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Sondersitzung: Ausschuss berät über Tod eines Kindes in Viersener Kita

04.06.2020 / Der Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend hat sich in einer Sondersitzung mit dem Tod eines dreijährigen Mädchens in einer Kindertagesstätte in Viersen (Niederrhein) befasst. Eine Erzieherin steht unter dem Verdacht, das Kind getötet zu haben. Die SPD-Fraktion hatte die Sitzung beantragt.

Familienminister Dr. Joachim Stamp (FDP) sowie Sprecherinnen und Sprecher aller Fraktionen drückten den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Den Ermittlungen zufolge hat die Frau möglicherweise weitere Kinder in Kitas in Krefeld, Kempen und Tönisvorst schwer misshandelt. Er sei „tief erschüttert und schockiert“, sagte Stamp. Sein Ministerium werde die Aufklärung des Falls mit größter Sorgfalt begleiten und den Ausschuss zu Beginn jeder Sitzung über aktuelle Erkenntnisse informieren.

Die Erzieherin sei innerhalb kürzester Zeit bei fünf Trägern von Kindertageseinrichtungen beschäftigt gewesen, teilte Lorenz Bahr, der Leiter des Landesjugendamts Rheinland, dem Ausschuss mit. Man prüfe derzeit, ob den Trägern der Einrichtungen, in denen es Vorfälle gegeben habe, Verletzungen der Meldepflicht vorzuwerfen seien. In einer Kita sei es zu vier Notarzteinsätzen gekommen, bei denen immer dasselbe Kind betroffen gewesen sei.

Die Tatverdächtige sei schon während ihrer Ausbildung als ungeeignet für den Beruf der Erzieherin beurteilt worden, sagte Dr. Dennis Maelzer (SPD). Dass sie die Ausbildung trotzdem erfolgreich absolvieren konnte, sei unverständlich. Es stelle sich die Frage nach dem Stellenwert dieser Beurteilungen, sagte Iris Dworeck-Danielowski (AfD). Sie fragte: „Wie kann es ohne Konsequenzen bleiben, wenn in einer Kita vier Mal der Notarzt zu einem Kind kommt?“ Es sei unvorstellbar, dass so etwas in einer Kita passieren könne, sagte Josefine Paul (Grüne). „Meldeketten“ und „Frühwarnsysteme“ hätten versagt. Jens Kamieth (CDU) fragte, ob bei den Vorschriften „nachgeschärft“ werde müsse. Der Fall müsse intensiv aufgearbeitet werden, sagte Jörn Freynick (FDP). Er fragte u. a. nach Einstellungsvoraussetzungen und ob psychologische Aspekte dabei eine Rolle spielten. 

Wie ein Vertreter des Justizministeriums im Ausschuss berichtete, hatte die Staatsanwaltschaft Kleve gegen die Erzieherin wegen Vortäuschung einer Straftat ermittelt. Die Verletzungen, die ihr angeblich ein Unbekannter zugefügt habe, hatte sie sich nach Überzeugung einer Gerichtsmedizinerin selbst beigebracht. Die Ärztin sei zu dem Schluss gekommen, dass die Frau dringend psychologische Hilfe brauche. Im Hinblick auf die psychischen Auffälligkeiten und den Beruf der Frau wäre eine Mitteilung an die „zuständige öffentliche Stelle“ erforderlich gewesen, so der Ministeriumssprecher. Diese sei jedoch unterblieben. Die Staatsanwaltschaft Kleve habe den Fehler eingeräumt.

Text: zab
 
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