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Corona im Fokus: Preisträger des NRW-Pressefotos 2020 im Landtag gekürt

07.12.2020 / Das Siegerfoto beim Wettbewerb NRW-Pressefoto 2020 des Landtags ist ein Bild voller Emotionen dieses Corona-Jahres. Lars Berg aus Münster fotografierte im Auftrag der Bildzeitung im März im Kreis Heinsberg den Besuch einer Mutter mit ihrer Tochter bei deren Oma – getrennt durch eine Glasscheibe. Auf ihren Gesichtern spiegelt sich Sehnsucht. Der Sieger des Wettbewerbs wurde ebenso wie die Zweit- und Drittplatzierten sowie die Träger des Sonderpreises und des Nachwuchspreises heute im Landtag ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand ohne Gäste statt und wurde live im Internet übertragen.

Zum dritten Mal in Folge hatte der Landtag Nordrhein-Westfalen den Journalistenpreis ausgeschrieben – und er hat sich unter den Fotowettbewerben etabliert: 107 Fotografinnen und Fotografen reichten insgesamt 446 Bilder ein. Davon bewarben sich zehn Journalistinnen und Journalisten mit 49 Fotos um den Nachwuchspreis (bis 30 Jahre). Mit Unterstützung der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West wurden in diesem Jahr insgesamt Preisgelder in Höhe von 22.000 Euro vergeben. Alle Fotos sind zwischen November 2019 und Oktober 2020 entstanden.

NRW-Pressefoto_05.jpg 
Der Präsident des Landtags Andre Kuper (2.v.r.), mit Preisträgern des Wettbewerbs: Lars Berg (r.), Kerstin Kokoska und Andreas Bretz. Es fehlt der Preisträger des Nachwuchspreises, Marcel Kusch.

Eine durch den Landtag benannte Jury wählte auf den zweiten Platz ein Foto von Kerstin Kokoska, das die Übertragung einer Freitagspredigt ins Internet zeigt. Auf Platz Drei gewählt wurde Andreas Bretz, der eine Wiese am Düsseldorfer Rheinufer fotografierte, auf der Kreise zum Abstandhalten eingezeichnet sind. Der Fotograf erhielt auch den Sonderpreis „Demokratie vor Ort“ für sein Bild von der Kommunalwahl in Düsseldorf, auf dem der unterlegene Oberbürgermeister seinem Herausforderer zum Wahlsieg gratuliert. Den Nachwuchspreis erhielt erneut Marcel Kusch. Er fotografierte bei einer Protestaktion gegen die Kommerzialisierung des Fußballs ein Fußballspiel mit nackten Spielern.

30 weitere Fotos wählte die Jury aus, die gemeinsam mit den fünf prämierten Bildern in einer Ausstellung im Landtag gezeigt werden. Sie gibt einen eindrucksvollen Rückblick auf die Bilder des Jahres 2020, die geprägt sind von der Corona-Pandemie: Zu sehen sind Autokinos, leere Straßen und Fußballstadien, Corona-Teststationen, Hauskonzerte – aber auch andere Themen des Jahres wie das Waldsterben, Black-Lives-Matter-Demonstrationen oder die Schließung von Karstadt-Kaufhof-Filialen. Die Ausstellung ist bis 21. Januar 2021 in der Bürgerhalle des Landtags zu sehen - und online hier.
 
Der Präsident des Landtags, André Kuper, sagt: „Dieses Jahr hat uns viel abverlangt: jedem persönlich, aber auch uns als Gesellschaft und unserer Demokratie. Die Bilder des NRW-Pressefotos 2020 erzählen die Geschichten des Jahres: von Abstand halten, von Einsamkeit und vom Kampf gegen die Krankheit, aber auch von Kreativität und Mut. Jedes Bild sagt mehr als tausend Worte. Dass die Pandemie diesen Wettbewerb prägen würde, war zu erwarten. Gleichwohl überrascht es wie vielfältig, kreativ und auch bewegend die Fotografinnen und Fotografen das Thema begleitet haben. Das NRW-Pressefoto des Jahres soll ihre Arbeit würdigen. Und diese Arbeit war im Jahr 2020 wichtiger denn je: Für Fotojournalistinnen und Fotojournalisten gibt es kein Home Office. Sie waren vor Ort und berichteten jenen, die zuhause blieben. Vergessen wir dabei nicht: Für viele Fotografinnen und Fotografen ist es auch ein wirtschaftlich schweres Jahr.“

Zur Jury des NRW-Pressefotos gehörten: 
•    Juliane Herrmann, FREELENS, Verband der Fotografinnen und Fotografen
•    Barbara Löcherbach, Schriftführerin Deutscher Journalistenverband NRW
•    Andreas Müller, Geschäftsführer des Zeitungsverlags Aachen und Mitglied des Vorstands des Zeitungsverlegerverbands NRW
•    Prof. Elke Seeger, Fotografie und Konzeption, Prorektorin für Studium und Lehre, Folkwang Universität der Künste
•    Jochen Trum, WDR und Mitglied im Vorstand der Landespresskonferenz
(Ohne aktive Teilnahme: Der Präsident des Landtags, André Kuper, das Grimme-Institut)
 
