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"Wir alle haben Verantwortung"

Landtagspräsident im Fichte-Gymnasium in Krefeld

(1.12.2011) Von Schülervertretung, Ersthelfern und Klassensprechern wurde Eckhard Uhlenberg im Fichte-Gymnasium freundlich begrüßt, bevor es in die Aula ging.

Nach einer einführenden Power-Point-Präsentation über den Landtag, leitete Schülersprecher Dimos Rakanidis die Diskussion. „Haben Sie viel Macht?“, wollte Lorenzo als erstes wissen. Uhlenberg antwortete, ein Landtagspräsident habe die Aufgabe, Sitzungen fair zu leiten. Mehr Macht habe er vorher - als Minister - gehabt. Wie viele Jahre er im Landtag sei (26 Jahre), wie er gewählt werde (von den Abgeordneten) und was Politik für ihn bedeute, waren die nächsten Fragen. Der Präsident erklärte, sein Vater sei in der Kommunalpolitik gewesen und in seiner Familie sei viel über Politik diskutiert worden. Ob er auch von Fotografen belästigt werde und ob es Situationen gebe, in denen er den Job hasse, fragten die Siebtklässler. Fotografen sehe er nicht als Belästigung, sagte Uhlenberg. Er freue sich vielmehr, wenn sich andere für den Landtag interessierten. Termine seien manchmal langweilig, aber hassen würde er sie nicht. Und in das Fichte-Gymnasium sei er sehr gerne gekommen.

„Ist Ihnen schon mal was Peinliches passiert?“, war eine Frage, die für Lacher sorgte. Die Antwort: „Mit Sicherheit! Wenn man zu spät kommt oder etwas vergisst, ist das peinlich.“ Weitere Themen in der Diskussion waren die Todesstrafe, die Atompolitik, die NPD, die Piratenpartei, das Dienstauto, Fußball und das Ende der Hauptschulen. „Was war Ihr Berufswunsch als Kind?“, interessierte die Schüler ebenfalls. „Busfahrer“, erzählte der Präsident. „Wir hatten kein Auto und ich fand es toll, mit meiner Mutter Bus zu fahren.“

Da an der Schule viele Schüler/innen einen Migrationshintergrund haben, nutzten anschließend zehn von ihnen aus aktuellem Anlass die Gelegenheit, mit dem Präsidenten über Rechtsextremismus zu diskutieren. Die gut informierten 15-Jährigen erzählten, in Krefeld gebe es NPD-Aufkleber an Ampeln und Straßenlaternen, NPD-Flugblätter würden verteilt und sogar in den Jugendbeirat habe ein NPD-Vertreter kommen wollen. Der Präsident sagte, schon bei den ersten Anzeichen müsse man in geeigneter Form gegen Rechtsextremismus protestieren: „Wir müssen in unserem Umfeld mehr darauf achten.“

Gregor Micus (Beigeordneter für Bildung bei der Stadt Krefeld) wusste, dass die extrem Rechten in der Regel nicht diskutieren, sondern provozieren wollten. Wachsamkeit sei der Preis für die Freiheit. In der Lindenstraße (in der sich das Fichte-Gymnasium befindet) habe die NPD sogar ein Haus kaufen wollen. Das sei verhindert worden.

Schulleiterin Waltraud Froechte ergänzte, 40 Prozent der Grundschüler in Krefeld hätten einen Migrationshintergrund. Jährlich richte immer eine andere Schule den Holocaust Gedenktag aus. Am 27. Januar sei das Fichte-Gymnasium an der Reihe.

Lukas von der SV meinte, falls die NPD verboten werde, könnte sie eine kriminelle Organisation im Untergrund werden. Wichtiger als das Verbot sei daher Aufklärung. Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg appellierte abschließend an die Schülerinnen und Schüler, ein Gegengewicht zu schaffen - und zum Beispiel in die Jugendorganisation einer Partei einzutreten: „Wir sind die Gesellschaft, wir alle müssen uns einsetzen. Ihr seid die Politik genauso wie wir auch!“

Schuldezernent Gregor Micus (rechts), Schulleiterin Waltraud Froechte (links) und Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg (Mitte)  im Kreise der Schüler, die ihre Fragen auf Zetteln vorbereitet hatten.

Das Gymnasium gehört zu den Schulen, die für das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Strategie in der Qualitätsentwicklung von Schulen in schwieriger Lage“ ausgesucht wurden. Es ist bereits seit zwei Jahren ein Ganztagsgymnasium.

Text: Doro Dietsch/Landtag NRW

Fotos: Pressefoto Lammertz (1), Landtag NRW/Dietsch (2)

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