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Aktuelle Stunde: Landtag debattiert über Olympia-Bewerbung

03.03.2021 / Nordrhein-Westfalen möchte Gastgeber der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2032 werden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat jedoch unlängst bekanntgegeben, einen „zielgerichteten Dialog“ mit Brisbane in Australien über die Ausrichtung der Spiele führen zu wollen. In einer Aktuellen Stunde debattierte der Landtag über das weitere Vorgehen.

Der Debatte lagen Anträge der Fraktionen von SPD (17/12836) und AfD (17/12837) zugrunde. 

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Fraktionschef Thomas Kutschaty (SPD/v.l.), Andreas Keith (AfD) und Gregor Golland (CDU)

Nordrhein-Westfalen habe bei der Bewerbung zur Ausrichtung der Olympischen Spiele seine „Hausaufgaben nicht gemacht“, kritisierte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. Seine Fraktion habe in den vergangenen Jahren mehrmals darauf gedrängt, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, was die „Mehrheitsfraktionen“ im Landtag immer wieder abgelehnt hätten. Die Landesregierung habe es versäumt, die Bundesregierung und den Deutschen Olympischen Sportbund bei der Bewerbung „ins Boot zu holen“. Es wäre mehr Engagement nötig gewesen. Der Traum von Olympia an Rhein und Ruhr sei nun „ausgeträumt“. 

Das IOC habe die nordrhein-westfälische Initiative „Rhein Ruhr City 2032“ mit ihrer Bewerbung „abgestraft“, sagte Andreas Keith (AfD). Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) habe mit seinem Amtsantritt im Jahr 2017 den Bereich Sport in der Staatskanzlei angesiedelt und damit zur Chefsache gemacht. Das Ergebnis sei mit Blick auf die Olympischen Spiele 2032 ein „sportpolitischer Scherbenhaufen“. Die Landesregierung habe „intransparent“ agiert, bei der Bewerbung allein mit Unternehmen kooperiert und es versäumt, Bürgerinnen und Bürger zu befragen, ob sie Olympische Spiele in NRW befürworteten. 

Die Spiele sollten ein „nachhaltiger, kooperativer Gegenentwurf zum Gigantismus mit ausufernden Kosten“ werden, sagte Gregor Golland (CDU). Viele hätten sich „für die olympische Idee unserer Heimat“ eingesetzt, allen voran der Sportmanager Michael Mronz und Ministerpräsident Armin Laschet. Auch angesichts der Rückschläge gebe er nicht auf und kämpfe weiter für die Idee, das olympische Feuer doch noch nach Nordrhein-Westfalen zu holen – „wenn es schon 2032 nicht klappen sollte, dann vier Jahre später“. Golland sagte: „Lassen Sie uns gemeinsam den steinigen Weg weitergehen, die Steine wegräumen und für olympische Spiele bei uns werben.“ 

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Fraktionschefin Josefine Paul (Grüne/v.l.), Andreas Terhaag (FDP), Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)

„Wir alle hätten uns Olympische Spiele an Rhein und Ruhr vorstellen können“, sagte Grünen-Fraktionschefin Josefine Paul. Der Traum sei aber geplatzt. Sie sprach von „kommunikativen Schwierigkeiten“ zwischen Landesregierung und IOC. Bei seiner Jahresauftaktpressekonferenz habe der Ministerpräsident verkündet, „in Bälde“ sei man Bewerber – und nur einen Tag später „macht das IOC den Sack zu“. Was die Transparenz bei den Planungsschritten angehe, hätten Landesregierung und Privatinitiative ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die Spiele wären, so Paul, „eine Chance für die Region“ gewesen. Es gebe aber auch andere Chancen. 

Andreas Terhaag (FDP) betonte, dass das Votum des IOC für Brisbane akzeptiert werden müsse. Seine Fraktion werde sich auch nicht an einer Debatte über einen „Sündenbock“ beteiligen. Diese Debatte sei „müßig und sinnlos“. Terhaag verwies darauf, dass Bewerbungen um Olympische Spiele in der Regel nicht im ersten Anlauf erfolgreich seien. Auch Brisbane sei 1992 gescheitert. Im Sport sei es unüblich, nach Niederlagen den Kopf in den Sand zu stecken. Es müsse analysiert werden, wo die Olympia-Initiative noch verbessert werden könne. „Wir halten an der Idee für die kommende Dekade fest“, so Terhaag.  

Auch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte an, an der Bewerbung um Olympische Sommerspiele festhalten zu wollen. „Wir können das, wir wollen das und wir werden es auch am Ende erreichen“, betonte er. Die Entscheidung des IOC nannte er überraschend und schmerzhaft. Grund sei nicht das Thema Machbarkeitsstudie für die Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region gewesen. Der Ministerpräsident wies auch Kritik an einer möglichen Bewerbung um die Spiele 2036 zurück. Gerade 100 Jahre nach den Berliner Spielen sei es ein Signal, Olympia in der multikulturellsten Region Europas, in der Nachhaltigkeit gelebt werde, stattfinden zu lassen. 

Text: tob, zab, wib
Fotos: bs
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