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„Digitale Medien sind nicht mehr wegzudenken“

Experten unterstützen den Einsatz digitaler Lernmaterialien

(14.3.2013) Die Landesregierung soll in den Schulen über Urheberrechte bei Nutzung, Erstellung und Austausch von Lernmaterialien informieren

für den Einsatz freier Lernmaterialien werben sowie die gezielte Suche danach ermöglichen - das fordert jedenfalls die Piratenfraktion in einem entsprechenden Antrag (Drs. 16/1253). Über die Vor- und Nachteile des Einsatzes digitaler Lernmaterialien unter freien Lizenzen informierte sich der Ausschuss für Schule und Weiterbildung (Vorsitz Wolfgang Große Brömer, SPD) in einer öffentlichen Anhörung von Fachleuten.

Die allseits geforderte Individualisierung der Lernprozesse fordere auch individuell anpassbare Materialien - betonte der Lehrer Felix Schaumburg aus Wuppertal. Klassische Schulbücher seien Basissammlungen von Informationen zu einem bestimmten Fachbereich, spielten im Unterricht jedoch nur noch eine geringe Rolle. "Sie werden genutzt, weil sie da sind", so der Experte. Das Internet sei eine hervorragende Alternative, die durch das oft gegebene Medienverbot im Unterricht jedoch nur eingeschränkt genutzt werde. Durch den Einsatz digitaler Lernmaterialien unter freien Lizenzen sei es möglich, individuelle Lernwege zu gehen.

"Wer bildungspolitisch gewinnen und maximale Lern- und Weiterbildungspotentiale ausschöpfen will, muss alle Formen der Erstellung und des Handlings von Lernmaterialien in den Fokus nehmen", betonte der Rechtswissenschaftler Philipp Otto (iRights.info). Es sei die Aufgabe des Gesetzgebers, die Rahmenbedingungen für das Nebeneinander der klassischen und neuen Bildungsmaterialien so zu gestalten, dass sowohl eine größere Auswahl als auch bessere Materialien entstünden. "Es ist wichtig, zunächst eine Gesamtstrategie zu entwickeln und so das Angebot der freien Lernmaterialien zu strukturieren. In einem strategisch wie auch praktisch orientierten Forschungsprojekt sind verschiedene Modelle durchzuspielen", so Otto.

Professor Dr. Waltraud Schreiber von der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt wies darauf hin, dass es nicht ausreiche, entsprechende Lernmaterialien frei zugänglich zu machen. Ebenso wie Schulbücher müssten auch die digitalen Materialien bestimmten Qualitätsstandards entsprechen. Die Expertin gab zu bedenken, dass eine solche Qualitätssicherung durch den Staat kostenintensiv, äußerst anspruchsvoll und zeitaufwändig sei. Der Staat könne seine Lehrkräfte zwar aus- und weiterbilden und ihnen so eine entsprechende Sach- und Medienkompetenz vermitteln - schlussendlich müsse er ihnen jedoch auch vertrauen, dass sie Qualität erkennen und nur solche Ressourcen nutzen würden, die ihre Schülerinnen und Schüler wirklich voranbringe.

"Digitale Materialien, Werkzeuge und Plattformen sind ein Glücksfall für die Schule", so Jöran Muuß-Merholz (J&K - Agentur für Bildung, Hamburg). Technische und urheberrechtliche Hürden führten jedoch dazu, dass das digitale Potential nicht ansatzweise zur Geltung kommen könne. "Viele Lehrer lassen aus Angst die Finger davon", so der Experte. Es bestehe eine große Unsicherheit im Lehrerkollegium darüber, was erlaubt sei und was nicht. Infolgedessen seien mit digitalen Materialien weniger Möglichkeiten gegeben als mit ihren analogen Pendants. Lernmaterialien, die frei verarbeitet und bearbeitet werden dürften, könnten dieses Potenzial freisetzen. Es sei Aufgabe des Staates, die bestehende Rechtsunsicherheit zu beseitigen.

Für eine ideelle, aber gegen eine finanzielle Förderung der freizugänglichen Medien durch den Staat sprach sich Professor Dr. Peter Henning von der Hochschule in Karlsruhe aus: "Es gibt in NRW eine Vielzahl von Anbietern, die mit der Entwicklung von Bildungsmedien ihren Lebensunterhalt verdienen. Dieser Markt würde durch eine Subventionierung der Entwicklung weiterer Angebote erheblich verzerrt", so der Professor. Es dürfe daher nicht Aufgabe des Staates sein, die Entwicklung freier Bildungsmedien finanziell zu fördern.

Auch bei digitalen Lernmaterialien müsse gewährleistet sein, dass alle Schülerinnen bzw. Schüler organisatorisch und finanziell Zugang dazu hätten - das forderte Ursula Walther vom BundesEltern Rat. Die erforderliche Hard- oder Software sei aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren. "Eine kostengünstige Lösung könnte es sein, entsprechende Lernmaterialien für Smartphones zu entwickeln", so die Elternvertreterin. Wer die Kosten für die Hardware nicht tragen könne, müsse finanziell unterstützt werden. Alternativ gelte es, die Schulen im Bereich der IT so auszustatten, dass alle Schülerinnen und Schüler jederzeit Zugang zu den Materialien hätten.                  Marie Schwinning

 

Herausgeberin: Die Präsidentin des Landtags
Redaktion: Hans Zinnkann, Pressesprecher; Florian Melchert, stv. Pressesprecher
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