident Dr. Joachim Stamp und der Landesvorsitzende des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Thomas Kutschaty.

André Kuper, Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen:
Am Volkstrauertag gedenkt unser Land der Opfer der Weltkriege!
•    Nicht nur der gefallenen Soldaten,
•    sondern auch der Frauen, Alten und Kinder, 
die als Zivilbevölkerung, hinter der Front, in den Dörfern und Städten und auf der Flucht umgekommen sind.
•    Unser Land gedenkt derer, die in Lagern, Gefängnissen oder Konzentrationslagern ihr Leben lassen mussten.
•    All der Kranken und Behinderten, deren Leben per Erlass als „lebensunwert“ deklariert wurde;
•    Der Männer und Frauen des Widerstandes;
•    Der Opfer von Zwangsarbeit in Arbeitslagern.
Und wir erinnern uns 
•    an den Holocaust, 
•    an die Shoa, 
•    an all das Schicksal der Juden in Deutschland und Europa, 
deren Leben auf so schreckliche Weise abgebrochen wurde.
Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes müssen wir auf eine zentrale Gedenkfeier verzichten. 
Die weltweit wütende Corona-Pandemie zwingt uns dazu!
Aber wir müssen nicht auf das Gedenken verzichten.
Wir haben Kränze niedergelegt.
Und wir können jetzt per Video unsere Gedanken zum Volkstrauertag austauschen.
Immerhin!
Mir liegt daran an einem Tag wie diesem daran zu erinnern,
welch großes und einzigartiges Angebot, Demokratie- und Friedensangebot Deutschland und das vereinte Europa seinen Bürgerinnen und Bürgern macht!
Vergessen wir nicht: 
Dieser Friede, diese Demokratie wurde teuer erkauft!
Lasst uns die DNA in die nächste Generation tragen!
Wir sind dem Frieden und der Freiheit verpflichtet!
Das sind wir den Opfern der Weltkriege schuldig.
Und wir sind es der zukünftigen Generation schuldig.

Dr. Joachim Stamp, stellvertretender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen:
Jedes Jahr mahnt uns der Volkstrauertag, innezuhalten und der vielen Millionen Toten zweier Weltkriege zu gedenken. 
Die Gefallenenzahlen der beiden Weltkriege sind aus heutiger Sicht weitgehend unvorstellbare, anonyme Größen. Doch die Toten sind eben nicht anonym. Sie waren Ehemänner, Söhne, Väter und Freunde. Hinter jedem Namen verbirgt sich ein persönliches Schicksal, ein Leben, eine Familie. 
Am Volkstrauertag des Jahres 2020, mitten in der Corona-Pandemie, sind wir alle wohl besonders sensibel für die Verletzlichkeit des Lebens, wie wir es kennen. 
Ja, 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Deutschland ein prosperierendes Land in der Mitte eines friedlichen und geeinten Europas. 
Aber ein Leben in Frieden und Freiheit, wie wir es heute führen dürfen, ist kein Selbstläufer und keine Selbstverständlichkeit. Es muss stets aufs Neue erarbeitet werden. 
Denken Sie an die vielen Konflikte, die wir auf unserer Welt erleben müssen. Frieden und Freiheit sind eben keine Selbstverständlichkeit. Und umso wichtiger ist es, dass wir uns immer wieder zu unseren Werten in der Bundesrepublik, in Europa bekennen. Und wir müssen uns immer wieder fragen
•    Tun wir genug, um die Erinnerung an vergangenes Unrecht und die grausamen Folgen wachzuhalten? 
•    Tun wir genug, damit sich Krieg, Gewaltherrschaft und Diktatur nicht wiederholen können? 
•    Treten wir mutig genug ein für Frieden, Menschenwürde und Verständigung in Europa? 
•    Setzen wir uns klar und eindeutig ab von provokativen Grenzverschiebungen?
Wir können es gar nicht genug betonen: Der Schlüssel für eine gemeinsame Zukunft in Europa und weltweit liegt in verlässlicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit.
Deshalb mahnt der Volkstrauertag uns alle nicht nur zum Gedenken, sondern zur Versöhnung, zur Verständigung und zum Frieden. 

