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300 Fragen an den Präsidenten

Eckhard Uhlenberg besuchte die Georg-Müller-Schule in Bielefeld

(6.2.2012) Durch ihren Politiklehrer hatte die Klasse 10d der Georg-Müller-Gesamtschule Bielefeld erfahren, dass die Möglichkeit besteht, Fragen über das Landesparlament und über die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Mitsprache „direkt“ an den höchsten Repräsentanten zu stellen. Als der Schulbesuchstermin von Eckhard Uhlenberg in Bielefeld schließlich feststand, hatten die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse gemeinsam mit der Oberstufe mehr als 300 Fragen gesammelt, die sie stellen wollten.

"Ich habe ich mich gefreut, dass die Schüler so viel Interesse zeigen", sagte Kornelius Ens, der für Politik zuständige Lehrer an der Privaten Bekenntnisschule zu Beginn der Fragestunde. Um dann gleich zu beruhigen: "Einige Fragen waren aber doppelt und einige haben wir aus Zeitgründen auch gestrichen." Die Fragen waren gesammelt, abgegeben und dann sortiert worden. Im Namen der 250 Schüler, die sich in der Turnhalle versammelt hatten, arbeiteten dann Schulsprecherin Theresa und Schülervertreter Sören die Liste ab. Hier sind einige Fragen gemeinsam mit den Antworten, die Landtagspräsident Uhlenberg gab:

Welche Schulbildung haben Sie?

Da bin ich kein gutes Vorbild. Ich komme aus einer Bauernfamilie und war der Jüngste. Als mein ältester Bruder gestorben ist, haben mich meine Eltern gefragt, ob ich Landwirt werden kann. Deshalb bin ich nur bis 14 zur Schule gegangen und habe dann die Landjugendakademie besucht und früh den Hof übernommen.

Haben Sie Hobbys?

Ich bin begeisterter Zeitungsleser. Und wandere gerne.

Wie sind Sie ein politischer Mensch geworden?

Ich habe mich immer stark für Politik interessiert. Einer meiner Brüder studierte in Berlin und wir haben uns die Köpfe heiß geredet. Ich bin zur Jungen Union gegangen, dann ging es immer so weiter: Kreistag, mit 32 in den Landtag, mit 37 wieder rausgeflogen, viele Jahre beides gemacht: Landwirt und Politiker. Inzwischen bin ich 26 Jahre im Landtag und der Dienstälteste Abgeordnete.

Im Leben ändert man doch des Öfteren seine Meinung. Warum ändert man so selten seine Parteizugehörigkeit?

Bei den Linken sind viele, die schon in mehreren Parteien waren… ich bin natürlich auch nicht immer einverstanden, was die Partei macht. Aber ich wollte immer Mitglied einer großen Volkspartei sein.

Wie bereiten Sie sich auf besonders schwere Entscheidungen vor?

Solche Entscheidungen trifft man nicht allein, sondern mit den Kollegen und Mitarbeitern.

Welches war Ihre wichtigste/schwerwiegendste Entscheidung in Ihrer politischen Karriere?

Kumarin im Zimt. Ich musste innerhalb von 24 Stunden entscheiden, ob die Backprodukte in der Vorweihnachtszeit aus den Regalen geräumt werden müssen. Da habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen. PFT, Gammelfleisch, Kyrill - das waren auch schwere Entscheidungen.

Wie stehen Sie dazu, dass Politik auch außerhalb des Parlaments stattfindet?

Abgeordnete sind auch auf die Kenntnisse von Bürgerinitiativen und kompetente Bürger angewiesen. Es gibt eine Vielzahl von Verbänden, die aktiv sind. Politiker wissen nicht alles allein, aber ihre Aufgabe ist es, hinterher zu entscheiden.

Warum sollte man heute als Jugendlicher in die Politik gehen?

Ohne Engagement können wir gar nicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung erhalten. Wir dürfen das nicht den Links- oder Rechtsradikalen überlassen!

Wie kann man als Schüler politischen Einfluss nehmen?

Zum Beispiel, indem man zum Bürgermeister in die Bürgersprechstunde geht, wenn einem etwas nicht gefällt.

Auf Nachfrage von Schulleiter Karsten Leuenroth ("Was können Sie den jungen Leuten aus Ihrer Erfahrung mit auf den Weg geben?") antwortete der Präsident: "Mit Optimismus und Gottvertrauen kann man die Herausforderungen gut meistern, die kommen. Immer nach vorn gucken!"

(Text und Fotos: Doro Dietsch / Landtag NRW)

Schulleiter Karsten Leuenroth, Politiklehrer Kornelius Ens, Schulsprecherin Theresa und Schülervertreter Sören mit dem Landtags-Präsidenten.

Die Diskussionsrunde fand mit 250 Schülerinnen/Schülern in der Turnhalle statt.

Nach einem Mittagsimbiss in der Schulkantine ging es weiter zum Berufskolleg der AWO. Gemeinsam mit Bürgermeister Detlef Helling, dem Präsidiumsvorsitzenden Norbert Wellmann und dem Vorstand Klaus Dannhaus und Dr. Nicolas Tsapos sowie weiteren Vertretern vom AWO Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe hörte man einen Vortrag des Schulleiters Beckord über die Gewinnung junger Menschen für die Beschäftigung in der Sozialwirtschaft durch aufsuchende Berufsberatung. Und besichtigte zum Abschluss des Tages noch die Integrative Kindertagesstätte sowie das Familienzentrum im Elfriede-Eilers-Zentrum.

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