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Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Ralf Schuhmann - Grauzone, Fotos aus Leipzig und Berlin"

Ausstellung (4.11.2009) Rede der Präsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen Regina van Dinther anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Ralf Schuhmann - Grauzone, Fotos aus Leipzig und Berlin (1988-1991)“ am 4. November 2009, 9.30 Uhr, Bürgerhalle des Landtags

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
verehrte Gäste!

I.

„Wenn 50.000 mit Leitern auf die Mauer zustürmen, dann gibt es keinen Schießbefehl mehr.“

Diese gewagte Prognose von Wolfgang Vogel, dem DDR-Anwalt, der vielen tausend Menschen den Weg durch den Eisernen Vorhang gebahnt hat, stammt von Ende 1988.

Und tatsächlich, schon ein knappes Jahr später war es soweit:

11.000 erzwangen via Prag ihre Ausreise. 50.000 suchten über die ungarische Grenze den Weg in die Freiheit. Viele Tausende fanden den Mut zur Teilnahme an den Leipziger Montagsdemonstrationen. Bei der entscheidenden am 9. Oktober waren es über 70.000 Menschen.

Während Fluchtwelle und Demonstrationen die Grundfesten des Staates erschütterten, feierte die DDR-Führung am Wochenende zuvor noch in altgewohnter Manier den 40. Gründungstag der DDR.

Die Situation war mehr als grotesk: Während die SED-Altvorderen die Militärparade  winkend entgegennahmen, protestierten vor den Absperrungen die Bürgerinnen und Bürger für Freiheit und Demokratie.  

Auch die Mahnung von Ehrengast Michail Gorbatschow „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ wurde unter Verkennung der Wirklichkeit von der Riege um den reformunfähigen Honecker nicht mehr gehört. Der Anfang vom Ende nahm seinen Lauf.

Die letzte Hoffnung des SED-Regimes, die Revolution doch noch zu verhindern, bestand in dem vom Politbüro erzwungenen Rücktritt Honeckers und der Ankündigung von Reiseerleichterungen. Wir alle kennen die Auswirkungen jener Pressekonferenz.

Der Fall der Mauer war nicht mehr aufzuhalten und noch in derselben Nacht besiegelt. Am 9. November durchbrachen die Ostberliner - vorbei an den verunsicherten Grenzsoldaten - das verhasste Bollwerk, das innerhalb weniger Stunden seinen Schrecken verlor.

Anwalt Vogel hatte also Recht:

„Wenn 50.000 mit Leitern auf die Mauer zustürmen, dann gibt es keinen Schießbefehl mehr.“



II.

Der Mauerfall war in der Tat ein weltgeschichtliches Ereignis. Er war die Folge einer friedlichen Revolution, einer Selbstbefreiung der ostdeutschen Bevölkerung - und damit die einzige erfolgreiche Revolution in der deutschen Geschichte.

Deshalb erinnert der Landtag mit mehreren Veranstaltungen und Ausstellungen an die bewegte Zeit vor 20 Jahren.

Wir tun es heute mit einer Ausstellung von Ralf Schuhmann, den ich sehr herzlich bei uns willkommen heiße.

Ralf Schuhmann zeigt Fotos aus Leipzig und Berlin aus der Zeit von 1988 bis 1991.

Die Ausstellung zeigt Bilder aus der Endzeit der DDR bis hin zu der Zeit kurz nach der Deutschen Wiedervereinigung.

Die Fotos konzentrieren sich - wie gesagt - auf die beiden Hauptschauplätze dieser Zeit:

Leipzig, den Ort der entscheidenden friedlichen Montagsdemonstrationen, und Berlin, den Ort des Mauerfalls.

III.

Mit seiner subjektiv-dokumentarischen Sichtweise ermöglicht Ralf Schuhmann dem Betrachter einen Blick auf die Ereignisse jener Zeit.

Sie werden feststellen: Sie liegen ein Stückchen neben den Klischees, die von den Medien transportiert wurden.

Ralf Schuhmann erweist sich mit seinen Bildern als sehr aufmerksamer Beobachter einer ereignisreichen Zeit.

Die authentischen Fotografien regen zum längeren Hinsehen an. Und damit das nun geschehen kann, erkläre ich die Ausstellung ohne weitere Worte für eröffnet und danke Ihnen, dass Sie gekommen sind.

Selbstverständlich steht Ralf Schuhmann für Fragen zur Verfügung.

Herzlichen Dank.

Herausgeber: Der Präsident des Landtags
Redaktion: Hans Zinnkann, Pressesprecher; Florian Melchert, stv. Pressesprecher
Telefon: 0211/884-2850   Telefax: 0211/884-2250
E-Mail:  hans.zinnkann@landtag.nrw.de

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