Platz 1: Lars Berg – „Corona-Familienbesuch“
16. März 2020, Bildzeitung

1 Platz Berg.jpg (Enkelin und Oma trennt eine Fensterscheibe - Corona-Pandemie.)

Stellungnahme der Jury: 
So unterschiedlich die Menschen diese Pandemie wahrnehmen, so ähnlich war eine Erfahrung, die wir alle gemacht haben: Abstand halten fällt nicht leicht. Liebe Menschen nicht mehr in den Arm nehmen zu dürfen, tut weh. Die Jury überzeugte, wie das Bild Gefühle transportiert. Es zeigt eine Situation, in der die Menschen normalerweise lächeln: Oma, Mutter und Tochter treffen zusammen – eine eigentlich alltägliche, freudige Szene des Familienlebens. Auf dem Bild sehen wir aber keine fröhlichen Gesichter, sondern sehnsuchtsvolle Blicke. Es zeigt Gefühle, wie wir sie alle in Zeiten der Kontaktbeschränkungen erlebt haben. Es ist damit ein Sinnbild dieses Jahres.


Platz 2: Kerstin Kokoska – „Ein Fastenmonat, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hat“
24. April 2020, Funke Mediengruppe

2 Platz Kokoska.jpg (Essen)

Stellungnahme der Jury:
Die Kontaktbeschränkungen während der Pandemie haben auch die Religionsgemeinschaften getroffen. Gotteshäuser blieben leer und Geistliche suchten nach neuen Wegen, die Gläubigen zu erreichen. Gleichzeitig waren viele Menschen auf der Suche nach Sinn und Halt in unruhigen Zeiten. Die Jury begeisterten die Kontraste des Bildes: die Farben und das Licht des Gebetssaals auf der einen, Computer und Technik auf der anderen Seite. Das Foto drückt auch den Widerspruch zwischen Leere und Gemeinsamkeit aus: Der Imam sitzt alleine im Gebetssaal.

Platz 3: Andreas Bretz – „Coronasommer 2020“
25. Juni 2020, Rheinische Post

3 Platz Bretz.jpg (POA)

Stellungnahme der Jury: 
Das Foto von Andreas Bretz zeigt eine „absurde Situation“: Das Rheinufer nahe der Altstadt in Düsseldorf ist beliebt für Picknicks oder gemütliches Beisammensein. Bei gutem Wetter sind hier oft hunderte Menschen unterwegs. Im „Coronasommer 2020“, ist alles anders. Die Jury beeindruckten Perspektive und Motiv. Man kann sich in dem Bild verlieren, soviel gibt es dort zu entdecken. Gleichzeitig ist die Darstellung auch formal überzeugend. Das Motiv der Kreise ist ein Inbegriff des Sommers, der von Abstandhalten, Social Distancing und Aufenthalt im Freien geprägt war. Das Foto macht die Vereinzelung während der Corona-Pandemie eindrücklich greifbar.
 
Nachwuchspreis: Marcel Kusch – „Nackt-Fußball-Länderspiel Deutschland – Niederlande“
6. September 2020, Deutsche Presseagentur
Nachwuchspreis - Kusch.jpg 

Stellungnahme der Jury:
Die Diskussion über den wirtschaftlichen Einfluss auf den Fußball nahm im Jahr der Pandemie Fahrt auf: Der Protest der Amateurspieler im Sommer, nicht spielen zu dürfen, erregte mit einer besonderen Aktion hohe Aufmerksamkeit. Mit ironisch-witziger Geste changiert die Fotografie zwischen Inszenierung und Zufall. Dem Genre des perfekten, oftmals spektakulären Sportfotos entspricht es in keinster Weise und entfaltet durch diese Verweigerung, so die Jury, erst seine Qualität. Zudem überzeugte die kompositorische Gestaltung des Bildes, die der Momenthaftigkeit ihrer Entstehung fast eine Absage erteilt.  

Sonderpreis: Andreas Bretz – „Wahl Oberbürgermeister Düsseldorf“
27. September 2020, Rheinische Post

Sonderpreis - Bretz.jpg (RP-POA,WZ-PO)

Stellungnahme der Jury:
Dieses Foto, das die Jury für den Sonderpreis ausgewählt hat, drückt ein konstitutives Moment unserer demokratischen Ordnung aus. Die scheinbare Geste der Unterwürfigkeit ist in Wahrheit der Ausdruck größter Stärke. Stärke im Moment einer bitteren Niederlage. Der Unterlegene anerkennt den Willen der demokratischen Mehrheit, verneigt sich vor der demokratischen Entscheidung des Wahlvolks. Die spezielle Perspektive dramatisiert diesen Augenblick, verweist auf den Kern: Der Souverän entscheidet, die Gewählten sind ihm verpflichtet. Im Sieg genauso wie in der Niederlage. Und der Sieg ist erst dann vollständig, wenn er von der Gegenseite anerkannt ist.
 

Foto: bs

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