Thomas Kutschaty, Vorsitzender des Landesverbands NRW des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge:
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
am Volkstrauertag gedenken wir gemeinsam der Toten der Kriege und der Gewaltherrschaft – damals und heute, in Deutschland, Europa und der Welt. 
Wir trauern mit den Angehörigen um die Gefallenen, die Verstorbenen und Ermordeten, und wir erinnern an sie, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. 
In normalen Zeiten gedenken wir in Gemeinschaft mit anderen in einer Kirche oder auf einer Kriegsgräberstätte. Am diesjährigen Volkstrauertag hatten die Staatskanzlei, der Landtag und der Volksbund NRW eine gemeinsame Gedenkstunde in Dormagen vorgesehen.
In Zeiten der Bedrohung durch ein lebensgefährliches Virus wollen wir die Infektionsgefahr für alle Mitwirkenden und Gäste möglichst beschränken. Deshalb möchte ich Ihnen meine Gedanken zum Volkstrauertag auf diesem Wege mitteilen.
Am Volkstrauertag gedenken wir aller Toten der Weltkriege und Diktaturen: 
der Soldaten und Zivilisten unterschiedlicher Nationen, 
der Verfolgten und Ermordeten – der Juden, Sinti und Roma, der kranken und behinderten Menschen, 
der Homosexuellen, der politisch Andersdenkenden, 
der Menschen, die aus Glaubensgründen verfolgt wurden,
der Menschen, die als asozial bewertet wurden.
Mehr als 60 Millionen Menschen sind auf grausame Weise im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen. Sie alle sind letztlich Opfer einer menschenverachtenden Politik geworden; einer Politik, die die Ideologie über den Wert des Lebens gestellt hat.
Am Volkstrauertag 2020 blicken wir Deutsche zurück auf diese bedrückende Zeit; wir blicken aber auch zurück auf 75 Jahre des Friedens in Europa und auf 30 Jahre seit der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten. 
Auch die Teilung Deutschlands und Europas war eine Folge des Zweiten Weltkrieges. Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall haben sich die Lebensverhältnisse in Ost und West zwar angeglichen, aber sie sind immer noch nicht gleich. Dies zeigt, wie lang der Schatten des Krieges ist.
Zwar spüren wir die Auswirkungen dieses Krieges gelegentlich noch heute; grundsätzlich dürfen wir allerdings dankbar sein für wachsenden Wohlstand in Frieden und Freiheit. Der Frieden in Europa und die Wiedervereinigung sind nicht selbstverständlich und waren nicht unbedingt zu erwarten. Sie sind deshalb zwei große Geschenke.

75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges sterben in Europa und an seinen Grenzen wieder Soldaten und Zivilisten in militärischen Konflikten. Bei uns in Deutschland erstarken die Rechtsextremen. Sie bedrohen Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, und schrecken selbst vor Mord nicht zurück. 
Wohin extremistische Denkweisen führen können – das zeigen uns auch heute noch die Millionen Gräber der Kriegstoten in Deutschland, in Europa und der Welt. Die Toten der Kriege mahnen uns, uns für den Schutz der Menschenwürde, für die Menschenrechte, für die Völkerverständigung und für Frieden in Europa und der Welt einzusetzen. 
Gehen wir deshalb aufeinander zu – auf die Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, in unserem unmittelbaren Umfeld, in unserer Straße, in unserem Viertel, in unserer Stadt. Und bleiben und suchen wir den Kontakt mit unseren europäischen Nachbarn und in der Welt. 
Denn die vergangenen 75 Jahre haben gezeigt, dass wir Europäer gemeinsam Frieden, Freiheit und Wohlstand schaffen können. Darauf können wir aufbauen – und daran lassen Sie uns gemeinsam weiterarbeiten.
 

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