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Ausstellungseröffnung "Von Moskau an den Rhein - der Humanist Lew Kopelew in Nordrhein-Westfalen"
(7.5.2009)
Begrüßungsworte der Präsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen Regina van Dinther zur Eröffnung der Ausstellung „Von Moskau an den Rhein - der Humanist Lew Kopelew in Nordrhein-Westfalen“ am 7. Mai 2009, 9.30 Uhr, Bürgerhalle des Landtags
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
verehrte Gäste!

I.
"Toleranz, Moral, Menschlichkeit - die Ideale und Träume der deutschen und russischen Aufklärer sind keine wirklichkeitsfremden Utopien. Sie sind Wegweiser für unsere Gegenwart und Zukunft."
Mit diesen Worten von Lew Kopelew begrüße ich Sie zur Eröffnung der Ausstellung „Von Moskau an den Rhein - der Humanist Lew Kopelew in Nordrhein-Westfalen“ und heiße Sie herzlich willkommen.
Mein besonderer Willkommensgruß gilt dem Vorsitzenden des Lew Kopelew Forums. Schön, dass Sie hier sind, verehrter, lieber Fritz Pleitgen.


II.
Der Name Lew Kopelew steht für Kultur, Humanität, Völkerverständigung und besonders für deutsch-russische Freundschaft. Sein Schicksal spiegelt das dramatische Geschehen des vergangenen Jahrhunderts in Europa wider.
1912 in Kiew geboren entwickelte Lew Kopelew eine große Liebe zu Deutschland, zur deutschen Kultur und zur deutschen Sprache, die er von klein auf neben seiner Muttersprache gelernt hatte.
Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er für die Befreiung der Sowjetunion von Nazi-Deutschland. Weil er sich beim Einmarsch der sowjetischen Truppen in Ostpreußen für eine menschenwürdige Behandlung der deutschen Bevölkerung einsetzte, wurde er trotz seiner militärischen Verdienste zu zehn Jahren Lager verurteilt.
Nach seiner Freilassung und Rehabilitierung konnte Lew Kopelew als Literaturwissenschaftler und Germanist arbeiten und veröffentlichen.
Zunehmend setzte er sich für Andersdenkende ein - so für Solschenizyn und Sacharow - und protestierte entschieden gegen die Niederschlagung des "Prager Frühlings". Dadurch geriet er mit der sowjetischen Obrigkeit in scharfen Konflikt.
In den sechziger Jahren begegnete er erstmals Heinrich Böll. Aus dieser Begegnung wurde eine außergewöhnlich tiefe Freundschaft zweier Menschen, die sich im Krieg noch als Feinde gegenüber gestanden hatten.
Als Lew Kopelew 1981 vom Breschnew-Regime ausgebürgert wurde, zog er nach Köln, in die Heimatstadt seines Freundes Böll.
III.
Der in der Ukraine geborene "jüdische Russe" erhielt viele Ehrungen, u.a. den Ehrendoktor der Universität Köln und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
In seinen Publikationen hat er sich immer wieder eingemischt, wenn Menschenrechte verletzt wurden.
Lew Kopelew war schon früh ein überzeugter Europäer. Wo er konnte, half er, Mauern abzubauen und Grenzen durchlässig zu machen:
Nicht nur Russen und Deutschen - auch Polen und Tschechen, Balten und Ukrainern - jedem sollte die Begegnung mit Menschen anderer Nationalitäten möglich sein, jedem die kulturelle Vielfalt des Hauses Europa offen stehen. Das war sein Credo.
IV.
Nach Lew Kopelews Tod war sein großer Freundeskreis einig, in seinem Sinne weiterzuwirken. Deshalb wurde 1998 das Lew Kopelew Forum gegründet. Ihm gehören mittlerweile viele renommierte Persönlichkeiten aus Politik und Publizistik, Wissenschaft und Kultur an.
„Das Forum“ - so steht es auf der Homepage - „soll ein Treffpunkt sein für alle, die sich für Leben und Werk seines Namengebers interessieren und für ein friedlich nachbarliches Verhältnis zwischen Deutschen und Russen sowie für die Wahrung der Menschenrechte in aller Welt eintreten wollen.“
Verehrter, lieber Fritz Pleitgen, ich danke Ihnen sehr, dass das Kopelew Forum die Ausstellung hier im Landtag präsentiert und uns mit Fotos, Briefen und Zeitungsausschnitten ein Bild der eindrucksvollen Persönlichkeit Lew Kopelews vermittelt.
Ich darf Sie herzlich bitten, uns weitergehend in die Ausstellung „Von Moskau an den Rhein - der Humanist Lew in Nordrhein-Westfalen“ einzuführen.
Herzlichen Dank.
Herausgeber:
Der Präsident des Landtags
Redaktion:
Hans Zinnkann, Pressesprecher; Florian Melchert, stv. Pressesprecher
Telefon: 0211/884-2850 Telefax: 0211/884-2250
E-Mail: hans.zinnkann@landtag.nrw.de

